Sportgericht

Sperren, Geldstrafen und ein Zuschauerverbot

Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit. Ihre Waage symbolisiert das Abwägen von Pro und Contra.

Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit. Ihre Waage symbolisiert das Abwägen von Pro und Contra.

Foto: Peter Steffen / dpa

Lohbrügge. Nach den Vorkommnissen rund um die Hetzjagd auf Schiedsrichter Christian Henkel kickt die Vereinigung Tunesien auf Bewährung.

Lohbrügge. Sogar in Tunesien und Frankreich hatten die Youtube-Bilder von den Übergriffen auf den Lohbrügger Schiedsrichter Christian Henkel (VfL Lohbrügge) beim Fußball-Kreisligaspiel zwischen der Vereinigung Tunesien und dem Harburger SC für Aufsehen gesorgt. Der 55-Jährige konnte nach vier Platzverweisen für die Gastgeber und einem späten Siegtreffer der Gäste die Anlage nur unter dem Schutz der HSC-Spieler und der eilig herbeigerufenen Polizei verlassen (wir berichteten). In einem Pulk von mehr als 20 Personen war eine Flasche nach ihm geworfen worden, und Henkel hatte einen Schlag in den Nacken abbekommen. „Ich habe um mein Leben gefürchtet“, sagte er bei der Verhandlung vor dem Sportgericht des Hamburger Fußball-Verbandes.

Alle Dimensionen gesprengt

Die sprengte am Mittwochabend alle Dimensionen: Erst um 23.10 Uhr (Rekord!) schloss der Vorsitzende Christian Koops nach zweieinhalbstündiger Verhandlung die Sitzung, die wegen des starken Andrangs in einen größeren Raum verlegt werden musste. Weder der Schläger noch der Flaschenwerfer wurde von der Vereinigung Tunesien benannt. Dass Aggressivität in der Kreisliga 1 mittlerweile der Normalfall ist, machte der Trainer des Harburger SC Alexander R. deutlich. „Es macht einfach keinen Spaß“, sagt er, „die Leute rasten nur noch aus. Es muss etwas passieren.“

Das Urteil war dann jedoch eine dicke Überraschung: Das Gericht sprach zwar Sperren gegen fünf Spieler der Vereinigung Tunesien aus, verurteilte den Verein zu 750 Euro Geldstrafe, vier Heimspielen ohne Publikum und wertete die abgebrochene Partie gegen den HSC sowie das abgesetzte Spiel gegen Bostelbek jeweils mit 3:0 für die Gegner. Doch die ganz große Keule blieb im Sack: Das Sportgericht wies einen Antrag vom Verbands-Schiedsrichterausschuss ab, die Vereinigung Tunesien vom Spielbetrieb auszuschließen.

„Wir sind der Meinung, dass die Gefahr nicht von den Spielern ausging, sondern von den Zuschauern“, erläuterte Koops, „daher war der Antrag zurückzuweisen.“ Als Verantwortlicher für die Aggressionen wurde der Präsident der Vereinigung Tunesien Abdel B. ausgemacht und bis Ende Juni 2019 gesperrt. Zudem spielt der Verein künftig auf Bewährung. Sollte noch einmal etwas vorfallen, droht der Ausschluss. „Wir geben Ihnen den Tipp: Wir werden das beobachten“, schloss Koops.

Fader Beigeschmack

Für Henkel, der während der Versammlung sichtlich aufgeregt und angefasst war, blieb ein fader Nachgeschmack. „Was ich erbärmlich und traurig finde, ist, dass sich von der Vereinigung Tunesien nie jemand erkundigt hat, wie es mir geht“, betonte er.

Derweil versucht die AFD Hamburg-Bergedorf, politisches Kapital aus den Vorfällen zu schlagen. Konkret geht es darum, dass die Mannschaft des Harburger SC das Schiedsrichter-Gespann beschützt hat. „Die deutschen Spieler und Zuschauer bildeten einen Kreis und verhinderten so Schlimmeres“, schreibt Eugen Seiler, Beisitzer im AFD-Bezirksvorstand Bergedorf, „Daumen hoch! Es gibt noch Ehre und Zusammenhalt unter uns!“ Die 1. Herren des HSC betonten hingegen auf Facebook, dass neun Spieler in ihrem Kader Ausländer seien.