Glinde.

Bewährungsprobe im Mutterland des Judo

Glinderinnen Seija und Mascha Ballhaus kämpfen in Japan

Glinde.  Alltäglich ist eine Reise ins Mutterland ihres Sports natürlich nie. Aber dass Seija und Mascha Ballhaus momentan in Osaka weilen, um dort als Teil des deutschen U21-Nationalteams an einer Mädchenuniversität 14 Tage lang mit Japans besten Judotalenten zu trainieren, sorgt bei den Glinder Zwillingen kaum für erhöhten Puls. Schließlich waren sie vor einem Jahr schon einmal drei Wochen in Tokio. „Sich mit den Japanerinnen zu messen und zu erleben, was unser Sport dort bedeutet, das ist schon faszinierend“, sagen sie, „aber wir sind es mittlerweile gewohnt, dass wir für Judo durch die Welt reisen.“

Fünf Monate, schätzen die beiden 18-Jährigen, die für den TH Eilbeck kämpfen, werden sie in diesem Jahr auf sportlicher Dienstreise verbracht haben. Die gute Kooperation mit dem Gymnasium Glinde, wo sie 2019 ihr Abitur machen, ermöglicht es ihnen, Klausuren auch mal unterwegs zu schreiben. Seija und Mascha Ballhaus verdanken ihre finnischen, respektive russischen Vornamen der Vorliebe ihrer Eltern für Außergewöhnliches. Ebenso wie die Wahl des Sports. Die Glinderinnen zählen in der Altersklasse U 21 zu den Judo-Toptalenten in Deutschland. Deutsche Meistertitel gewannen in diesem Jahr beide. Bei der WM auf den Bahamas war angesichts des erst zu dieser Saison erfolgten Wechsels in die höhere Altersklasse ob mangelnder Erfahrung in Runde zwei Schluss. „Nächstes Jahr wollen wir bei der WM Medaillen, dann haben wir die nötige Erfahrung“, sagen sie.

Seija, die eine Minute älter ist, startet in der Klasse bis 52 Kilogramm, Mascha im Limit darunter (bis 48 kg). Das ist wichtig, weil sie sich so im Kampf um Startplätze bei internationalen Turnieren nicht gegenseitig auf die Matte legen müssen. Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr war das Alltag auf Turnieren, „aber als Kind stört einen das nicht. Jetzt vermeiden wir es bewusst und achten stark darauf, unsere Gewichtslimits zu halten“, sagen sie.

Sich zu messen, wie es Geschwister im selben Sport notgedrungen tun, erstreckt sich für die Ballhaus-Zwillinge auch auf viele andere Lebensbereiche. Dennoch teilen sie bis auf die Lebenspartner alles, und das soll auch nach dem Abitur so bleiben, wenn sie gemeinsam zur Sportfördergruppe der Bundeswehr wechseln und dort studieren wollen. Mascha präferiert das Lehramt, Seija schwebt „etwas Medizinisches“ vor.

Da es in Hamburg kein Bundesligateam gibt, starten sie für Speyer, wurden dort vor knapp zwei Wochen deutscher Mannschafts-Vizemeister. Auch andere Topkämpferinnen aus dem Norden wie die Glinderin Miriam Butkereit und die Hamburgerinnen Martyna Trajdos, Nieke Nordmeyer und Renée Lucht trainieren in ganz Deutschland verstreut. „Wenn wir diese Kämpferinnen in einem Team hätten, wäre das eine tolle Basis“, sagt Landestrainer Slavko Tekic, der große Stücke auf die Ballhaus-Zwillinge hält: „Ich glaube, dass die beiden es schon 2020 zu Olympia schaffen können.“ Das Gastgeberland kennen sie immerhin bereits. Die Sommerspiele finden bekanntlich in Tokio statt.