Neuallermöhe.

Was sich liebt, das neckt sich

Diskussionsfreudig SV Nettelnburg/Allermöhe und SV Altengamme trennen sich im Derby 1:1

Neuallermöhe.  Wie schön, wenn sich die Kontrahenten nach einem hitzigen und bisweilen giftigen Derby richtig lieb haben. „Alles völlig normal“, meint Altengammes Vertretungscoach Jan Krey nach dem Gastspiel am Henriette-Herz-Ring, „jetzt geben wir uns die Hand. Gleich trinken wir noch ein Bier zusammen.“ Während Krey spricht, nähert sich Daniel Andrade, der Trainer des SV Nettelnburg/Allermöhe: „Darf ich dazukommen? Ich mag dich zwar nicht, aber sonst ist alles okay.“ Es wird gefachsimpelt, geflachst, geneckt. Der Neuallermöher Kunstrasen verwandelt sich nach dem 1:1 zwischen SVNA und SVA zum Friedensmekka der Fußball-Landesliga.

Dabei war das, was beide Seiten über weite Strecken anboten, kein feiner Fußball, wie ihn der beruflich verhinderte Altengammer Cheftrainer Jörn Geffert doch so gern sieht. Andrade ist direkt: „Eines der schlechtesten Spiele, die ich jemals gesehen habe!“

Ursachenforschung: Es könnte an den derbytypischen, aber manchmal etwas zu aufgeladenen Verbalaktivitäten aller Beteiligten gelegen haben, die sicher etwas mit Andrades langjähriger Trainertätigkeit beim Vierländer Rivalen zu tun hatten, vom Deutsch-Spanier aber nicht unbedingt befeuert wurden. Dafür sorgten andere: zum Beispiel SVA-Regisseur Patrick Bierwagen, der einmal in Richtung des protestierenden SVNA-Co-Trainers Matthias Hildebrandt motzte: „Halt doch mal die Fr. . . da draußen.“ Eines von zahlreichen Rededuellen, die keiner braucht.

Der Auftakt in Durchgang zwei sah dafür sportlich vielversprechend aus: Masehullah Satari traf nach einer Ecke die Latte (50.), dann brachte auf der Gegenseite Sandro Schraub die Vierländer in Führung (57.). Das Tor indes steigerte die Hektik: „Rudelig“ wurde es, als Alexander Herrmann Bekanntschaft mit dem Ellbogen des Torschützen machte, ihn dabei zeitgleich herzhaft von den Beinen holte (65.). Altengammes Dennis Herzberg legte sich im Vorbeischreiten mit der SVNA-Bank an (85.), Satari nach Spielschluss mit Altengammer Zuschauern. Und, und, und . . .

Alles nicht einfach zu händeln für den starken Referee Furkan Cevdet Vardar (RW Wilhelmsburg), der vielleicht beim Zweikampf Philipp Heitmann (SVA) gegen Tom Müller auf Strafstoß für die Gastgeber hätte entscheiden können (72.). David Glitza verpasste mit seinem Pfosten-­ treffer die Entscheidung für den SVA (79.) und musste in der Nachspielzeit mitansehen, wie auf der Gegenseite Anton Wischnewski nach einer Ecke doch noch der Ausgleich zum 1:1 gelang (90.+3).

Trotzdem resümierte Krey nach dem Schlusspfiff: „Ich hätte vorher unterschrieben, wenn man uns einen Punkt angeboten hätte, und dabei bleibe ich. Wir sind hochzufrieden, denn der SVNA ist ein richtig starker Gegner.“ Gelegenheit für Andrade, den Vierländern noch eine kleine Spitze mit auf den Heimweg zu geben: „Es war insofern ein besonderes Spiel, weil wir mit drei Punkten einen Riesenschritt nach oben gemacht hätten. Ich freue mich auf der anderen Seite aber, dass meine ehemaligen Jungs die Klasse halten werden.“
SVNA: Erschens (2-3); Milke (4), Franz (3-4), Spiewak (3-4); Lubinski (4), Hermann (2-3) ab 71. Ali (-), Ebadi (3), Müller (4); Siegmund (3), Satari (3-4) ab 83. Durguti (-); Sahin (3-4) ab 61. Wischnewski (2).
SVA: Golinske (3-4); Czech (3-4), K. Herzberg (2), Scheu (3-4), Voß (3); Heitmann (3) ab 78. Obrembalska (-), Alpen (3), Bierwagen (2-3), Reinhardt (3); Schraub (2-3) ab 84. Putfarcken (-), Zeyns (2) ab 74. Glitza (-).