Curslack.

Höchste Heimpleite seit elf Jahren

Oberliga Curslack-Neuengamme unterliegt Niendorfer TSV 0:5

Curslack.  Seit gefühlten Ewigkeiten steht Peter Franke gemeinsam mit Jupp Laumann bei Heimspielen des Oberligisten SV Curslack-Neuengamme am Eingang des Sportplatzes am Gramkowweg und kassiert das Eintrittsgeld. Neben einem Ticket gibt’s vom Pensionär gerne auch mal einen Spruch oder eine Lebensweisheit mit auf den Weg. Sehr selten ist ihm in all den Jahren seiner Tätigkeit für den SVCN einmal das Lachen vergangen. Nach dem Duell mit dem Niendorfer TSV sind Frankes Mundwinkel jedoch weit nach unten gezogen. Er sitzt an seinem Kassenhäuschen und sagt einen Satz, der tief blicken lässt: „Ich bin 76 und packe meine Fußballschuhe wieder aus.“

Vermutlich hätte Franke es an diesem Tag nicht schlechter gemacht als die viel jüngeren Vierländer Kicker, die in diesem Moment mit gesenkten Köpfen an ihm vorbeigehen. Aus den Lautsprechern der Sportanlage hallt zu diesem Zeitpunkt Ozzy Osbournes Mega-Hit „Dreamer“. In der letzten Strophe des Rock-Kuschel-Klassikers heißt es auf Deutsch übersetzt: „Wenn wir nur alle zu heiterer Gemütsruhe finden könnten.“ Davon aber sind die Curslacker nach dem 0:5-Desaster vor 104 Zuschauern weit entfernt.

„Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir zu Hause schon einmal so hoch verloren haben“, sagt Torsten Henke vor Beginn der Pressekonferenz im Vereinsheim. Dem SVCN-Langzeitcoach und jetzigen sportlichen Berater des Oberligisten steht wie allen Verantwortlichen des Klubs der Schreck über eine im zweiten Abschnitt indiskutable Vorstellung des Teams ins Gesicht geschrieben. „Ach doch, gegen Norderstedt haben wir mal sechs gekriegt“, erinnert sich Henke schließlich.

Besagte 0:6-Pleite datiert allerdings aus dem Jahr 2007 und damit aus einer Zeit, in der die Vierländer noch nicht zum Esta­blishment der Oberliga zählten. Geht‘s so weiter wie gegen den NTSV, droht Curslack diesen Status am Saisonende zu verlieren. „Damit sind wir weiterhin unten drin“, stellt Henke-Nachfolger Matthias Wulff nach dem fünften sieglosen Heimspiel in Serie ernüchtert fest.

Ein Ballverlust des sonst so zuverlässigen Innenverteidigers Marvin Schalitz bringt seine Equipe gegen Niendorf auf die Verliererstraße. Der Gast schaltet schnell um und kommt durch Mustafa Ercetin zum 1:0 (4.). Es folgen viele mehr oder wenig strukturierte Curslacker Angriffe, etliche Standards, aber kein Tor.

Nach dem Seitenwechsel passiert zunächst wenig. Dann grätscht Schalitz im Mittelfeld gegen Malte Wilhelm ins Leere. Letzterer läuft durch, wird mustergültig bedient und trifft zum 2:0 (72.). Nun passiert, was auf diesem Niveau nicht passieren darf: Curslack zeigt Auflösungserscheinungen. „In dieser Phase haben wir uns ganz, ganz gruselig präsentiert“, sagt Wulff mit Blick auf die Schlussphase. Magnus Hartwig (76.) und Ercetin (80., 86.) schrauben das Ergebnis gegen zweikampfscheue und demoralisierte Vierländer in die Höhe. „Ich bin nur ein Träumer, der von besseren Tagen träumt“, singt Osbourne in seinem Mega-Hit. Viel mehr bleibt dem SVCN derzeit auch nicht.
SVCN: Giese (5); Brudler (4), Papke (5), Schalitz (5), Künkel (5); Rogge (3-4), Radic (4) ab 82. Witmütz (-), Beldzik (4) ab 67. Kerschke (-) , Wilhelm (4), Mokhlis (5) ab 75. Driebel (-); Lenz (4-5).