Samuel Louca

Zwischen Boxsack und Lederkugel

Schweißtreibende Angelegenheit: Samuel Louca beim Training im Haus der Jugend in Wilhelmsburg.

Schweißtreibende Angelegenheit: Samuel Louca beim Training im Haus der Jugend in Wilhelmsburg.

Foto: Thomas Rokos

Dassendorf. Oberliga-Fußballer Samuel Louca von der TuS Dassendorf glänzt auch im Boxring.

Dassendorf. Der Schweiß tropft von der Stirn, die Atmung wird schneller und lauter. Im Sekundentakt treffen die Boxhandschuhe mit voller Wucht in die Pratzen (Schlagpolster) des Trainers. Die Rede ist nicht etwa von einem Profiboxer, der sich auf seinen nächsten Weltmeisterschafts-Kampf vorbereitet, sondern von Samuel Louca. Der 24-jährige Fußballer des Oberligisten TuS Dassendorf trainiert mit seinem Coach Hassan Kiraz und vier weiteren Boxern in dem engen, nur 18 Quadratmeter kleinen Fitnessraum im Haus der Jugend in Wilhelmsburg. „Fußball ist meine Leidenschaft. Doch das Boxen fordert mich derzeit mehr heraus. Ich komme an Grenzen, die ich vom Fußball nicht kenne“, schwärmt Louca vom Faustkampf.

Als der gebürtige Niedersachse im Januar 2012 im Alter von 17 Jahren vom Halleschen FC aus der A-Junioren-Bundesliga in die Herren-Landesliga wechselte und fortan für den FC Süderelbe gegen das Leder kickte, entdeckte Louca das Boxen für sich. „Ich hatte nur zweimal Fußballtraining in der Woche und wollte mehr machen“, erklärt er.

Angst vor Schlägen

Beim Boxen war es vor allem die sportliche Herausforderung, die ihn reizte: „Das ist nicht so wie im Volley- oder Handball. Ich konnte zu Beginn nichts. Die Koordination fehlte, ich hatte Angst vor Schlägen.“ Louca blieb dran, trainierte mit seinem Jugendfreund Hasan Kiraz – heute achtmaliger Hamburger Box-Meister – zweimal pro Woche. Im vergangenen Dezember kam der Dassendorfer zu seinem ersten Kampf.

Für den TV Fischbek stieg der 24-Jährige in der Boxsporthalle Hamburg vor 150 Zuschauern gegen Mohammed Namo (Vorwärts-Wacker Billstedt) in den Ring. „Ich war sehr nervös, konnte nur schwer einschlafen und frühstücken“, berichtet Louca, der das Duell durch technischen K.o. in der zweiten Runde gewann. Zu einem zweiten Kampf kam es bisher nicht, obwohl Louca möglichst schnell wieder in den Ring steigen möchte („Ich bin körperlich topfit.“).

Sport auf Wettkampfniveau bietet ihm seine zweite Leidenschaft, der Fußball, auch.

Heute: Victoria – Dassendorf

Heute Abend muss Oberliga-Tabellenführer TuS Dassendorf beim Tabellendritten SC Victoria ran (19.30 Uhr, Stadion Hoheluft). Ob Louca zum Kader gehören wird, ist wegen einer Knieverletzung offen. Nur 850 von 1800 möglichen Minuten stand der zentrale Mittelfeldspieler bislang auf dem Platz und erzielte ein Tor. Doch er ist zufrieden: „Die Mannschaft ist extrem stark. Der Erfolg spricht für sich.“

Die Verantwortlichen haben mit dem verletzungsträchtigen Hobby kein Problem. „Wir sind ja nicht Manchester United“, sagt Dassendorfs Sportchef Jan Schönteich, „das Boxen bringt ja auch eine Menge Positives, zum Beispiel Kondition. Solange es den Fußball nicht stört, gibt es kein Problem.“ Louca trägt seinen Teil dazu bei: „Natürlich benötigt diese Konstellation viel Kommunikation. Aber das lief bislang optimal.“ Sprachs und verschwindet nach dem schweißtreibenden Boxtraining unter die Dusche.