Bergedorf.

Ein Tackling wie eine Umarmung

Selbstversuch Probetraining beim American Football

Bergedorf.  Wieder nichts. Abermals habe ich den Ball falsch eingeschätzt und danebengegriffen. Enttäuscht drehe ich mich weg und schaue auf die Hände. Dreimal war ich am Ball dran, und doch landete das „Ei“ am Ende jeweils auf dem Boden. „Du solltest mal deine Stoffhandschuhe ausziehen. Dann geht es besser. Außerdem musst du die Hände leicht übereinanderlegen, als ob du ein Netz spannst“, ruft mir „Coach Tobi“ von den Iron Swans zu.

Beim Try-Out (Probetraining) der American Footballer der TSG Bergedorf können sich Neulinge beim gemeinsamen Training der Herrenmannschaft (Black Swans) und des Jugendteams (Iron Swans) im US-Nationalsport ausprobieren. 13 neue Gesichter zählt Iron Swans Head Coach Dennis Schipper. Darunter auch mich, den Mitarbeiter der Bergedorfer Zeitung. Mit den beiden Teams der Swans stehen zusammen 50 Leute auf dem Feld.

Fünf Stationen stehen heute auf dem Programm: Fangen, Tackeln, Passverteidigung, Koordination und Blocken.

Ich bin zunächst mit Neuling Marvin Martin („Ich will einfach sehen, ob Football mir Spaß macht. Am liebsten laufe ich“) und dem bereits erfahrenen Torben Prühs, der seit drei Jahren in der Swans Defense spielt, in einer Gruppe bei den Fängern. Fangen heißt in diesem Fall nach einem kurzen, geraden Sprint aus vollem Lauf. Nach dem Hinweis leiht mir „Coach Tobi“ noch seine Handschuhe, die aus einer Gummi-Leder-Mischung sind und ruft: „Und los!“

Ich nehme beide Beine in die Hand und renne los. Der Football fliegt in einem hohen Bogen auf mich zu. Über meine linke Schulter schauend, versuche ich die Flugbahn des Balles einzuschätzen. Und tatsächlich, der Ball landet sicher in meinen Händen. „Gut gemacht“, sagt „Coach Tobi“. „Gleich nochmal.“

Beim American Football gehört das Ballfangen zum Grundrepertoire. Was mir unerwartet Schwierigkeiten bereitet, sieht bei Marvin spielend leicht aus. Seine Fähigkeiten fallen auch „Coach Dennis“ auf. „Er ist schnell und hat gute Hände. Wenn er bei uns bleiben möchte, darf er das gerne tun“, sagt Schipper.

Bei der zweiten Übung geht es um Tacklings. Zur Sicherheit mit Polsterschutz. Marvin hält den Schutz zuerst, während ich mich auf ihn drauf werfe. Das ganze Schauspiel gleicht eher einer Umarmung. „Du musst mehr Schwung nehmen und ihn auf Brustkorbhöhe treffen“, fordert Defense-Coach Thomas Kern. Praktisch alles außer kratzen, beißen und grätschen ist erlaubt. Als Marvin mich zu Boden ringt, merke ich sofort meine Beine. Besonders die Innenschenkel tun nach dem Aufprall weh. „Dass du neue Muskeln spürst, ist beim Football ganz normal“, sagt „Coach Kern“.

Während ich an dieser Stelle das Training verlasse und doch lieber dem Fußball treu bleiben werde, überlegt Marvin wiederzukommen. „Nach dem letzten Try-Out im November sind vier von sieben bei uns geblieben“, sagt Cheftrainer Schipper. Eine gute Quote. Und weiter: „Besonders jetzt, nach dem Super Bowl, ist die Begeisterung immer groß.“

Mehr Infos: www.hamburg-swans.de