FC Bergedorf 85

Bis an die Schmerzgrenze

Bergedorfs Michael Nani-Fischer (links) steigt zum Kopfball-Duell gegen Antonio Kobas hoch.

Bergedorfs Michael Nani-Fischer (links) steigt zum Kopfball-Duell gegen Antonio Kobas hoch.

Foto: Volker Koch

Bergedorf. Aufopfernd kämpfender FC Bergedorf 85 schlägt den VfL Lohbrügge mit 3:2.

Bergedorf. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hält sich Samet Yazici, Stürmer des Fußball-Landesligisten FC Bergedorf 85, die rechte Schulter und verlässt frustriert den Platz. Die Gastgeber haben im Lokalderby gegen den VfL Lohbrügge bereits dreimal gewechselt. Nun sind sie nur noch zu zehnt. Da fliegt eine Flanke in den VfL-Strafraum. Marco Bugla nimmt den Ball gekonnt mit der Brust an und trifft ins Tor. 3:2! Sieben Minuten vor Schluss ist Außenseiter Bergedorf plötzlich vorn!

Das kann nicht gutgehen!

Yazici stürmt zurück aufs Feld, jubelt einarmig mit Bugla, und will nun nicht mehr runter. Mit angelegtem rechtem Arm stellt sich der 23-Jährige in den Sturm, die linke Hand fest auf die kaputte Schulter gepresst. Das kann doch nicht gutgehen! „Wenn das ein Jugendspiel wäre, würde ich ihn zwangsweise runternehmen. Der gehört in ein Krankenhaus!“, sagt der erfahrene Schiedsrichter Christian Henkel auf der Tribüne. Auch Yazicis Gegenspieler Robert Pallasch erkundigt sich besorgt – und hält sich fortan fern. Denn schon ein leichter Rempler könnte eine Katastrophe auslösen. Die letzten Minuten ticken runter, dann steht Bergedorfs Sieg fest. Und Yazici hat’s überstanden.

Über die Grenzen der Vernunft

„Natürlich wusste ich, dass in der Schulter etwas kaputt ist, aber besser ein Standfußballer auf dem Platz als niemand“, sagte der 23-Jährige hinterher, während er bei jeder Umarmung eines Teamkollegen vor Schmerzen zusammenzuckte. Sein Beispiel zeigt den Zusammenhalt im Bergedorfer Team – manchmal über die Grenzen der Vernunft hinaus.

VfL eine einzige Enttäuschung

Ganz anders die Lohbrügger. Nach der Galavorstellung gegen Bramfeld (6:1) war der Auftritt gestern Nachmittag an den Sander Tannen eine einzige Enttäuschung. Auch eine zweimalige Führung durch schön herausgespielte Treffer von Antonio Kobas (12.) und Pascal Bäker (55.) konnten die technisch klar überlegenen Gäste nicht halten. Yazici per Foulelfmeter zum 1:1 (36.) und Bugla nach glänzender Vorarbeit von Timo Strauß zum 2:2 (58.) glichen für die aufopfernd kämpfenden Gastgeber aus, bevor Bugla die Bergedorfer schließlich in den siebten Himmel schoss (83.).

„Arroganz pur“

„Das war heute 90 Minuten Arroganz pur“, zürnte Lohbrügges Coach Mato Mitrovic seinem Team, „mir ist es peinlich zu sagen, dass ich hier Trainer bin.“ Die Bergedorfer hingegen glaubten an ihre Chance. „Ich habe meiner Mannschaft schon beim 1:1 zur Pause gesagt, dass wir heute gewinnen“, bewies Trainer Hakan Karadiken hellseherische Fähigkeiten. Es war ein verdienter Erfolg seiner Elf, den die FCB-Spieler nach dem Schlusspfiff jubelnd mit einem lautstarken „Derbysieger, Derbysieger, hey, hey!“ feierten.
FCB: Zdasjuk (1); Nani-Fischer (3) ab 70. Altun (-), Boateng (3), Nkengni (2), Amir (4); Saqib (3) ab 70. Gette (-), Atlas (3) ab 52. Strauß (2), Sejdi (4); Blohm (2), Yazici (2), Bugla (1).
VfL: Brandic (4); Santelmann (5) ab 84. Reimers (-), Benkovic (5), Holz (5), Pallasch (4); Zivkovic (4), Hafiz (5) ab 46. Gurbanian (5); Arlovic (3), Kobas (4), Maskaljevic (3-4); Bä-ker (3).