TSG BERGEDORF

Über Bergedorf ins Mutterland des Basketballs

Der ehemalige Bergedorfer Martin Schiller im Dress des DBB.

Der ehemalige Bergedorfer Martin Schiller im Dress des DBB.

Foto: Tilo Wiedensohler / camera4

Bergedorf. Ex-TSG-Spieler Martin Schiller wird Cheftrainer bei den Salt Lake City Stars, einem NBA-Farmteam.

Bergedorf. Der dritte Platz bei der deutschen A-Jugend-Meisterschaft vor 17 Jahren ist immer noch der größte Erfolg der Basketballer der TSG Bergedorf. Kapitän des Teams damals: Martin Schiller. Der heute 35-Jährige stand allerdings nur selten in der Startformation. Mit Martin Duggen wurde ihm meist ein von Rist Wedel gekommener neuer Spielmacher vorgezogen. Doch anstatt schlechte Stimmung zu verbreiten, machte sich Schiller sogar für den Einsatz seines Vornamensvetters stark – alles für den Erfolg der Mannschaft.

Farmteam der Utah Jazz

„Seine soziale Kompetenz ist einmalig“, blickt der TSG-Vorsitzende Boris Schmidt, der damals das Team trainierte, zurück. Auch dank dieser Eigenschaft hat es Schiller nun selbst als Trainer bis ins Mutterland des Basketballs geschafft. Zur neuen Saison übernimmt der ehemalige Bergedorfer in den USA den Cheftrainerposten bei den Salt Lake City Stars, dem Farmteam des NBA-Klubs Utah Jazz. „Farmteam“ nennen die US-Amerikaner ihre Ausbildungsvereine, vergleichbar zu 2. Mannschaften im Fußball.

Aufgewachsen in Aumühle

Schiller, geboren in Wien und Sohn eines Österreichers und einer Engländerin, wuchs den Großteil seiner Jugend in Aumühle auf und durchlief bei den TSG-Basketballern alle Nachwuchsteams. „Das war ein wichtiger Bestandteil meiner Jugend“, sagt er. Noch heute besteht enger Kontakt zu alten TSG-Kollegen.

In der A-Jugend war Schiller aber klar: Zum Profisportler reicht es nicht. Doch auf Basketball wollte der Abiturient nicht verzichten.

Nach Köln folgte Düsseldorf

Und so absolvierte er ein Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln und sammelte Erfahrungen als Co-Trainer bei den RheinStars Köln und den Düsseldorf Magics.

Nach dem Diplom ging Schiller nach Österreich zum WBC Wels. „Ich habe ihm davon abgeraten, da ich den Wechsel als Rückschritt empfand“, erinnert sich Schmidt. Doch Schiller ging seinen Weg – mit Erfolg.

Co-Trainer der Nationalmannschaft

Es folgten Stationen als Assistenztrainer bei den Bundesligisten Artland Dragons und Ludwigsburg sowie der deutschen Nationalmannschaft. Nun also der erste Posten als Hauptverantwortlicher. Schillers Hauptaufgabe wird sein, Talente an höhere Aufgaben – sprich die NBA – heranzuführen.

Der Weg zu diesem Job war allerdings ein weiter. Die Amerikaner entdeckten ihn durch seine Tätigkeit bei der Nationalmannschaft, doch noch musste er sich gegen zwei Dutzend Konkurrenten durchsetzen. „Nach einem Telefoninterview wurde ich eingeladen und durfte drei Tage zur Probe coachen“, berichtet Schiller.

Zur EM nach Israel

Bevor es im September in die USA geht, wird er mit der deutschen Nationalmannschaft zur EM nach Israel reisen.

Und später sieht man Schiller irgendwann auch in der NBA an der Seitenlinie? „Keine Ahnung, ob das der große Traum ist. Ich will nicht in die Zukunft blicken. Ich freue mich, endlich Headcoach zu sein“, sagt Schiller bescheiden und ergänzt: „Ich hatte das Glück, mit vielen netten, professionellen Leuten zu arbeiten.“ Da ist sie wieder, die soziale Ader.