ASV Bergedorf

„Leidenschaft kennt keine Liga“

Vor dem Fußball-Traditionsspiel stellen sich beiden Teams des ASV Bergedorf 85 gemeinsam dem Fotografen.

Vor dem Fußball-Traditionsspiel stellen sich beiden Teams des ASV Bergedorf 85 gemeinsam dem Fotografen.

Foto: Volker Koch

Bergedorf. Mit 4:4 trennten sich das Kreisliga-Team und eine Ehemaligen-Auswahl des ASV Bergedorf 85.

Bergedorf. Susanne Burmeister ist in der Bredouille. „Was rufen wir denn heute bloß? ,85’ ist ja albern“, fragt die langjährige „Elstern“-Anhängerin in die Runde. Auf der Tribüne an den Sander Tannen haben sich die Treuesten der Treuen versammelt – ganz wie früher. Da jedoch die aktuelle Fußball-Kreisliga-Elf des ASV Bergedorf 85 gegen eine Ehemaligen-Auswahl aus Oberliga-Zeiten spielt, sind ausschließlich „85“-er auf dem Platz. Vor der enttäuschenden Kulisse von knapp 100 Zuschauern zeigten Spieler-Legenden wie Matthias Reincke, Oliver Lindemann oder Mike Kudling gestern Nachmittag bei 27 Grad im Schatten, dass sie nichts verlernt haben. Bis kurz vor Ende führten sie mit 4:3, bevor Doppel-Torschütze Felix Bender den Jungspunden in der Schlussminute noch ein 4:4-Unentschieden rettete.

„Das waren alles super Jungs“

„Da kommt natürlich Wehmut auf“, gibt „85“-Fan Jörg Greipel zu, der seit dem legendären Bayern-München-Spiel 1982 kaum eine Partie verpasst hat. „Doch nicht die erfolgreichen Oberliga-Zeiten vermisse ich, sondern die Spieler. Das waren alles super Jungs.“ Auch bei der aktuellen Kreisliga-Elf ist Greipel regelmäßig dabei. „Leidenschaft kennt keine Liga“, betont er, „man merkt, dass sich das alles in die richtige Richtung entwickelt.“

Doch der Mythos „85“ lebt. „Es war eine geile, erfolgreiche Zeit“, sagt Oliver Lindemann (38, „Elster“ 2001-2008). „Es war eine Zeit, in der es sportlich und kameradschaftlich gut gepasst hat“, erinnert sich Marco Blättermann (37, „Elster 2001-2004) an seine Bergedorfer Zeit.

Lindemann wie in alten Zeiten

An Einsatz mangelte es bei den Ehemaligen gestern daher nicht. Mike Kudling (40, „Elster“ 1999-2007), der mittlerweile seine Tore für die Alte Herren „Olle Säcke“ in Barsbüttel schießt, kickte trotz Achillessehnen-Problemen. Jörg Witzke (48, „Elster“ 1996/1997 und 2001-2005) ignorierte tapfer seinen Knorpelschaden im rechten Knie. Lindemann hatte am Morgen noch drei Tore für die Alte Herren des VfL Lohbrügge erzielt und zog dann am Nachmittag an den Sander Tannen groß auf. Mit einem Spurt über die linke Seite legte er Witzke mustergültig das 2:2 auf (58.). Als wäre die Zeit stehen geblieben!

Auch bei Matthias Reincke (45, „Elster“ 2003-2009) erinnerten viele Bewegungen an früher, auch wenn der Stürmer diesmal ganz gegen seine Gewohnheit ohne Treffer blieb. „Die Schnelligkeit fehlt ein bisschen“, gibt er zu. Neben den Spielen in der HSV-Altliga hält sich Reincke mit Laufen und Fitness in Form. „Genau die Dinge, die ich früher gehasst habe.“

Ein Verein wie eine Familie

„Man fühlt sich hier immer willkommen“, fasst Kudling nach dem Spiel die Faszination ASV Bergedorf 85 in Worte. Eine Szene hat ihn besonders geprägt. „Als ich 2007 zu Voran Ohe gewechselt war und zum ersten Spiel an die Sander Tannen kam, haben die Bergedorfer Fans meinen Namen gerufen. Dieser Verein ist einfach wie eine große Familie.“
ASV-Ehemalige – ASV-Kreisliga-Elf, die Tore: 1:0 Rinik Carolus (11.), 1:1 Bernd Schuster (22.), 1:2 Felix Bender (44.), 2:2 Jörg Witzke (58.), 3:2 Oliver Lindemann (64.), 3:3 Mortaza Naseri (74.), 4:3 Philipp Többen (81.), 4:4 Bender (90.).