Bergedorf/Adendorf.

„Ich bin für die gute Laune zuständig“

Was macht eigentlich? Manfred Nitschke spielt noch aktiv Fußball und unterrichtet Flüchtlinge

Bergedorf/Adendorf.  In der Frühzeit des deutschen Fernsehens sorgte eine Quizsendung regelmäßig für hohe Einschaltquoten. Bei „Was bin ich?“ fragte Moderator Robert Lembke seine Gäste immer nach einer typischen Handbewegung. Manfred Nitschke war in dieser Sendung zwar nie zu Gast. Aber wenn Freunde und Bekannte des früheren Fußball-Trainers und Obmanns des ASV Bergedorf 85 eine für ihn typische Handbewegung vormachen sollen, dann würde das wie folgt ablaufen: erst den Kopf leicht senken, dann mit der einen Hand in die Haarpracht fassen, diese mit leichtem Schwung nach hinten werfen und schließlich den Kopf wieder anheben.

Das alles geschieht während eines Gesprächs ganz nebenbei. Diese unterbewusste Handlung ist eigentlich typisch für Jungs. Und doch passt es: Denn Nitschke ist jung geblieben.

Der damalige „85“-Trainer Rüdiger Schwarz holte ihn 2003 an die Sander Tannen. Im gleichen Jahr spielte Bergedorf im DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg (1:6), fünf Jahre später noch einmal gegen den MSV Duisburg (1:5). Von dieser Zeit können der ASV und FC Bergedorf heute nur träumen. 2011 nahm Nitschke dann Abschied von den Sander Tannen. Heute sagt er: „Ich wollte nicht, dass das Ende meiner Trainerlaufbahn und meine Pensionierung als Lehrer zusammenfallen.“

In Rente ist er nun seit gut drei Jahren. So ganz kann der heute 68-Jährige mit seiner alten Profession aber nicht aufhören. Einmal in der Woche bringt Nitschke nun Flüchtlingen die deutsche Sprache näher. In seinem Wohnort Adendorf hat er zudem mit seiner Frau Frauke ein Reparatur-Café gegründet. „Wir haben hier zehn Leute, die vom Fahrrad bis zum Elektronikgerät alles wieder heile machen“, erklärt er. Und was ist ihr Spezialgebiet, Herr Nitschke? „Ich bin für die gute Laune zuständig.“

Auch dem runden Leder ist er noch verbunden: zum einen als Trainer der HSV-Fußballschule, zum anderen ist er noch selbst aktiv – bei den Ü60-Senioren von Rot-Gelb Harburg. Und natürlich ist er auch bei den Heimspielen seines Heimatvereins regelmäßig zu Gast: dem Lüneburger SK Hansa. Noch immer weiß er das Datum seines Vereinseintritts wie auf Knopfdruck: 26. Oktober 1958.

Auch sonst langweilt sich der dreifache Familienvater nicht. Aktuell fährt er mit einer Schulklasse in der Nähe von Sonthofen Ski. Ob er seinen Beruf als Lehrer vermisst? „Ich war sehr gerne Lehrer. Aber Pensionär zu sein, ist noch ein bisschen besser.“ Eine typische Nitschke-Antwort.

An seine Zeit bei Bergedorf 85 erinnert er sich gern. Robert Meyer, Jörg Witzke Arne Klein, Oliver Lindemann, Mario Radtke und Marco Blättermann hießen die „Elstern“-Spieler, als Nitschke an die Sander Tannen kam. Später gab es dann noch eine zweite Generation mit Sascha de la Cuesta, Gökhan Iscan oder Jan Landau. Es gibt immer noch Kontakt. „Ende Fe­bruar wollen wir uns treffen.“ Und als er das im fernen Sonthofen sagt, kann man sich vorstellen, wie er sich dabei mit einer Hand durch die immer noch üppige Haarpracht fährt und sie nach hinten wirft.