FC BERGEDORF

Ausgejubelt: Das Ende einer Ära im Frauen-Fußball

Die Spielerinnen des FC Bergedorf freuen sich im Mai dieses Jahres über den Pokalsieg gegen den FC St. Pauli.

Die Spielerinnen des FC Bergedorf freuen sich im Mai dieses Jahres über den Pokalsieg gegen den FC St. Pauli.

Foto: Olaf Damm / Damm Pictures / www.

Bergedorf. Der FC Bergedorf meldet seine Frauen-Fußballmannschaft aus der Regionalliga ab. Grund: zu wenig Spielerinnen.

Einer der schönsten Tage der Fußballerinnen des FC Bergedorf liegt gerade einmal ein gutes halbes Jahr zurück. Am 5. Mai besiegte der Regionalligist den FC St. Pauli vor der Rekordkulisse von 1122 Zuschauern mit 3:1 und wurde Hamburger Pokalsieger. Trainer Bastian Kurtz sprach direkt nach Spielschluss von einem „einmaligen Erlebnis“. Anschließend schafften die Bergedorferinnen erstmals den Sprung in die zweite DFB-Pokalrunde, in der sie sich beim 0:5 gegen den Bundesligisten SGS Essen gut verkauften.

Seit dem späten Montagabend ist diese Mannschaft nun Geschichte. In einer dünnen Pressemitteilung erklärte der FC Bergedorf sein Bedauern darüber, dass er die 1. Damen aus der Regionalliga zurückziehen muss.

Trauriger Höhepunkt

Als Grund führte der 2. Vorsitzende Volker Zdun die personelle Situation des Teams an. Häufig war es nur mit Spielerinnnen aus der „Zweiten“ möglich, überhaupt eine Elf auf den Platz zu bringen. Trauriger Höhepunkt dann die letzte Partie vor der Winterpause: Lediglich sieben Spielerinnen aus dem Regionalligakader standen am 10. Dezember auf dem Feld. Gegner war wieder der FC St. Pauli – Endstand diesmal 0:5.

Unsere Zeitung titelte: „FC Bergedorf vor Abmeldung?“ Zu diesem Zeitpunkt war der erst im Sommer gekommene Trainer Jerko Vidovic schon nicht mehr im Amt. Er trat am 1. Dezember aus privaten Gründen zurück.

Versprechungen nicht eingehalten

Dabei hätte der Rückzug aus der dritthöchsten Klasse mit neuem Personal in der Winterpause wohl vermieden werden können. Trotz des Rumpfkaders steht der FCB auf Platz sechs. „Doch dazu wäre Herzblut und Leidenschaft nötig gewesen“, sagt Marco Strauer. Der frühere Trainer bemängelt, dass es immer wieder Versprechungen gegeben hat, die nicht eingehalten wurden.

Strauer hatte vor 20 Jahren Frauenfußball in Bergedorf – damals noch beim ASV – aus der Taufe gehoben. Mit ihm als Coach stieg die Mannschaft 2008 in die Regionalliga auf, in der sie seitdem ununterbrochen gespielt hat. „Mich macht das sehr traurig“, sagt Strauer.

„Eine rationale Entscheidung“

Und was sagen die Spielerinnen? „Jede findet es schade. Aber letztlich war es eine rationale Entscheidung“, erklärt Jasmin Hadrous. Die langjährige Torhüterin war wie ihre Mitspielerinnen in die Entscheidung des Vereins eingebunden. „Letztlich sind alle Bemühungen gescheitert, neue Spielerinnen zu holen“, weiß die FCB-Keeperin.

Ihre Mannschaft wird sich nun in alle Winde zerstreuen. Schon weiß Hadrous von Anrufen anderer Vereine zu berichten. Schließlich hat sich der FC Bergedorf über viele Jahre einen guten Namen im Frauenfußball gemacht, war sogar die Nummer eins in Hamburg. Damit ist nun Schluss. „Ich bin überzeugt davon: Mit Marco Strauer und seinem Team wäre das nicht passiert“, resümiert Hadrous traurig.