Fußball

Van der Vaart trifft – und Schwarzenbek steht kopf

Schwarzenbek. Was für ein Fußballfest! Etwa 3000 Zuschauer feierten den Hamburger SV, den SC Schwarzenbek und vor allem Rafael van der Vaart. Der Fußball-Bundesligist bezwang am Dienstagabend in einem Test den Landesligisten mit 12:0 (7:0).

Eine Stadt im Ausnahmezustand: Bereits eine Stunde vor dem Anpfiff haben sich mehr als 1000 Zuschauer auf der Anlage des SC Schwarzenbek an der Schützenallee eingefunden. Sie alle wollen den Hamburger SV und seinen heimgekehrten Sohn Rafael van der Vaart sehen. Doch die Fußballfans müssen sich gedulden. Der HSV hat Verspätung. Erst gegen 17.45 Uhr rollt der Bus auf den Parkplatz. Van der Vaart ist der erste Spieler, der aussteigt. Einen direkten Kontakt mit den Fans gibt es nicht. Immerhin winkt der 29-Jährige seinen jubelnden Anhängern kurz zu.

Nur 20 Minuten später betreten die Bundesligaprofis den Rasen. Die 27 Einlaufkinder haben Glück. Nicht nur, weil sie per Losentscheid aus 100 Schwarzenbeker Nachwuchskickern ausgewählt wurden. Denn Van der Vaart läuft an ihnen vorbei und klatscht mit jedem ab. „Das Gefühl, gleich mit einem HSV-Spieler auflaufen zu dürfen, ist ganz schön heftig“, sagt Niklas Kahrau (10). Mittlerweile ist die seit Tagen ausverkaufte „Bude“ voll. Rund 3000 Zuschauer sind auf der Anlage „Wir hätten mehr als 5000 Karten verkaufen können“, weiß der Sportliche Leiter des SCS, Frank Flatau.

Als Schiedsrichter Dennis Krohn (TSV Reinbek) das Testspiel gegen 18.35 Uhr anpfeift, ist Chef-Organisator Flatau der entspannteste Mensch auf der Anlage. Der frühere Einsatzleiter im Innenraum des HSV-Stadions hat seinen Job erledigt. „Durch van der Vaart hat das Ganze eine andere Dimension erreicht“, erklärt Flatau. Die Zahl der Ordner musste er von 50 auf 80 erhöhen. Gleich sieben Fernsehsender berichten über das Spiel. Keine Frage, für die Europastädter ist das erste Spiel des kleinen Holländers nach seiner Rückkehr wie ein Sechser im Lotto.

Auf dem Rasen macht der HSV kurzen Prozess. Marcell Jansen (4.) und Dennis Diekmeier (6.) treffen schnell zur 2:0-Führung. Nur eine Minute später hallen „Van-der-Vaart-Rufe“ über den Platz. Der Neuzugang hat aus sieben Metern zur 3:0-Führung getroffen. Wann gab es jemals ein Tor der Gastmannschaft in Schwarzenbek, das so lautstark bejubelt wurde?

Und weiter geht’s. Tolgay Arslan (17.), Diekmeier (28.) und Heung-Min Son (44., 45.) erhöhen auf 7:0 zur Halbzeit. Für den größten Lacher unter den Zuschauern sorgte Christoph Bolz. Nachdem ihn van der Vaart am Trikot gezogen hatte, klatschte der Holländer mit dem SCS-Stürmer zur Entschuldigung ab. Bolz ballte vor Freude die Faust (39.).

Nach dem Wechsel geht das lockere Toreschießen weiter. Robert Tesche (51.) und Son mit seinem zweiten Doppelschlag (54., 57.) machen es zweistellig.

Nach einer Stunde wird van der Vaart schließlich ausgewechselt. Er geht Richtung Kabine. Plötzlich ist das Spiel Nebensache. Etwa 200 Kinder laufen ihrem Liebling hinterher und wollen Autogramme. Mikrofone werden dem Kapitän unter die Nase gehalten. „Es ist schön zu sehen, dass man so viele Fans hat“, sagt van der Vaart.

Felix Brügmann (74.) und Arslan (83.) treffen derweil zum 12:0-Endstand. Die beiden glücklichsten Spieler an diesem Abend aber sind zwei Schwarzenbeker. Christoph Hammel nach der ersten Hälfte und Bolz nach der zweiten ergattern das Trikot mit der Nummer 23. Sein vorheriger Besitzer hört auf den Namen van der Vaart.

SCS: Bindzus; Oertel, Basenau, Bannasch, Ehmke; Hammel, Schumacher; Koitka, Bethmann; Kröhnert, Bolz. Eingewechselt: Scheunemann, Schner, Uwihs, Bollongino, Tastekin, Ohle, Gierke, Ehlers.

HSV: Neuhaus; Diekmeier, Mancienne, Sternberg, Aogo; Tesche, Arslan; Lam, van der Vaart, Jansen; Son. Eingewechselt: Brügmann, Dettmann.