SV Altengamme

Ein Märchen aus Vierlanden

Altengamme. Der SV Altengamme ist am Ziel seiner Träume. Nach 26 Jahren schafften die Vierländer den Aufstieg in die Bezirksliga. Die Meisterschaft in der Fußball-Kreisliga 3 sicherte sich der SVA mit einem 1:0 beim TSV Glinde.

Der größte Jubel war schon verflogen, die ersten Gesänge verstummt. Ralf Herbrechter, Liga-Obmann des SV Altengamme, stand etwas abseits von der Mannschaft, die gerade durch ein 1:0 beim TSV Glinde Meister der Fußball-Kreisliga 3 geworden war, als er etwas gedankenverloren sagte: „Ein kleines Märchen ist das schon!“ Wir erzählen es.

Es war einmal ein Verein, der SV Altengamme hieß und seit einer halben Ewigkeit vergeblich vom Aufstieg in die Bezirksliga träumte. Dort spielten die Vierländer zuletzt in der Saison 1985/86. Die letzte Meisterschaft in der Kreisliga ein Jahr zuvor erlebte der heutige Torwarttrainer Norbert Höft (55) noch selbst auf dem Feld.

Im Herbst 2010 aber sah es düster aus um die Zukunft des Vereins. „Wir standen am Scheideweg, mussten überlegen, ob wir eine unserer beiden Kreisliga-Mannschaften abmelden“, erinnert sich Herbrechter. Doch ein Anruf änderte alles.

Die ehemaligen Altengammer Matthias Figge und Marco Wyrwinski wollten mit einem guten Dutzend Spielern zurück an den Gammer Weg wechseln. Gesagt, getan. „Es ist immer schwierig, wenn so viele auf einmal kommen. Doch vom ersten Training an wusste ich: Das wird was“, schwärmt Herbrechter.

Mit einer Kameradschaft, die es heute nur noch selten gibt, und dazu natürlich auch einer entsprechenden sportlichen Qualität marschierten die Vierländer durch die Kreisliga. Als einziges Team aller Hamburger Leistungsklassen ist der SVA in der laufenden Serie noch ungeschlagen. Bis zur Partie in Glinde standen 17 Siege und vier Unentschieden auf der Habenseite. Was zum Aufstieg noch fehlte, war ein Erfolg beim Aufsteiger, der selbst noch Zweiter werden will.

Die Partie vor knapp 200 Zuschauern war umkämpft und spielte sich meist im Mittelfeld ab. Auf beiden Seiten gab es zwei, drei gute Möglichkeiten. Ein Tor wäre aber wohl nicht gefallen, hätte nicht Glindes Kevin Karras im eigenen Strafraum Dominik Scheu angeschossen, der eiskalt den 1:0-Siegtreffer markierte (64.).

Um exakt 16.49 Uhr brach dann grenzenloser Jubel aus. Trainer Michael Wille vergoss ein paar Freudentränen („Mir wurde, was ins Auge gespritzt“), das Team stimmte „Kreisliga, nie mehr, nie mehr!“ und andere Triumphgesänge an. Stolz präsentierten die Altengammer ihre Meister-T-Shirts mit dem Wort „Unaufsteigbar“, wobei die Vorsilbe rot durchgestrichen war. Die große Party konnte starten. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann feiern sie noch heute ...

TSV Glinde: Schneider; Kücük, Karras, Jakob, Wasilewski (71. Lorenz); Kaufmann, Schönfeldt, da Silva, Wörner (74. Frank); Fischer, Geisler (71. Obuchow).

SV Altengamme: Golinske; Peters, Fildebrandt, Figge, Kruse; Wamser, T. Heitmann (86. Schümann), K. Heitmann, Scheu, Kristof (57. P. Heitmann/83. Mohr); Gothmann.