Talent des Jahres

Nicole Müller - Eine für Olympia 2012

Foto: SCHREYER / Schreyer

Neuallermöhe. Vier Tage im August. Auf diese kleine Zeitspanne ist alles im Leben von Nicole Müller ausgerichtet. Bei den Olympischen Spielen in London zeigt die Rhythmische Sportgymnastin vom SV Nettelnburg/Allermöhe mit der deutschen Gruppe ihr Können.

Seit Monaten lebt und trainiert die Neuallermöherin im Bundesleistungszentrum für Rhythmische Sportgymnastik in Fellbach bei Stuttgart. In der selbsternannten „Stadt der Weine und Kongresse“ am Neckar reift die deutsche Nationalmanschafts-Gruppe heran, um bei den Olympischen Spielen in London ihr Können zu zeigen. An vier Tagen, vom 9. bis 12. August, wird sich dann entscheiden, ob es ein guter Jahrgang war, ob sich die ganze Mühe gelohnt hat.

Müller, mit 17 Jahren das Küken des Teams, hat sich im Jahr 2011 von der Ersatzturnerin zur Stammbesetzung gemausert. Platz sechs bei der Weltmeisterschaft in Montpellier und die Olympia-Qualifikation waren der Lohn. Monatelang hatte sie zuvor in aller Stille am Rand der Matte mittrainiert, mit eisernem Willen durchgehalten, auf ihre Chance gewartet. Die kam, als eine Teamkollegin sich verletzte. Die Neuallermöherin sprang ein und überzeugte. Seitdem gehört sie fest dazu.

Nun ist es Zeit zum Träumen. „So ein Frühstück mit Usain Bolt, dem schnellsten Mann der Welt, das wäre eine tolle Sache“, blickt die Gymnasiastin auf die Tage von London voraus. Am 9. August um 12 Uhr wird die deutsche Gruppe die mit 12 000 Zuschauern gefüllte Wembley Arena betreten. Dann muss alles passen, jeder Handgriff sitzen, jede Fußstellung exakt sein. Dann rückt die Randsportart für vier Tage aus der Anonymität in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit.

Rhythmische Sportgymnastik, das ist ein nervenzerreißendes „Was-wäre-wenn“-Spiel: Was wäre, wenn der Wurf zu flach gerät? Eine Sportlerin den Ball nicht fängt, das Band, den Reifen? Es gibt Tausende Möglichkeiten zu patzen, den Oympiastart des gesamten Teams zu ruinieren. Müller wird es mit dem schwierigsten aller Geräte zu tun bekommen: dem Ball, ihrer großen Stärke. Die Trainer, die Teamkolleginnen, sie vertrauen dem Youngster. Ihr Durchbruch im Jahr 2011 hat gezeigt: mit Recht!