Formel 1

Vettel und Leclerc raus: Ferrari-Debakel in Monza

Das war es für Sebastian Vettel. Bereits nach der siebten Runde wird sein Ferrari in die Box geschoben.

Das war es für Sebastian Vettel. Bereits nach der siebten Runde wird sein Ferrari in die Box geschoben.

Foto: Getty Images

Blamage für Ferrari beim Heimspiel in Monza. Vettel scheidet frühzeitig aus, Leclerc sorgt mit einem Unfall für eine Unterbrechung.

Monza... Immerhin musste Sebastian Vettel nicht lange leiden. Während der Franzose Pierre Gasly im AlphaTauri sensationell den turbulenten achten Saisonlauf gewann und anschließend beim Ertönen der Marseillaise auf dem Siegerpodest ungläubig mitwippte, hatte der viermalige Formel-1-Weltmeister aus Heppenheim den Ort des Grauens bereits verlassen. Ein Bremsschaden in der sechsten Runde erlöste Vettel an diesem katastrophalen Wochenende für Ferrari beim Heimspiel in Monza. Der von Ferrari zum Jahresende ausgebootete 33-Jährige sehnt nur noch das Finale dieser deprimierenden Saison herbei.

Ferrari erstmals seit 15 Jahren punktlos

„Was bleibt mir übrig?“, fragte Vettel nach seinem Aus resignierend. Er hat den Glauben an vordere Plätze längst verloren – zumal in Monza von Startplatz 17 aus mit der Fehlkonstruktion SF1000 ohnehin kaum etwas drin war. Vettel: „Der Drops ist gelutscht, das wird dieses Jahr schwer für uns.“ Auch der zweite Ferrari kam nicht ins Ziel, Charles Leclerc flog in der 25. Runde in seinem instabilen Boliden in der Parabolica böse ab und löste eine fast 30-minütige Unterbrechung aus. Leclerc blieb unverletzt, doch die ordentlich gerupfte Scuderia blieb beim Großen Preis von Italien erstmals seit 15 Jahren ohne Punkte. „Das ist der schlimmste Ausgang eines verkorksten Wochenendes“, sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. „Wir müssen nach vorne schauen. Spa und Monza waren wahrscheinlich die schlimmsten Rennen für uns.“

Dass das Podium aus Premierensieger Gasly, McLaren-Pilot Carlos Sainz (Spanien) und dem Kanadier Lance Stroll (Racing Point) bestand, ist eine Sensation. Der Finne Kimi Räikkönen war im Lotus vor 2730 Tagen am 17. März 2013 in Melbourne der bis dato letzte Sieger, der nicht für eines der Top-Teams Mercedes, Ferrari und Red Bull fuhr. „Oh mein Gott“, funkte ein losgelöster Gasly, seine Boxencrew pfiff in der Stunde des Sieges auf die Abstandsregeln. „Ich kann noch gar nicht realisieren, was gerade passiert ist“, sagte der Franzose bei der Siegerehrung: „Ich habe so viel erlebt in den letzten 18 Monaten. Jetzt hier zu stehen ist einfach nur Wahnsinn.“

Gasly hatte es Anfang 2019 schon zu Red Bull geschafft, wurde wegen fehlender Ergebnisse aber zum Schwesterteam Alpha Tauri zurückgeschickt. Dieser Rennstall hatte unter dem Namen Toro Rosso 2008 schon einmal sensationell in Monza gewonnen – mit dem damals 21 Jahre alten Sebastian Vettel im Cockpit.

Formel 1: Hamiltons Fehler kostet den Sieg

Gaslys Coup wurde allerdings nur durch kuriose Umstände ermöglicht. Weltmeister Lewis Hamilton schien zu seinem 90. Formel-1-Erfolg zu rasen, ehe er nach dem Aus des Haas-Piloten Kevin Magnussen (Dänemark) bei roter Ampel zum Reifenwechsel in die Box fuhr. So kassierte er eine zehnsekündige Stop-and-Go-Strafe – und fand sich nach 29 von 53 Runden ganz am Ende des Feldes wieder. Am Ende reichte es zu Rang sieben für den weiter souveränen WM-Führenden (164 Punkte, der Brite liegt vor Valtteri Bottas/117 und Max Verstappen/110).

Vettels Ferrari hatte in Runde sechs einen Bremsschaden erlitten, sein verkorkstes Wochenende erreichte seinen traurigen Schlusspunkt. „Die Leitung ist explodiert. Ich habe kein Bremspedal mehr“, funkte der 33-Jährige. Wenig später stellte Vettel den Dienstwagen ab und flüchtete in seine Fahrerkabine im Ferrari-Motorhome. Auf die Haupttribüne setzte er sich nicht, dort fanden sich auf Einladung von Ferrari 250 Krankenschwestern und Ärzte als Dankeschön für ihren Kampf gegen das Coronavirus ein – die ersten Zuschauer an der Strecke in der Corona-Notsaison. Sie sahen ein Fiasko im 999. Rennen der Scuderia – das 1000. am kommenden Sonntag in Mugello dürfte kaum angenehmer werden.