DFB

Nationalmannschaft: Bei wem reicht die Kraft?

Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft beim Training.

Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft beim Training.

Foto: Matthias Hangst / Getty Images

Bundestrainer Joachim Löw hofft für das Länderspiel in der Schweiz auf gut erholte Nationalspieler – und Leroy Sané.

Basel. Es wird kein leichtes Duell, das weiß Bundestrainer Joachim Löw einen Tag vor dem Nations-League-Spiel in Basel gegen die Schweiz am Sonntag (20.45 Uhr/ZDF). „In der Regel setzen wir uns durch, auch wenn es dieses Mal vielleicht knapp wird“, sagt der 60-Jährige während der Abschluss-Pressekonferenz im Sankt-Jakob-Park.

Auch Löw unsicher: Tatort oder Länderspiel?

Denn der Gegner ist nicht ohne: Am Sonntag kehrt in der ARD der Tatort aus der Sommerpause zurück, und da ist sich auch der Bundestrainer nicht sicher, dass seine Mannschaft im Quotenrennen die Nase vorne hat.

Es geht also heute gleich gegen zwei starke Kontrahenten, denn selbstverständlich findet Löw auch für die Schweiz viele lobende Worte: Die Mannschaft spiele „mittlerweile im Konzert der Großen mit“, sie habe einen guten Stil entwickelt, sei taktisch flexibel und mit starken Einzelspielern besetzt.

Später Schock! DFB-Elf spielt Remis gegen Spanien Zur eigenen Mannschaft dagegen kann Joachim Löw noch nicht allzu viel sagen, nur dies: Im Tor wird dieses Mal Bernd Leno stehen, nachdem beim 1:1 gegen Spanien Kevin Trapp einen guten Eindruck hinterlassen hatte. Mehr weiß Löw selbst noch nicht, denn die Partie gegen Spanien „hat Spuren hinterlassen“. Keine größeren Verletzungen zwar, aber im ersten ernsthaften Spiel der noch jungen Saison haben die Spieler, die teils direkt aus dem Urlaub kamen, ordentlich Körner gelassen. „Ich habe schon einige Gespräche geführt und will jetzt beim Abschlusstraining genau aufpassen, welchen Eindruck die Spieler machen, wie sie sich bewegen“, kündigt Löw an. „Und bei einigen werde ich bis morgen abwarten, um zu sehen, wer so erholt ist, dass er in Vollbesitz seiner Kräfte ist.“

Sané kann für Gefahr sorgen

Das gilt insbesondere für Leroy Sané, der gegen Spanien erstmals nach seinem vor über einem Jahr erlittenen Kreuzbandriss ein Pflichtspiel absolvierte und nach einer guten Stunde von Krämpfen geplagt den Platz räumen musste. „Ich fühle mich sehr gut“, sagt der 24-Jährige am Samstag. Die Muskulatur ist heile geblieben, obwohl die Beine natürlich schwerer waren als sonst. „Ich habe auf dem Weg hierher mit dem Bundestrainer über das Spiel geredet, und wir haben entschieden, dass ich morgen Bescheid sage, ob ich bereit bin, zu spielen“, verrät der Neu-Münchener.

Gegen Spanien hatte Sané mit einigen Dribblings und Abschlüssen durchaus für Gefahr gesorgt, auch wenn längst noch nicht alles gelungen war. „Nach so langer Zeit fehlt mir natürlich noch Spielrhythmus“, erklärt der frühere Schalker. Stück für Stück gilt es, sich zurück zu alter Klasse zu entwickeln, das gilt für Sané wie für die komplette deutsche Mannschaft. Denn gegen Spanien hatte man wieder einmal durch ein spätes Gegentor Punkte verschenkt, hatte starke Szenen wie beim Führungstor durch Timo Werner (51.) durch manche Unzulänglichkeit konterkariert und durchaus folgerichtig den späten Ausgleich durch José Luis Gaya kassiert (90.+6).

Geordneter Rückzug soll die Kräfte schonen

Rüdiger und Süle: Verspätete Zukunft der deutschen Abwehr Eine der Szenen des Spiels gegen Spanien hatte sich ja fernab des Balls, der Kameras und damit auch fernab der Wahrnehmung der meisten Zuschauer abgespielt. „Marcus! Wie spielen wir jetzt?“, hatte ein einigermaßen irritierter Kapitän Toni Kroos in Richtung des Assistenztrainers Marcus Sorg gerufen. Mit der Hereinnahme des Innenverteidigers Matthias Ginter für den Stürmer Leroy Sané hatte Bundestrainer Löw also auch beim eigenen Personal für Verwirrung gesorgt.

Gleichzeitig war die Personalie ein klares Signal für mehr Defensive, für die Sicherung des eigenen Tors und die Verteidigung des 1:0-Vorsprungs. Der geordnete Rückzug war zwar vorher so besprochen, für 90 Minuten aggressives Pressing hätten die Kräfte nicht gereicht. Aber ganz so allumfassend, wie er dann später ausfiel, war es dann auch wieder nicht recht. „Ich hätte mir vielleicht gewünscht, den einen oder anderen Spieler mehr in der Offensive zu haben, um Entlastung zu schaffen“, hatte Julian Draxler gleich nach dem Spiel gemeint.

Ausrichtung auf Turniere

Aber die Ergebnisse in der Nations League sind ihm nicht so wichtig, dass macht Löw am Samstag noch einmal klar. Natürlich gewinnt auch er lieber Spiele, als dass er sie verliert, aber: „Bei einer Nationalmannschaft sollte alles auf Turniere ausgerichtet sein, das steht über allem.“ Dann kommen die Qualifikationswettbewerbe, dann erst die Nations League. „Das sind Spiele, in denen wir uns weiterentwickeln und auch mal etwas ausprobieren können“, erklärt der Bundestrainer. „Aber natürlich treten wir auch hier mit der Intention an, zu gewinnen.

Gegen die Schweiz. Und gerne auch gegen den Tatort.