Juventus Turin

Weltmeister Berthold: „In Italien wird es wieder spannender“

Großer Jubel bei Cristiano Ronaldo (l.) und Juventus Turin - die neunte Meisterschaft in Serie ist perfekt.

Großer Jubel bei Cristiano Ronaldo (l.) und Juventus Turin - die neunte Meisterschaft in Serie ist perfekt.

Foto: Antonio Calanni / dpa

Thomas Berthold, Weltmeister von 1990, erwartet nach der neunten Meisterschaft mehr Konkurrenz für Juventus Turin und Cristiano Ronaldo.

Essen. Man stelle sich das mal vor: Ein Sportwagen tritt gegen ein paar Mittelklasseautos an. Er gewinnt sieben Rennen in Serie, aber dem Besitzer reicht das nicht. Er rüstet den Motor noch mal um ein paar PS auf. Einfach so, weil er es kann. Und gewinnt zwei weitere Male. So läuft das mit Juventus Turin.

Hinter dem italienischen Fußballverein steckt schließlich die berühmte Familie Agnelli, die als Gründer des Automobilkonzerns Fiat zu Ruhm und Geld gekommen ist. Und die Nachjustierung heißt Cristiano Ronaldo.

Ronaldo: „Dieser Titel ist für ganz Italien“

Es sind beeindruckende Zahlen, die der 35 Jahre alte Angreifer und sein Klub in der Serie A aufgelegt haben. Ronaldo schoss 31 Tore in 32 Spielen, gab dazu sechs Vorlagen. Auch beim 2:0-Erfolg über Sampdoria Genua gelang dem Portugiesen am Sonntagabend ein Treffer. Zwei Saisonpartien stehen zwar noch aus, aber Juventus steht bereits als Meister fest – der neunte Scudetto in Serie. „Dieser Titel ist für alle Juventus-Fans, besonders für die, die in der Pandemie leiden und gelitten haben. Euer Mut, eure Einstellung und eure Entschlossenheit war die Stärke, die wir in dem engen Finale der Meisterschaft gebraucht haben“, schrieb Ronaldo in den Sozialen Medien. „Dieser Titel ist für ganz Italien. Ich umarme euch alle.“

Ein Hoeneß für Hoffenheim: Abteilung Attacke - nur sportlich Natürlich sticht Ronaldo heraus. Seit seiner Ankunft in Turin 2018 hat sein Klub zweimal mit großem Vorsprung den Titel geholt. Doch die nächste Machtdemonstration der Alten Dame war ein Mannschaftserfolg: Trainer Maurizio Sarri machte aus dem schon aussortierten Argentinier Paulo Dybala einen Schlüsselspieler. Das niederländische Talent Matthijs de Ligt wurde zur gewünschten Verstärkung für die Abwehr. Im Rennen um den 19 Jahre alten Verteidiger hatte Juve im vergangenen Sommer halb Europa ausgestochen.

1990er-Weltmeister Berthold ist Italien-Experte

Die Gründe für Juves Dominanz in diesem Jahrzehnt sind vielschichtig. Wer sich dauerhaft in der Champions League etabliert und gegebenenfalls einen Investor im Rücken hat, der ist für die nationale Konkurrenz praktisch uneinholbar. Das beweisen München, Paris und Turin. Dazu hat Juve im Gegensatz zu den anderen italienischen Spitzenteams eine moderne Arena. Wenn dann auch noch die einst größten Kontrahenten aus Mailand genug mit sich selbst und ihren Investoren beschäftigt sind, ist das Resultat eben eine Serie von neun italienischen Meisterschaften.

Das muss nicht so bleiben, meint Thomas Berthold. Der Weltmeister von 1990 kennt sich in der Serie A gut aus, absolvierte 114 Partien für Hellas Verona und die AS Rom. „Die Suning Holdings investiert schon seit ein paar Jahren kontinuierlich bei Inter Mailand. Der US-Hedgefonds Elliott ist beim AC Milan noch etwas zurückhaltender. Auch die AS Rom steht zum Verkauf“, erklärt der 55-Jährige im Gespräch mit dieser Redaktion. „Ich glaube, dass diese Vereine den Rückstand auf Juventus durch die Investitionen verkürzen können und wir in Zukunft wieder spannendere Meisterschafts-Entscheidungen erleben werden.“

Das Wettrüsten beginnt

Sie fangen bereits damit an. Unbeeindruckt von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Inter holte für 40 Millionen Euro Ablösesumme von Real Madrid den Außenverteidiger Achraf Hakimi, der an Borussia Dortmund ausgeliehen war. Medien spekulieren über eine Verlängerung des fürstlichen Vertrages von Zlatan Ibrahimovic bei Milan. Und Juve? Machte eben 72 Millionen Euro locker für Arthur, einen Mittelfeldspieler des FC Barcelona. Das Wettrüsten beginnt.

Geht Thiago? Wie fit ist Sané? Große Fragen beim FC Bayern Noch ist die Saison für den Rekordmeister aber nicht beendet. Die eigentliche Prüfung beginnt am 7. August, wenn das Rückspiel im Achtelfinale der Champions League gegen Olympique Lyon (Hinspiel 0:1) ansteht. „Wenn alles zusammenkommt, kann Juventus jede Mannschaft schlagen. Das ist auch deren Anspruch: Erst die nationalen Hausaufgaben erledigen und dann um den Champions-League-Titel spielen“, sagt Berthold. Die Liga dominieren und gleichzeitig in der Königsklasse abliefern - bei diesem Spagat hat sich Juventus in den vergangenen Jahren äußerst schwer getan. Nun scheint die Maschine aber gut geölt zu sein.