Berlin.

Dem Rausch folgt der Kater

Handball-WM  Deutsches Team kassiert beim 22:22 gegen Russland ersten Dämpfer

Berlin..  Die deutschen Handballer haben bei der Heim-WM den vorzeitigen Einzug in Hauptrunde nach einem Krimi verpasst. Die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop musste sich gegen Russland mit einem 22:22 (12:10) begnügen und steht auf ihrer Medaillenmission vor dem wegweisenden Duell gegen Frankreich heute Abend (20.30 Uhr, ZDF) unter größerem Druck. Bei einem Unentschieden gegen Titelverteidiger Frankreich hätte die DHB-Auswahl die Hauptrunde erreicht, bei einer Niederlage wäre das angestrebte Halbfinale schon in Gefahr.

„Es war ein extrem enges Spiel, die Russen haben es richtig gut gemacht. Ich mache diesen dummen Fehlpass kurz vor dem Ende, der uns das Genick bricht. Das ist ein verlorener Punkt“, sagte Rückraumspieler Paul Drux hinterher selbstkritisch. Die Russen, die um jeden Zentimeter fighteten, kamen nach dem 8:8 erst in der Schlussminute wieder zum Ausgleich. Drux, vom Kampf in Abwehr und Angriff am Hals mit einem dicken Kratzer gezeichnet, gab sich kämpferisch: „Wir sind gefestigt. Wir müssen jetzt runterkommen, morgen Abend spielen wir wieder.“

Nach den lockeren Erfolgen gegen Korea (30:19) und Brasilien (34:21) stieß der Gastgeber auf deutlich mehr Gegenwehr. Das bisher so starke deutsche Abwehr-Bollwerk um den Mittelblock mit Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek hatte mit den beweglichen Russen einige Mühe, Torhüter Andreas Wolff kam zudem auch nicht so gut ins Spiel. Die DHB-Auswahl ging erst durch den Kieler Steffen Weinhold beim 4:3 erstmals in Führung (7.). Doch die Russen ließen sich nicht abschütteln. Prokop richtete daher in der ersten Auszeit eine klare Forderung an seine Defensive: „Das muss aggressiver sein.“ Seine Spieler gehorchten und griffen in der Deckung in der Folge etwas beherzter zu.

Dafür leistete sich das deutsche Team nun im Angriff einige überhastete Aktionen und Stürmerfouls. Bis zum Ende des Spiels scheiterten die Deutschen aber auch an ihrer Chancenverwertung, viele freie Bälle wurde kläglich vergeben. Zwar geriet der Start in die zweite Halbzeit vielversprechend. Weinhold hämmerte den Ball nach einer kraftvollen Einzelaktion zum 15:11 unter die Latte (35.). Die einstige Handball-Großmacht Russland blieb aber in Schlagdistanz – und rissen die Deutschen vor erneut 13.500 Fans in Berlin neun Sekunden vor dem Abpfiff aus ihren Siegträumen.

„Heute dürfen wir uns ärgern. Das Schöne an diesem Turnier ist aber, dass wir binnen 24 Stunden das besser machen können mit dem tollen Publikum“, sagte Bundestrainer Christian Prokop. Die Franzosen traten am Montagabend gegen Korea (nach Redaktionsschluss) noch ohne Superstar Nikola Karabatic an.

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