Pointe-à-Pitre.

In 13 Tagen über den Atlantik

Segeln  Hamburger Boris Herrmann beendet die Route du Rhum auf Platz fünf

Pointe-à-Pitre..  Nach 13 Tagen, drei Stunden, 47 Minuten und 30 Sekunden blieb die Zieluhr stehen. Dann war der Hamburger Boris Herrmann mit seiner Segelrennyacht „Malizia“ am Sonnabendabend starker Fünfter der renommierten Transatlantikregatta Route de Rhum. Zu seiner Premiere machte der erste Deutsche in der Imoca-Klasse bei einer Ozeanüberquerung von sich reden und wurde den eigenen, hochgesteckten Erwartungen unter 20 internationalen Teilnehmern gerecht.

Es gewann überraschend der Franzose Paul Meilhat auf der älteren, ohne Foils zum Abheben übers Wasser ausgerüsteten „Sma“, der nach 3542 Seemeilen (6660 Kilometer) von Saint-Malo in der Bretagne aus gut 16 Stunden vor dem 37-Jährigen in Pointe-à-Pitre auf der Karibikinsel Guadeloupe war.

„Ich bin einfach nur stolz, erleichtert und überglücklich, hier heil unter den besten fünf der Welt angekommen zu sein“, sagte Boris Herrmann nach dem Zieldurchgang um kurz vor 18 Uhr deutscher Zeit, der sich durch eine Flaute hinter der Insel über mehrere Stunden hingezogen hatte. Erst auf den letzten Meter ins Ziel zeigte die hochmoderne, mit knallroten Tragflächen (Foils) ausgestattete Open 60 „Malizia“ noch einmal, was in ihr steckt. Schon vor der imaginären Linie riss der gebürtige Oldenburger mehrfach jubelnd die Arme hoch, mit denen er hinterher die ganze Welt hätte umarmen können.

„Es war strapaziös, ohne Frage, extreme Bedingungen teilweise über viele Stunden. Aber ich habe die Passage auch genossen. Das Boot und ich sind inzwischen eine fest zusammengeschweißte Einheit. In das Potential der ‚Malizia‘ habe ich hundertprozentiges Vertrauen“, analysierte der Skipper ein Rennen, das weltweit im Fokus steht und doch für ihn „nur“ ein wichtiger Test auf dem Weg zur Weltregatta Vendée Globe 2020/21 war. Vor allem sicher ankommen wollte er – und ohne das vom Fürstentum aus Monaco bezahlte Boot zu beschädigen.

Dass bei Einhandrennen die kleinste Unaufmerksamkeit zu einer mittleren Katastrophe führen kann, bewies Alex Thomson. Den sicheren Sieg vor Augen war der Brite mit 140 Seemeilen Vorsprung in der Nacht zu Freitag mit der „Hugo Boss“ auf schroffe Felsen an der Küste vor Guadeloupe aufgelaufen, nachdem sein Armbandwecker versagt und der Skipper schlicht verschlafen hatte. Er wurde Dritter.

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