Schwarzenbek

Bürgermeister-Kandidaten sprechen über das Kulturleben

Beim Stadtvergnügen in Schwarzenbek gab es im vergangenen Jahr einen Festumzug.

Beim Stadtvergnügen in Schwarzenbek gab es im vergangenen Jahr einen Festumzug.

Foto: Marcus Jürgensen

Schwarzenbeks Bürgermeister-Kandidaten sehen Kultur als einen wichtigen Faktor für die Außendarstellung und Lebensqualität.

Schwarzenbek.  Am Sonntag, 27. September, sind fast 12.700 Schwarzenbeker aufgerufen, ihren neuen Bürgermeister zu wählen. Zur Wahl stellen sich Bürgervorsteher Matthias Schirmacher (56, Grüne) und der stellvertretende Fachbereichsleiter und Jugendpfleger Norbert Lütjens (50, parteilos). In einer Serie stellen wir die Kandidaten vor und lassen sie zu Schwerpunktthemen zu Wort kommen. Heute geht es um die Frage, wie wichtig das Kulturleben für eine Stadt ist.

Freizeit und Kultur

Ist Kultur aus Ihrer Sicht ein Standortfaktor und wie viel Kultur kann sich die Stadt leisten?

Norbert Lütjens: Kultur verbindet Menschen, schafft gegenseitiges Verständnis und erklärt die Welt. Als

Musiker habe ich Hunderte von Konzerten in der ganzen Republik gespielt und bin auch heute noch an der Umsetzung vieler kultureller Veranstaltungen beteiligt. Hier in Schwarzenbek sind dies etwa diverse „Stadtvergnügen“, das seit zehn Jahren laufende Jugendkulturprojekt „Beat and Dance“ oder viele „Sofaabende“. Tausende Besucher nutzen jedes Jahr kulturelle Angebote im Ort. Das schafft Lebensqualität, Identifikation mit Schwarzenbek und bindet wichtige Kaufkraft. Die finanziellen Folgen der Corona-Krise werden jedoch dazu führen, dass dieser Bereich der „freiwilligen Leistungen“ noch härter umkämpft sein wird. Umso mehr braucht die Kultur eine breite Unterstützung aus Politik, Verwaltung und Bevölkerung, für die ich mich aus Überzeugung einsetze.

Matthias Schirmacher: Kultur ist ein nicht zu unterschätzender Standort- und auch Imagefaktor. Für Schwarzenbek sehr wichtig sind die Pflege und die Unterstützung der bestehenden Angebote sowie die Etablierung zusätzlicher Angebote und Aktionen. Sie sollen als eine sinnvolle Ergänzung, unter Einbeziehung der hier ansässigen Vereine, Ehrenamtlern und Kirchen entwickelt werden. Kultur muss nicht teuer sein, sondern die Menschen begeistern und die Identifikation mit der Stadt fördern. Hier ist für mich das überragende Alleinstellungsmerkmal der Titel Europastadt! In den letzten Jahren ist Schwarzenbek als Europastadt praktisch nicht mehr wahrgenommen worden. Dieses möchte ich ändern und diese Bedeutung wesentlich stärker in den Vordergrund rücken.

Das Amtsrichterhaus verliert seinen Träger: Ist ein Kulturzentrum in städtischer Regie für Sie eine Lösung?

Matthias Schirmacher: Das Amtsrichterhaus ist für die Stadt als Kulturzentrum von unschätzbarem Wert, der auch unter städtischer Regie unbedingt erhalten werden muss. Ich möchte das Haus auch noch weiter beleben und die Räume unseren Vereinen und Gruppen zugänglich machen.

Norbert Lütjens: Die auslaufende Zusammenarbeit mit der Louisenhof gGmbh als bisherigem Träger war erfolgreich und hat viele neue Besucher und frischen Wind in das Amtsrichterhaus gebracht. Damit hat sich die Arbeitsteilung zwischen einem externen Betreiber bei gleichzeitiger Unterstützung durch die Stadt bewährt. Inzwischen haben sich bereits erste Interessenten zur Fortführung des Angebotes gemeldet. Damit dies ohne lange Unterbrechung stattfinden kann, müssen das Konzept angepasst und finanzielle Mittel durch politische Entscheidung zur Verfügung gestellt werden. Diese Lösung halte ich zeitnah für umsetzbar. Die Führung des Hauses in rein städtischer Trägerschaft erfordert hingegen eigenes hoch qualifiziertes Personal, verbunden mit erheblichen organisatorischem und finanziellen Aufwand. Eine solches Projekt würde sich frühestens mittelfristig umsetzen lassen.

Alle zwei Jahre ein Stadtvergnügen, dazu Weinfest oder WVS-Messe: Welche Funktion haben Stadtfeste für Sie und reichen diese ehrenamtlich organisierten Veranstaltungen aus?

Norbert Lütjens: Zehntausende Menschen die diese erfolgreichen Veranstaltungen besuchen, sprechen eine deutliche Sprache und belegen den Bedarf in der Bevölkerung. Im Ort gibt es ein hohes ehrenamtliches Fachwissen, was die Durchführung solcher Events anbelangt Darauf können wir wirklich stolz sein. Von Seiten der Organisatoren bin ich jedoch mehrmals darauf angesprochen worden, dass mehr konkrete Unterstützung durch die Stadt gebraucht wird. Dabei geht es zum Beispiel um zentrale Ansprechpartner, die Teilung des Risikos (Ausfallbürgschaften), den Einsatz des städtischen Bauhofs, organisatorische Fragen wie Genehmigungen oder die Umsetzung von Sicherheitskonzepten und vieles mehr. Gleichzeitig weiß ich, dass die Verwaltung aktuell an ihre finanziellen und personellen Leistungsgrenzen stößt. In dem Wissen, dass es dafür politischer Mehrheiten bedarf, trete ich für einen Ausbau der Unterstützung und dessen Professionalisierung ein.

Matthias Schirmacher: Unsere Veranstaltungen und Feste dienen nicht nur der Unterhaltung, sondern sind

auch ein Aushängeschild für die Stadt, unsere Wirtschaft und unserer Bürgerinnen und Bürger. Sie tragen dazu bei, die Lebensqualität zu steigern, sich zu begegnen und Schwarzenbek als eine weltoffene Stadt zu präsentieren. Neben diesen Großveranstaltungen, die auch von überregionaler Bedeutung sind, wünsche ich mir aber auch mehr kleinere Veranstaltungen – ein Weihnachtsmarkt, Straßenfeste oder ein Handwerksmarkt. Es gibt viele Möglichkeiten, die auch durch die Stadt als Veranstalter organisiert und tatkräftig unterstützt werden können.

Wie beurteilen Sie das Sportangebot in der Stadt?

Matthias Schirmacher: Das Sportangebot in Schwarzenbek ist vielfältig und umfangreich. Hierfür bedanke ich mich auch bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, ohne die das nicht möglich wäre. Der TSV Schwarzenbek bietet von American Football bis Volleyball zahlreiche Möglichkeiten. Außerdem gibt es Alternativen in anderen Vereinen aktiv zu werden. Einige Beispiele sind: Fußball, Tennis, Tanzen, Karate, Schach, Segeln, Schießen und Schwimmen in der DLRG. Weiterhin gibt es eine Herzsportgruppe, Seniorensport, Betriebssport bei der Firma Fette und die Möglichkeit, das Sportabzeichen zu erwerben. Wer möchte, kann sich einer privaten Gruppe zum Laufen, Wandern oder Radfahren anschließen oder für sich durch den Sachsenwald joggen. Mir fehlen allerdings ausgeschilderte Rad- und Wanderwege, die ich als Bürgermeister schaffen werde.

Norbert Lütjens: Wir haben in unserer Stadt und im direkten Umfeld ein breitgefächertes sportliches Angebot. Alles in allem stabile Mitgliederzahlen in Coronazeiten belegen, dass die Konzepte der Sportvereine aufgehen. Anlass zur Sorge gaben in der Vergangenheit jedoch die Konflikte, etwa im Bereich von Nutzungszeiten und -gebühren für die Sporthallen. Durch gute Kontakte in die Vereine, habe ich die Entwicklungen in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt und bin darüber mit Vertretern aus Vereinen, Politik und Verwaltung im ständigen Austausch. Nach meiner Wahrnehmung hat sich die gemeinsame Kommunikation in den letzten Wochen und Monaten erheblich verbessert, sodass das gegenseitige Verständnis wachsen konnte. Diesen Weg müssen wir weiter gehen, damit die Vereine auch zukünftig ihre erfolgreiche Arbeit leisten können.

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