Infrarotfotografie

Magische Landschaften im Schwarzenbeker Amtsrichterhaus

Petra Albers (66) aus Jork im Alten Land hat die Infrarotfotografie als Kunstform für sich entdeckt. Wie ein verwunschenes Schloss sieht bei ihr die Wasserkunst in Hamburg-Kaltehofe aus

Petra Albers (66) aus Jork im Alten Land hat die Infrarotfotografie als Kunstform für sich entdeckt. Wie ein verwunschenes Schloss sieht bei ihr die Wasserkunst in Hamburg-Kaltehofe aus

Foto: Marcus Jürgensen

Verzauberte Landschaften und verwunschene Orte sind noch bis zum 4. Oktober am Körnerplatz 10 zu sehen.

Schwarzenbek. Was hat der kolumbianische Literaturnobelpreisträger Gabriel José Garcia Marquez (1927–2014) mit Fotografie zu tun? Eigentlich nichts – für Petra Albers jedoch alles. 2014 hatte die heute 66 Jahre alte, ehemalige Berufsfotografin aus Jork im Alten Land eine Vorlesung zu dem für seinen Magischen Realismus bekannten Schriftsteller an der Uni Hamburg besucht. „Eine junge Mitstudentin fragte mich, ob ich das nicht in Bilder umsetzen könne“, erinnert sich Albers. Als ihr dann ein Bekannter seine Infrarotfotos zeigte, war für Albers klar: „Das ist das, was ich machen möchte.“

Magischer Realismus als Fotokunst im Amtsrichterhaus

Magie und Realismus führt sie auch in den Fotos zusammen, die sie im Amtsrichterhaus (Körnerplatz 10) zeigt: Die Ausstellung „Von magischen Orten und märchenhaften Landschaften“ wurde gestern eröffnet und ist bis Sonntag, 4. Oktober, zu sehen – jeweils mittwochs und donnerstags von 9 bis 13 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Doch wie entstehen die Fotos, die so seltsam entrückt und dennoch realistisch und detailreich sind? Die Infrarot- oder auch Wärmestrahlung ist Teil der optischen Strahlung. Das menschliche Auge kann das Licht zwischen 380 und 780 Nanometern wahrnehmen, Albers Kamera nutzt jedoch das für Menschen unsichtbare Licht mit einer Wellenlänge von 780 bis 900 Nanometern – auch Nah-Infrarot genannt.

Die erste Infrarotfotografie wurde 1919 vom US-amerikanischen Physiker Robert Wood veröffentlicht und zeigt den nach ihm benannten Effekt: Grüne Blätter erscheinen im nahen Infrarotbereich strahlend weiß, da Chlorophyll im infraroten Bereich transparent erscheint und somit das Licht am in der Pflanze enthaltenen Wasser reflektiert wird. Das etwa belaubte, grüne Bäume im Sommer in der Infrarotfotografie strahlend weiß erscheinen, macht die große Faszination dieser Bilder aus.

Digitalkameras müssen umgebaut werden, um Infrarot zu sehen

Petra Albers, die nach dem Abitur im Jahr 1975 beim großen Hamburger Werbe- und Pressefotografen Herbert Dombrowski (1917– 2010) in die Lehre gegangen war, kennt auch noch den Infrarotfilm, den die Firma Kodak in den 1960er-Jahren auf den Markt brachte und der von vielen Kunstfotografen genutzt wurde. Selber damit fotografiert hat sie aber nicht. Sie setzt heute vielmehr auf digitale Technik: Dafür hat Albers ihre Olympus-Kamera in einer Spezialwerkstatt umbauen lassen. „Die meisten Digitalkameras haben einen Filter vor dem Chip, der das Infrarotlicht herausfiltert“, so Albers, denn dadurch kann es zu Unschärfen kommen.

In der Werkstatt wird dieser Filter durch einen anderen ersetzt: Dies erlaubt trotz des langwelligen Lichts weiterhin die gewohnt kurzen Belichtungszeiten. Allerdings erscheint das Bild auf dem Display rot eingefärbt und wird von Albers noch digital nachbearbeitet, damit die gewünschten „magischen“ Effekte entstehen.

Ihre Arbeiten hat die Fotografin bereits 2017 in Kehdingen (Kornspeicher Freiburg/Elbe) und 2019 auf Einladung des Kunstvereins Stade (Schleusenhaus) mit großem Erfolg gezeigt. Ebenfalls im vergangenen Jahr hatte Albers die Färöer-Ausstellung des Schwarzenbeker Fotografen Norman Preißler im Amtsrichterhaus besucht. „Ich habe mich damals spontan in dieses Haus verliebt und gefragt, ob ich hier auch einmal ausstellen darf“, so Albers. Insgesamt 54 ihrer Fotos sind jetzt in Erd- und Obergeschoss zu sehen – mit märchenhaften Orten und Landschaften.