Schwarzenbek

Bürgermeisterkandidaten sprechen über Kitas und Schulen

Am Sonntag, 27. September, wird in Schwarzenbek ein neuer Bürgermeister gewählt (Symbolfoto).

Am Sonntag, 27. September, wird in Schwarzenbek ein neuer Bürgermeister gewählt (Symbolfoto).

Foto: Daniel Schäfer / dpa

Fast 3000 Kinder besuchen Schulen und Kitas der Stadt. Was die beiden Bürgermeisterkandidaten gegen Wartelisten und Raumnot tun wollen.

Schwarzenbek. Am Sonntag, 27. September, sind fast 12.700 Schwarzenbeker aufgerufen, ihren neuen Bürgermeister zu wählen. Zur Wahl stellen sich Bürgervorsteher Matthias Schirmacher (56, Grüne) und der stellvertretende Fachbereichsleiter und Jugendpfleger Norbert Lütjens (50, parteilos). In einer Serie stellen wir die Kandidaten vor und lassen sie zu Schwerpunktthemen zu Wort kommen. Zu ihrer Motivation, dem persönlichen Werdegang sowie zur Stadtentwicklung haben wir die Kandidaten bereits befragt.

Heute geht es um das Thema „Kitas und Schulen“. 2036 Schüler besuchen die drei Schulen der Stadt, darunter 418 Gastschüler. In den aktuell acht Kitas werden 780 Kinder betreut, 194 im Krippen- und 586 im Elementarbereich.

Kinderbetreuung/Schule

Was wird aus der ehemaligen Realschule – ist die Idee eines Bildungszentrums angesichts der Raumnot an den Schulen noch sinnvoll?

Norbert Lütjens: Schule und damit Bildung ist die beste Investition in die Zukunft und hat für mich oberste Priorität. Die Frage nach der Raumnot lässt sich jedoch nicht auf einfache Art mit der Nutzung der ehemaligen Realschule beantworten. Dazu müssen wir tiefer ins Thema einsteigen. Schulplätze an der Grundschule Nordost sind aktuell so stark nachgefragt, dass dort inzwischen Fachräume fehlen. Der Grundschulteil der Grund- und Gemeinschaftsschule (GGS) hingegen braucht unter anderem Betreuungsräume für die Offene Ganztagsschule (OGS) und ebenfalls Fachräume. Beides lässt sich mit den Räumen der ehemaligen Realschule aufgrund der Entfernungen nicht realisieren. Für eine Lösung werden jetzt beide Standorte in Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung, Lehrern, Schülern und Eltern überplant. An der GGS zeichnet sich mit dem Antritt der neuen Schulleitung die Umsetzung eines neuen pädagogischen Konzeptes ab. Was das für ein künftiges Raumkonzept bedeutet, wird sich zeigen und muss dann selbstverständlich von der Stadt mit aller Kraft unterstützt werden. Für die Nutzung der ehemaligen Realschule ist jedoch jetzt eine Entscheidung wichtig. Die Stadt braucht dringend Räume, zum Beispiel für die Bücherei, Volkshochschule, IT-Abteilung, Sitzungen und für Begegnungen. Der Umzug der Bücherei dorthin ermöglicht ein breiteres Angebot am neuen Standort und mit den freiwerdenden Flächen im Rathaus können dann ein moderner Bürgerservice und dringend benötigte Büroräume geschaffen werden. Damit dies alles zeitnah gelingen kann, werde ich mich als Bürgermeister mit meinem ganzen Können und Know-how einbringen.

Matthias Schirmacher: Unsere ehemalige Realschule an der Berliner Straße steht seit Jahren leer, kostet

Geld und blockiert in bester Lage die Weiterentwicklung der Innenstadt. Das Grundstück ist groß genug, um den wachsenden Bedarf von Schule und Kita genauso wie Flächen für ein Bildungszentrum zu genügen. Hierzu hat sich die Politik bereits intensiv mit möglichen Nutzungskonzepten und deren Planungen beschäftigt. Ich bin zuversichtlich, dass es auch zu einer Lösung hinsichtlich einer Nachnutzung der ehemaligen Realschule kommen wird. Dies spielt eine zentrale Rolle für die weitere Entwicklung der Innenstadt.

Im August wurde der Neubau der Kita Kichererbse an der Buschkoppel eröffnet, dennoch gibt es weiterhin eine Warteliste: Wann ist ein Ende der Baumaßnahmen möglich und die Warteliste abgebaut?

Matthias Schirmacher: Die Kita Dreiangel ist derzeit im Bau, dort werden weitere 20 Krippen- und 40 Elementarplätze entstehen. Voraussichtlich fehlen dann in Schwarzenbek noch etwa 30 Krippenplätze, um unsere Warteliste vollständig abzubauen. Eine Möglichkeit wäre, diese in der Kita Pavillon zu realisieren, wenn diese auf dem ehemaligen Realschulgelände ausgebaut würde.

Norbert Lütjens: Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es im Elementar- und Krippenbereich immer noch eine Warteliste für rund 90 Kinder. Auch wenn aktuell alle berufstätigen Eltern einen Platz für ihre Kinder bekommen haben und hier in der Vergangenheit viel Geld zum Abbau der Warteliste in die Hand genommen wurde, so haben wir noch viel Arbeit vor uns, denn die Stadt wächst weiter. Da Politik und Verwaltung in dieser Frage bisher gut zusammengearbeitet haben, bin ich optimistisch, dass sich die Situation in den nächsten sechs Jahren merklich entspannen wird. Sie können sich sicher sein, dass ich als Vater von drei kleinen Kindern sehr genau um die Nöte der Eltern weiß und mich auch in diesem Bereich stark engagieren werde.

Sollte eine Ganztagsbetreuung an den Grundschulen zur Pflicht werden: Sind die beiden Grundschulen darauf räumlich vorbereitet und was werden Sie als Bürgermeister tun, um dies zu ermöglichen?

Norbert Lütjens: Nach dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz will die Bundesregierung nun bis 2025 die

Garantie auf einen Ganztagsplatz für Kinder an Grundschulen umsetzen. Das hat auch für Schwarzenbek Folgen. Zunächst lässt sich sagen, dass an beiden Standorten in der offenen Ganztagsschule (OGS) bereits jetzt hervorragende Arbeit geleistet wird. Aber vor allem am Grundschulteil der Grund- und Gemeinschaftsschule werden wir kurzfristig in die Räumlichkeiten investieren müssen. Bereits bei der Frage nach der Raumnot habe ich beschrieben, dass beide Schulstandorte aktuell neu überplant werden. In diese Planungen sind beide OGS-Standorte mit einbezogen. Eine weitere Herausforderung wird die Frage danach sein, wie es uns gelingen wird, mehr qualifiziertes Personal zu gewinnen, denn die Nachfrage nach Arbeitskräften in diesem Bereich ist groß. Wir müssen also als attraktiver Arbeitgeber entsprechende Rahmenbedingungen bieten.

Matthias Schirmacher: Natürlich brauchen unsere Schulen für eine gebundene Grundschule mehr Raum. Sollte die Ganztagsbetreuung zur Pflicht werden, ist neben der Stadt aber auch das Land gefordert. Hier gilt es, sich als Bürgermeister für hohe Förderquoten einzusetzen und starkzumachen. Generell muss die Stadt aber für die steigende Schülerzahl zeitnah ein Konzept gemeinsam mit den Schulen, aber auch mit den Nachbargemeinden entwickeln. Wir müssen dringend proaktiv agieren in Schwarzenbek, statt weiterhin nur auf Probleme zu reagieren.

An der Verbandsschule Nordost wird in Containern unterrichtet: Wie wollen Sie sicherstellen, dass für alle Schüler genügend Klassenräume zur Verfügung stehen?

Matthias Schirmacher: Wir müssen schnellstmöglich dafür sorgen, dass der Unterricht in Containern nicht mehr notwendig ist. Der Umzug des Förderzentrums in eigene Räume ist beschlossen und stellt einen großen Schritt zu einer Verbesserung der Situation dar. In der Verbandsschule Nordost gibt es derzeit auch eine Begrenzung der Schülerzahlen, um die Situation zu verbessern. Die Stadt erarbeitet derzeit bereits Lösungen, um den Eltern wieder die freie Schulwahl zu ermöglichen. Diese werde ich nach Kräften unterstützen.

Norbert Lütjens: Der Zustand, dass jetzt auf Container ausgewichen werden musste, ist aus der Not geboren und auf Dauer unhaltbar. Wir müssen jetzt handeln und dafür sorgen, dass gute pädagogische Konzepte auch umgesetzt werden können. Etwas Entlastung wird der geplante Auszug der Förderschule bringen. Trotzdem kann ich nichts anderes sagen, als dass es keine kurzfristige Lösung für das Problem geben wird. Selbst wenn alles gut läuft und Einigkeit über Planungen, Genehmigungsverfahren sowie Auftragsvergaben für bauliche Maßnahmen besteht und schnell umgesetzt wird, braucht es Zeit, um den jetzigen Zustand zu ändern. Umso mehr ist es wichtig, diese Entwicklung mit viel Sachverstand zu begleiten und voranzutreiben.

Lesen Sie auch: