Wahl in Schwarzenbek

Schwächelnde Wirtschaft hat Folgen für die Stadtkasse

Die LMT Group an der Grabauer Straße und die Universelle, ein paar hundert Meter weiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite, sind die beiden größten Gewerbesteuerzahler der Europastadt.

Die LMT Group an der Grabauer Straße und die Universelle, ein paar hundert Meter weiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite, sind die beiden größten Gewerbesteuerzahler der Europastadt.

Foto: Marcus Jürgensen

Am 27. September wird der neue Bürgermeister in Schwarzenbek gewählt. Wir befragen die Kandidaten zum Thema Wirtschaftsentwicklung.

Schwarzenbek.  Am Sonntag, 27. September, sind fast 12.700 Schwarzenbeker aufgerufen, ihren neuen Bürgermeister zu wählen. Zur Wahl stellen sich der stellvertretende Fachbereichsleiter und Jugendpfleger Norbert Lütjens (50, parteilos) sowie Bürgervorsteher Matthias Schirmacher (56, Grüne). In einer Serie stellen wir die Kandidaten vor und lassen sie zu Schwerpunktthemen zu Wort kommen. Zu ihrer Motivation, sich zur Wahl zu stellen, ihrem persönlichen Werdegang sowie zum Thema „Wachsende Stadt“ haben wir die Kandidaten bereits befragt. Heute geht es um das Thema „Wirtschaftsentwicklung“, es folgen noch Fragen zur Lage an Kitas und Schulen, zu Kulturarbeit, Senioren und Finanzen.

Die Wirtschaftliche Entwicklung der Stadt geht einher mit der Entwicklung der Finanzen: Mit der LMT Group und der zur Hauni-Gruppe gehörenden Universelle produzieren die beiden größten Steuerzahler der Stadt im Gewerbegebiet an der Grabauer Straße. Schwächelt die Konjunktur wie in der Finanzkrise oder aktuell der Coronakrise, hat dies auch unmittelbare Auswirkungen auf die beiden im Bereich Maschinenbau tätigen Unternehmen – und auf die Stadtkasse. Nach Gewerbesteuereinnahmen von mehr als zehn Millionen Euro hatte Kämmerer Jens-Ole Johannsen für 2020 mit nur noch fünf Millionen gerechnet. Aktuell geht er nur von ein bis zwei Millionen Euro aus. Muss sich die Stadt breiter aufstellen und wie geht das, haben wir beide Kandidaten gefragt.

Wirtschaftsentwicklung

Das Gewerbesteueraufkommen ist wesentlich von zwei Unternehmen abhängig: Wie kann sich Schwarzenbek aus Ihrer Sicht breiter aufstellen und ist dies überhaupt möglich?

Norbert Lütjens: Um in Zukunft handlungsfähig zu bleiben, braucht Schwarzenbek dringend eine langfristig ausgerichtete wirtschaftliche Gesamtstrategie. Das Ziel muss die Ansiedlung kleinerer und unterschiedlicher Unternehmen sein, die der Stadt mehr Sicherheit geben. Dies lässt sich erreichen, wenn wir für die Unternehmen als attraktiver Standort gelten und entsprechende Flächen, Infrastruktur sowie eine gute Begleitung zur Verfügung stellen. Damit diese Aufgabe in der Zukunft verwirklicht wird, müssen wir heute unbedingt Pflöcke einschlagen.

Matthias Schirmacher: Um die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen deutlich zu reduzieren, muss unser Blick aber auch auf eine zukünftige Entwicklung in der Breite gerichtet sein, ohne unsere vorhandene Wirtschaft zu vergessen oder zu benachteiligen. Erreichen können wir dies neben der Wirtschaftsförderung des Kreises, auch und gerade mit einer stärkeren Zusammenarbeit mit unseren Nachbargemeinden, um die Rahmenbedingungen und eventuelle Synergien zur Ansiedlung neuer Unternehmen zu schaffen.

Wo kann die Stadt noch Gewerbeflächen ausweisen oder geht dies nur noch in Kooperation mit den Nachbargemeinden?

Matthias Schirmacher: Im Stadtgebiet gibt es einige Brachflächen, die für die Ansiedlung neuer Betriebe geeignet sind. Hier ist Flächenrecycling notwendig. Oft über Jahre ungenutzte Flächen können so wieder nutzbar gemacht werden. Diese Umorientierung auf die Innenentwicklung ist eine wichtige Voraussetzung für die nachhaltige Stadtentwicklung Schwarzenbeks. Dies bedeutet in erster Linie, den Neubau auf Reserve- und Brachflächen zu konzentrieren und gleichzeitig den vorhandenen Bestand umzubauen, zu sanieren und zu modernisieren, wo immer dies möglich, sinnvoll und bedarfsgerecht zu realisieren ist. Die Sicherung und Stärkung unserer bestehenden Gewerbegebiete gehört zu den besonderen Herausforderungen. Gerade jetzt, da sich die Standortanforderungen unserer Betrieben in relativ kurzen Zeiträumen stark verändern können und auch bereits haben. Natürlich ist eine Kooperation und enge Abstimmung mit den Nachbargemeinden, im Hinblick auf eine Neuansiedlung von Gewerbe, für eine möglichst nachhaltige und ressourcenschonende Entwicklung unerlässlich.

Norbert Lütjens: Keine Frage, langfristig brauchen wir die Kooperation mit den umliegenden Gemeinden. Doch zuallererst ist es wichtig, einen vertrauensvollen gemeinsamen Umgang mit diesen zu pflegen. Sie können sich sicher sein, dass ich gleich zu Beginn meiner Amtszeit bei den Bürgermeisterkollegen aus den Umlandgemeinden um Termine für einen Antrittsbesuch bitten werde. Wenn man Zukunft gemeinsam gestaltet, ist eine vertrauensvolle Partnerschaft auf Augenhöhe wichtig. Die muss über das Projekt Gewerbeflächen weit hinausgehen und von der müssen alle beteiligten Partner etwas haben. Ich nenne hier das Stichwort Schwarzenbek als Teamplayer: Erst auf dieser Basis kann man über Strategien, Zahlen und Fakten sprechen.

Welche Rolle spielt neben der Ansiedlung neuer Firmen die Pflege der bestehenden Unternehmen? Und ist dies überhaupt eine Aufgabe der Stadt?

Norbert Lütjens: Die sogenannte Bestandspflege ortsansässiger Gewerbebetriebe ist eine wirklich wichtige Aufgabe der Stadt. Die wird im Übrigen schon lange von den Gewerbetreibenden gefordert. In der Praxis heißt das zum Beispiel zentrale Ansprechpartner, kurze Entscheidungswege, aufbereitete Informationen, Netzwerken, Marketing für den Standort und vieles mehr. Es müssen neue Strukturen geschaffen und die Stelle der Wirtschaftsförderung unbedingt besetzt werden. Dafür trete ich mit aller Kraft ein.

Matthias Schirmacher: Die Corona- Zeit zeigt, wie wichtig die Investitionen in die digitale Zukunft sind, um unsere heimische Wirtschaft zu stärken und zu unterstützen. Hier müssen wir in engen Austausch mit unseren Betrieben vor Ort treten, um deren weitere Entwicklung zu stärken und deren Bedürfnisse zu erkennen. Die Bildung eines Wirtschaftsbeirates wäre hierfür sinnvoll. Sie wird von mir gefördert, um schnelle Entscheidungen und Investitionen treffen zu können. Die Aufgabe der Stadt ist es, den Firmen ideale Rahmenbedingungen und Unterstützung zu bieten, die für die weitere Entwicklung notwendig und geboten sind.