SH Netz AG

Schwarzenbeks Stromleitungen im Flug erkunden

SH Netz AG kontrolliert per Kamera am Hubschrauber die Stromleitungen

SH Netz AG kontrolliert per Kamera am Hubschrauber die Stromleitungen

Foto: Fabian Dahlem/SH Netz AG

Um die Hochspannungsleitungen und -masten zu überprüfen, setzt die SH Netz AG einen Hubschrauber ein. Und so funktioniert der Einsatz.

Schwarzenbek. Die Kontrolleure kommen künftig aus der Luft: Der Stromnetzbetreiber Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) plant, den Zustand seiner Stromleitungen zukünftig mit künstlicher Intelligenz (KI) zu überwachen. Die nötige Kameratechnik wird zunächst auf Hubschrauberflügen getestet. Perspektivisch sollen umweltfreundlichere und deutlich leisere Großdrohnen zum Einsatz kommen, wodurch auch Anwohner und Tiere weniger gestört werden. Die erste Testflugphase dauert aktuell bis zum 14. August.

Künftig autonome Drohnen statt Hubschrauber

„Der Einsatz einer Drohne und einer künstlichen Intelligenz zur Leitungskontrolle ist ein weiterer großer Schritt Richtung Digitalisierungsoffensive“, freut sich SH-Netz-Technik-Vorstand Dr. Joachim Kabs: „Diese Innovation hilft uns dabei, unsere Instandhaltungsmaßnahmen effektiver, bedarfsgerechter und effizienter zu gestalten. Und unsere Kunden freuen sich über eine erhöhte Versorgungssicherheit sowie einen Beitrag zum Tier- und Umweltschutz.“

Schäden durch Blitzeinschlag oder Vogelnester werden protokolliert

Jedes Jahr fliegen die Freileitungsexperten von SH Netz mehrere Hundert Kilometer ihrer Hochspannungsleitungen in Schleswig-Holstein mit dem Hubschrauber ab. Das Ziel: die Versorgungssicherheit gewährleisten. Dass dabei ein Hubschrauber zum Einsatz kommt, hat gleich mehrere Gründe: Die Techniker können von oben auf die Masten und Leitungen sehen und in kürzester Zeit weite Strecken sichten. Flurschäden in der Natur durch Kranaufbauten, mit denen die Techniker vom Boden aus an den Hochspannungsmasten nach oben gehievt werden, werden so vermieden. Neben dem Piloten sind zwei Leitungsexperten von SH Netz bei jedem Kontrollflug mit dabei.

Helikopter verharrt im Schwebeflug an den Masten

Während des Flugs begutachten und protokollieren die Mitarbeiter den Zustand der Masten sowie Seile, Isolatoren und Armaturen. Dazu steuert der Pilot seinen Hubschrauber bis auf wenige Meter an die Hochspannungsleitungen heran und verharrt für kurze Zeit im Schwebeflug neben ihnen. Das geschulte Auge der Techniker erfasst innerhalb kürzester Zeit, ob Unregelmäßigkeiten vorliegen – beispielsweise, ob sich Vogelnester in den Masten befinden oder ein Leitungsstück durch Blitzeinschläge beschädigt wurde. Genau diese Aufgaben soll in Zukunft modernste Kameratechnik gepaart mit künstlicher Intelligenz übernehmen.

Drohne soll per Künstlicher Intelligenz Schäden erkennen

Die Herausforderung liegt dabei besonders im Anlernen der Künstlichen Intelligenz: Was ist eine Abweichung von der Norm, was gegebenenfalls nur eine andere Bauart? Mehrere Hundert Variablen müssen demnach in das Erkennungssystem eingespeist und als Soll-Zustand definiert werden. Dies ist ein Prozess, in dem die KI durch manuelle Qualitätschecks kontinuierlich verbessert wird.

Aktuell ist der Gesetzesrahmen für Arbeitsflüge per Drohne allerdings noch unzureichend. Perspektivisch möchte SH Netz die neue Technik jedoch an Großdrohnen hängen, die automatisiert und GPS-gesteuert die Leitungen abfliegen. Bis der Gesetzesrahmen dies zulässt, kommt weiter der Hubschrauber zum Einsatz.

Hubschrauber müssen nach zwei bis drei Stunden betankt werden

Die Hubschrauber starten aktuell bei Rendsburg, fliegen von dort zu ihrem jeweiligen Arbeitsgebiet. In dieser Woche werden die Freileitungen im Bereich Sandesneben, Mölln, Schwarzenbek und Stockelsdorf geprüft. Je nach Flugwetter schaffen Pilot und die beiden SH-Netz-Mitarbeiter an Bord es, etwa 60 Kilometer Stromleitungen pro Tag zu kontrollieren. Das liegt auch daran, dass der Helikopter nach zwei bis drei Stunden in der Luft zurück nach Rendsburg zum Auftanken fliegen muss.