Schwarzenbek

TSV setzt beim Vorstand künftig auf Teamwork statt auf Chef

Peter Stimper ist zurück im Vorstandsteam des Sportvereins, Mareike Busch, seit elf Jahren Geschäftsführerin, geht in Mutterschutz und Elternzeit.

Peter Stimper ist zurück im Vorstandsteam des Sportvereins, Mareike Busch, seit elf Jahren Geschäftsführerin, geht in Mutterschutz und Elternzeit.

Foto: Marcus Jürgensen

Die Geschäftsführerin geht in Elternzeit, der Ex-Vorsitzende kommt zurück: Beim TSV Schwarzenbek ändert sich gerade viel.

Schwarzenbek. Der Bauch ist unübersehbar rund: Seit nunmehr zwei Wochen ist Mareike Busch, Geschäftsführerin des TSV Schwarzenbek, nicht mehr an ihrem Schreibtisch, sondern zu Hause. Die 40-Jährige und ihr Partner erwarten ihr erstes Kind. Die Geschäftsführung des Vereins übernimmt während Buschs Elternzeit Co-Geschäftsführer Florian Leibold. Zu seiner Unterstützung hat der Sportverein Christin Scherrer für die Geschäftsstelle befristet eingestellt: Die lizenzierte Reha-Trainerin hat Erfahrungen in der Mitgliederverwaltung, soll aber vor allem den Reha-Bereich des Vereins weiter ausbauen.

Während Busch für ein Jahr in Elternzeit geht, ist ein anderer wieder da: Rechtsanwalt Peter Stimper hatte vor einem Jahr auf der Delegiertenversammlung seinen Abschied erklärt, war damals mit sofortiger Wirkung vom Posten des ersten Vorsitzenden zurückgetreten. Er müsse aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten, hatte Stimper den Delegierten in einer emotionalen Rede verkündet. Seit Februar ist der 53-Jährige wieder „an Bord“. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutern Busch und Stimper, die den Verein von 2009 bis 2019 als Führungsduo geleitet haben, wie sich der TSV in den kommenden Jahren aufstellen will, was die Elternzeit für den Verein bedeutet und wie der „Rücktritt vom Rücktritt“ zustande kam.

Herr Stimper, der Verein hat mit der Installation von zwei Geschäftsführern das Hauptamt gestärkt. Jetzt geht eine davon in Elternzeit.

Stimper Zum einen wird das Elterngeld nicht vom Verein gezahlt, sondern vom Staat. Zum anderen lebt dieser wie auch andere Vereine von Familien: Ohne Familien, die in den verschiedenen Abteilungen aktiv sind, würde es so einen Verein nicht geben. Wir wären deshalb ja total bescheuert, wenn wir es einer Mitarbeiterin nicht ermöglichen würden, selber eine Familie zu gründen. Und außerdem ist es natürlich auch eine Form der Mitgliedergewinnung … (schmunzelt)

Wie steht der Verein nach der coronabedingten Pause da?

Busch Wir hatten in diesem Zeitraum deutlich geringere Austrittszahlen als in den Vorjahren. Unsere Mitglieder (derzeit etwa 2600; die Redaktion) haben uns also die Treue gehalten. Was fehlt, sind Neueintritte. Seit dem Neustart unserer Aktivitäten nehmen auch die wieder zu, wir müssen nun aber wieder offensiv neue Mitglieder gewinnen. Vieles läuft dabei über Mund-zu-Mund-Propaganda. Unser Kernziel ist aber vor allem, Mitglieder zu halten und ihnen ein attraktives Sportangebote vorzuhalten. Dazu zählt auch der Ausbau des Reha-Bereichs.

Was bedeutet der Mitgliederschwund für die Finanzen?

Stimper Wir haben natürlich finanzielle Sorgen – vor allem, weil wir nicht wissen, was noch auf uns zukommt.

Busch Neben den Mitgliedsbeiträgen fehlen uns auch die Einnahmen aus Sportkursen und Turnieren. Wir sind aber nicht in eine finanzielle Notlage geraten, und eine Beitragserhöhung ist auch nicht geplant. Spannend wird aber die Hallenbelegung im Herbst: Derzeit lassen wir viele Kurse draußen stattfinden. Im Herbst müssen die dann aber reinkommen, und nach den Sommerferien werden auch die Schulen wieder Hallensport anbieten wollen.

Herr Stimper, Sie sind vor einem Jahr als Vorsitzender zurückgetreten und jetzt wieder im Vorstand – ohne Wahl auf einer Delegiertenversammlung. Wie geht das?

Stimper Die Vereinsführung hat mich eingeladen, sie im Januar zur Verleihung der „Sterne des Sports“ nach Berlin zu begleiten. Für mich war der TSV schon etwas in den Hintergrund gerückt, aber das war eine schöne Erfahrung, und anschließend haben wir zusammengesessen und überlegt, wie wir wieder zusammenkommen können. Ich war dann im Februar bei der Sitzung des Vorstands dabei. Dort haben wir dann aber versäumt, Michaela Buck und mich zu Beisitzern zu wählen. Das haben wir dann auf der ersten Sitzung nach der Coronapause nachgeholt.

Wie stellt sich der Verein künftig auf?

Busch Mit einem Team-Vorstand. Diese Möglichkeit, einen Verein zu führen, verbreitet sich seit einigen Jahren immer mehr. Ich kenne allerdings bisher noch keinen Sportverein in Schleswig-Holstein, der das so umgesetzt hat, wie wir es planen. In Schwarzenbek wird allerdings das Frauenhaus und auch der Landfrauenverein von einem solchen Teamvorstand geführt.

Stimper Es gibt dann keine Stellvertreter oder Beisitzer mehr. Alle Vorstandsmitglieder können den Verein rechtsverbindlich nach Außen vertreten. Aber natürlich gibt es Ressorts, und der Vorstand wir auch weiterhin im Wechsel gewählt, damit immer nur die Amtszeit von einem Teil der Mitglieder endet.

Busch Es wird für alle Mitglieder klar sein, wer für welches Ressort gewählt wird.

Stimper Zudem sollen die beiden bisherigen Geschäftsführer „echte“ Geschäftsführer werden. Sie erhalten die Prokura.

Busch Damit können wir Geschäfte bis zu einer bestimmten Größe selber unterzeichnen. Bisher brauchten wir dafür immer den ehrenamtlichen Vorstand. Aber natürlich gilt weiterhin das Vier-Augen-Prinzip: Es unterzeichnen immer zwei Personen.

Dafür braucht es eine Satzungsänderung. Wie ist dazu die Stimmung unter den Mitgliedern?

Stimper Der Entwurf für die neue Satzung war vor dem Lockdown fast fertig. Die Grundgedanken sind mit dem erweiterten Vorstand abgesprochen.

Busch Auch in den Abteilungen trifft diese Idee auf Zustimmung. Dort sind sich die Mitglieder ja bewusst, dass die Bewerber für so einen Vorstandsposten nicht Schlange stehen. Und in der Handballabteilung haben wir schon quasi einen Teamvorstand: Dort fand sich kein Bewerber für den Abteilungsleiterposten, aber eine Gruppe von Mitgliedern war bereit, Verantwortung zu übernehmen. Weil die Satzung es noch nicht erlaubt, wurde pro forma ein Abteilungsleiter gewählt, aber sie arbeiten als Team.