Tierheim Schwarzenbek

Das Katzenelend in der Region wird immer schlimmer

Tierheimleiterin Maren Willers zeigt Stefan Weber das neu gestaltete Freigehege des Tierheims. Der Sozialdemokrat ist Experte für Tierschutz und Vorsitzender des Finanzausschusses im Landtag.

Tierheimleiterin Maren Willers zeigt Stefan Weber das neu gestaltete Freigehege des Tierheims. Der Sozialdemokrat ist Experte für Tierschutz und Vorsitzender des Finanzausschusses im Landtag.

Foto: Stefan Huhndorf

Es fehlen ganzjährige finanzierte Kastrationsprogramme, um das Katzenelend zu beenden. Freilebende Tiere vermehren sich übermäßig.

Schwarzenbek.  Viele Hundert wilde Straßenkatzen leben im Süden des Kreises Herzogtum Lauenburg. Die Zahl steigt sprunghaft, weil eine Katze dreimal im Jahr Junge werfen kann – dabei bekommt sie bis zu sechs Babys, die ab dem sechsten Lebensmonat selbst wieder geschlechtsreif sind.

„Die Tiere sind nicht an Menschen gewöhnt und lassen sich nicht an Haushalte vermitteln. In freier Wildbahn bekommen sie Infektionen, sind oft unterernährt und verenden qualvoll. Das Katzenelend nimmt eindeutig zu“, sagte Jasmin Scholz, seit Oktober 2019 Vorsitzende des Tierschutzvereins Schwarzenbek, jetzt bei einem Besuch der SPD-Landtagsabgeordneten Kathrin Bockey aus Geesthacht und Stefan Weber aus Sivershütten im Tierheim an der Feldstraße.

20 kranke Katzen von einem Bauernhof geholt

„Wir haben gerade von einem Bauernhof in der Region 20 kranke Katzen geholt, die wir auf umliegende Tierheime verteilt haben. Bauernhöfe sind Hotspots für das Katzenelend. Dort gibt es häufig Futter und Unterschlupf. Das zieht wildlebende Katzen aus der Umgebung an. Die Bauern können gar nichts dafür und die Katzen gehören ihnen auch nicht“, sagt Jasmin Scholz.

Da sich die wildlebende Katzen kaum domestizieren lassen, bleiben sie meist bis zu ihrem Tod im Tierheim. Das reduziert die Aufnahmekapazität. „Wir haben hier Platz für 60 Katzen. 57 Plätze sind belegt. Außerdem können wir acht Hunde aufnehmen. Momentan haben wir aber nur einen“, sagt Tierheimleiterin Maren Willers.

„Wir bräuchten ein umfassenderes Programm gegen das Katzenelend. Das Einzige, was hilft, ist die Kastration freilebender Katzen. Und das ganzjährig. Bislang gibt es nur ein Programm für die Monate März und Oktober. Und auch das ist so finanziert, dass es nur einen begrenzten Etat gibt. Wenn der aufgebraucht ist, geht es nicht weiter“, bemängelte die Tierschutzvereinsvorsitzende.

Kastrationsprogramme sind chronisch unterfinanziert

„Von diesem Problem haben wir auch in anderen Tierheimen gehört. Das nehmen wir mit nach Kiel“, sagten Kathrin Bockey und Stefan Weber übereinstimmend. Weber will sich im Finanzausschuss dafür einsetzen, dass mehr Geld für Programme gegen das Katzenelend zur Verfügung gestellt wird. „Solche Programme würden auch die Kosten für die Kommunen senken, weil wir dann weniger Fundtiere aufnehmen müssten“, warb Jasmin Scholz für die Ausweitung der Kastrationsprogramme.

Geld ist aber ohnehin ein Kernproblem im Tierschutz. „Im Gegensatz zu anderen Heimen im Kreisgebiet sind wir praktisch ausschließlich ehrenamtlich organisiert. Wir bekommen lediglich Zuschüsse von der Stadt für die Unterhaltung der Gebäude, die auf städtischem Grund stehen. Wenn also die Heizung kaputt ist, kann ich relativ entspannt den Installateur anrufen. Auch die medizinische Versorgung von Fundtieren aus der Stadt und dem Umland ist gesichert. Dazu kriegen wir einen Futterzuschuss. Die restlichen Kosten müssen wir über Spenden und Mitgliedsbeiträge vom Tierschutzverein decken“, erläuterte Jasmin Scholz.

Spenden in Corona-Zeiten erheblich zurückgegangen

Und gerade in Corona-Zeiten sind die Spenden dramatisch gesunken. „Wir haben Spendenkörbe für Futter und auch für Pfandbons in Geschäften in der Region. Die Boxen bleiben momentan leer. angesichts der leeren Regale zu Beginn der Pandemie glauben offenbar Menschen, Tierfutter könnte knapp werden und horten es“, berichtete Jasmin Scholz. Aber auch die Geldspenden haben wegen Kurzarbeit und einer allgemeinen Verunsicherung über die eigene Zukunft abgenommen.

Kontakt: Das Tierheim an der Feldstraße ist jeden Sonnabend von 11 bis 14 Uhr geöffnet. Telefonisch ist das Team unter 041 51/77 98 erreichbar.

62 Jahre Tierschutz in Schwarzenbek

Der Tierschutz ist in Schwarzenbek tief verwurzelt. 1958 wurde der Tierschutzverein gegründet, zehn Jahre später, im Jahr 1968 entstand das erste Tierheim an der Feldstraße, nur wenige Meter vom heutigen Standort entfernt. Damals bauten die ehrenamtlichen Helfer eine Blockhütte mit drei Boxen, um Fundtieren ein wettergeschütztes Asyl zu bieten. Heute hat der Tierschutzverein ein wesentlich großzügigeres Gebäude neben dem Klärwerk an der Feldstraße und auch eine eigene Quarantänestation für „Neuzugänge“. Etwa 25 ehrenamtliche Helfer kümmern sich sechs Tage pro Woche um die Tiere. Dazu kommen drei 450-Euro-Kräfte, die für Sauberkeit sorgen. Der Tierschutzverein Schwarzenbek hat etwa 260 Mitglieder. Das Tierheim finanziert sich über einen Zuschuss von Stadt und Umlandgemeinden sowie durch Spenden.