Schwarzenbek

Nach dem Abi geht’s nach Kanada, London und Rostock

Abitur in Corona-Zeiten am Gymnasium Schwarzenbek: Lennard Jacobs (23), Sophie Rauert (18) und Friederike Scheer (18) sind die Jahrgangsbesten. 

Abitur in Corona-Zeiten am Gymnasium Schwarzenbek: Lennard Jacobs (23), Sophie Rauert (18) und Friederike Scheer (18) sind die Jahrgangsbesten. 

Foto: Stefan Huhndorf

Sie haben das Abitur unter erschwerten Bedingungen in Corona-Zeiten gemacht und auch ihre Zeugnisse nur kontaktfrei entgegen genommen.

Schwarzenbek. Der Abschied war ungewöhnlich, kontaktarm und trotzdem festlich: 78 Abiturienten haben am Donnerstag in drei Etappen – streng getrennt voneinander – ihre Abschlusszeugnisse von Rektorin Birgit Roschlaub und ihren Fachlehrern im Empfang genommen. Die Schüler saßen in Dreiergruppen mit ihren Eltern oder Geschwistern auf Stühlen mit 1,5 Metern Abstand zu den Nachbarn. Eine freudige Begrüßung der Klassenkameraden, die viele seit langem nicht persönlich gesehen hatten, war nicht möglich. Auch die Zeugnisse gab es ohne den persönlichen Handschlag.

Drei Einser-Absolventen in Corona-Zeiten

Gleich in der ersten Gruppe mit dabei die drei Jahrgangsbesten. Die absolute Traumnote 1,0 erreichte diesmal niemand. Aber mit 1,1 legten Friederike Scheer (18) aus Büchen und die Schwarzenbekerin Sophie Rauert (18) die besten Leistungen hin. Dicht gefolgt von Lennard Jacobs (23) aus Müssen, der krankheitsbedingt einige Zeit in seiner Schullaufbahn aussetzen musste.

Für Rektorin Birgit Roschlaub war es die zweite ungewöhnliche Verabschiedung, nachdem sie bereits im Sommer 2016 eine Abiturfeier wegen des Doppeljahrgangs (Absolventen von G 8 und G 9) mit 187 Abiturienten in die Schulturnhalle verlegen musste. „Dass wir jemals Zugangskontrollen und Abstandsregeln haben würden, hätte ich nicht gedacht“, bekannte die Schulleiterin.

Psychische Achterbahnfahrt vor Abi-Prüfung

Für die Schüler war das Abitur nicht nur wegen des plötzlichen Shutdowns im März eine Achterbahnfahrt. Für viel Unruhe hatte auch Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) mit ihrem Vorstoß gesorgt, dass die Abiturienten ihr Reifezeugnis ohne Prüfung nur aufgrund ihrer Vornoten bekommen sollten. Allerdings musste die Christdemokratin schon nach einem Tag zurückrudern.

„Als ich das gehört habe, hatte ich mich zuerst gefreut. Dann habe ich mir aber doch Sorgen gemacht, ob so ein Abitur in einem anderen Bundesland anerkannt wird, weil ich bereits wusste, dass ich in Rostock studieren möchte“, erzählte Lennard Jacobs, der als Jahresbester im Fach Philosophie abgeschlossen hat. Nach sechs Wochen unterrichtsfreier Zeit hat er seine Abiturprüfung geschrieben, gelernt hat er alleine zu Hause in Müssen. Nach einer kurzen Erholpause will er jetzt Biowissenschaften und Psychologie in Rostock studieren.

Auszeit nach dem Lernstress

Eine Auszeit werden sich die beiden Jahrgangsbesten Friederike Scheer und Sophie Rauert gönnen. Beide gehen für jeweils ein Jahr als Au-Pair ins Ausland. Die Schwarzenbekerin hat sich Calgary in der westkanadischen Provinz Alberta als Ziel ausgesucht. Die Büchenerin wird ein Jahr in London verbringen. Bei beiden ist die Reise trotz der Corona-Auflagen gesichert. Allerdings wird sich Sophie Rauert in Kanada nach ihrer Ankunft für 14 Tage in Quarantäne begeben müssen.

Wie es danach weiter geht ist für die beiden jungen Frauen ebenfalls klar. Friederike Scheer, die trotz der Namensgleichheit nicht mit der Geesthachter SPD-Bundestagsabgeordneten Nina Scheer verwandt ist, wird in Hannover Tiermedizin studieren, wenn sie im Sommer 2021 aus Großbritannien zurück gekehrt ist.

Für Sophie Rauert steht fest, dass sie in Heidelberg studieren wird. Vermutlich Pharmazie, möglicherweise auch etwas anderes im medizinischen Bereich. Aber es soll unbedingt Heidelberg sein. „Ich liebe diese kleine Stadt“, sagt sie.