Aktion Sportabzeichen

Sprint auf Socken über Schwarzenbeks Tartanbahn

Zehn Teilnehmer, sieben Disziplinen: Beim ersten Sportabzeichentraining auf dem Sportplatz Schützenallee war ordentlich was los.Thomas Naß (53) kam beim Weitsprung auf 4,32 Meter.

Zehn Teilnehmer, sieben Disziplinen: Beim ersten Sportabzeichentraining auf dem Sportplatz Schützenallee war ordentlich was los.Thomas Naß (53) kam beim Weitsprung auf 4,32 Meter.

Foto: Marcus Jürgensen

Am Sonntag, 21. Juni, können sich Familien von 10 bis 12 Uhr an den Disziplinen des Sportabzeichens versuchen.

Schwarzenbek. Seine eigenen Sportschuhe waren durchgelaufen, und er fand keine passenden neuen. Deshalb ging Abebe Bikila barfuß an den Start. Trotzdem wurde der Äthiopier 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom Sieger im Marathonlauf. Ganz so weit war die Strecke nicht, die Darina Barth beim Start der Sportabzeichensaison Ende Mai auf dem Sportplatz an der Schützenallee zurücklegen musste. Nur der 100-Meter-Sprint fehlten der 22-Jährigen noch zum begehrten Abzeichen, alle anderen Disziplinen hatte sie bereits vor der Corona-Sperre absolviert. „Ich glaube, es geht so besser“, sagte die 22-Jährige und ging in Socken an den Start – mit Erfolg: Ihre Zeit von knapp 18 Sekunden reichte aus, um sich das Abzeichen in Bronze zu sichern.

Während die junge Frau danach zufrieden die Sportanlage verließ, legte Martin Sievers erst richtig los: „Das war nichts“, ärgerte sich der 67-Jährige nach seinem ersten Sprint über die 50-Meter-Strecke und ging zurück zum Startpunkt, wo er erneut von Abzeichen-Prüfer Harald Rospenk mit der Starterklappe auf die Strecke geschickt wurde. „Das war schon etwas besser, reicht für Silber“, zeigte sich Sievers versöhnlich über die 9,3 Sekunden.

Saison wegen Corona mit Verspätung

Eigentlich hatten sich die Sportler, jedes Jahr nehmen an Training und Prüfungen mehr als 50 Aktive teil, bereits am 29. April in die Saison starten wollen. Doch Covid-19 machte ihnen einen Strich durch die Rechnung: Erst gut einen Monat später, am 27. Mai, konnte sich die Gruppe erstmals wieder an der Schützenallee treffen. „Ich habe mich mit Waldläufen fit gehalten, mache dabei auch Intervalltraining. Aber das hier ist jetzt eine ganz andere Beanspruchung“, sagt Sievers, während er sich an der Weitsprunggrube aufstellt: Aus dem Stand springt er 1,93 Meter weit. Das reicht in seiner Altersklasse für Gold. Weiter springt an diesem Abend nur Thomas Naß: Sein weitester Satz landet bei 4,32 Meter – allerdings mit Anlauf. „Ich laufe viel und fahre Rennrad. Alle anderen Sportarten kenne ich noch aus dem Schulsport“, sagt der 53-Jährige, der erst vor drei Jahren das Sportabzeichen als Fitnesstest für sich entdeckt hat.

Was die zehn Teilnehmer am Saisonstart eint, ist ihre Lust am sportlichen Wettkampf mit sich selbst: Auch wenn die Teilnehmer am Ende noch gemeinsam auf die 3000-Meter-Strecke gehen, läuft jeder für sich: Je nach Alter und Geschlecht gelten in den Disziplinen unterschiedliche Anforderungen. „Der Ansporn ist natürlich immer, Gold in allen Disziplinen zu holen“, sagt Sievers mit einem Schmunzeln.

Schwimmen vor allem für Kinder eine Hürde

„Und es geht auch darum, alte Bekannte wiederzutreffen“, weiß Susan Böl, seit 2014 Sportabzeichen-Obfrau im TSV Schwarzenbek. Zehn Teilnehmer kamen zum Saisonstart, vier Prüfer waren im Einsatz, um die Ergebnisse in sieben Disziplinen zu messen: Neben Sprint und 3000-Meter-Lauf standen auch Schleuderball, Stand-/Weitsprung, Seilspringen, Kugelstoßen und Medizinballweitwurf auf dem Programm. „Es ist ein Fitness­check für jedermann und -frau“, sagt Böl.

Eigentlich auch für Kinder, doch die haben meist ein Problem: Schwimmen oder zumindest der Nachweis der Schwimmfertigkeit ist ein Prüfungskriterium. „Wenn aber die Hälfte der Schulklasse das nicht kann, macht es auch keinen Spaß“, so Böl. Neben Schwimmen gibt es die vier Disziplingruppen Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination, aus denen Teilnehmer jeweils eine frei wählen können.

Für Erwachsene im Angebot sind Ausdauerlaufstrecken über drei und zehn Kilometer, 7,5 Kilometer Walking oder 20 Kilometer Radfahren, Kugel- und Steinstoßen, Standweitsprung, Geräteturnen oder Medizinballweitwurf, Hoch- und Weitsprung, Schleuderball und Seilspringen sowie Sprints – jeweils mit altersgerechten Zeit- und Zielvorgaben. „Auch Sprinten kann man lernen. Schließlich gibt es ganz unterschiedliche Laufstile“, macht Böl Neueinsteigern Mut. Und auch bei technischen Disziplinen wie Kugelstoßen oder Weitsprung sei immer jemand da, der Tipps geben könne.

Zusätzliche Termine in Kalender aufgenommen

Die nächste Gelegenheit folgt am Sonntag, 21. Juni: Von 10 bis 12 Uhr laden Böl und ihre Prüfer zum Familiensonntag auf die Sportanlage ein. Weil die April-Termine ausfielen, sind zusätzlich der 1. und 15. Juli in den Sportabzeichen-Kalender aufgenommen worden (jeweils 17 bis 19 Uhr). Am Sonntag, 26. Juli, ist um 10 Uhr der Start zum Walken über zehn Kilometer (Schützenallee) und am 6. September ebenfalls um 10 Uhr Start zur Radfahrprüfung (Eingang LMT, Grabauer Straße). Am 12. August, 2. und 16. September sind weiter Trainings- und Prüftermine auf dem Sportplatz (jeweils 17 bis 19 Uhr). Der Familientag am 27. September (10 bis 12 Uhr) beschließt die diesjährige Sportabzeichen-Saison.