Eichenprozessionsspinner

Vorsicht vor den langen Haaren der kleine Raupe

Die langen Haare des Eichenprozessionsspinners sind das Problem. Sie können Allergien bis hin zu Asthmaanfällen auslösen. Die größte Gefahr besteht zwischen Mai und September, aber die Haare sind auch noch nach Jahren höchst allergen.

Die langen Haare des Eichenprozessionsspinners sind das Problem. Sie können Allergien bis hin zu Asthmaanfällen auslösen. Die größte Gefahr besteht zwischen Mai und September, aber die Haare sind auch noch nach Jahren höchst allergen.

Foto: BGZ

Allergiker müssen jetzt aufpassen: Die Schlupfzeit der Raupen des Eichenprozessionsspinners hat begonnen. Akute Gefahr bis September.

Schwarzenbek.  Mit roter Schrift auf leuchtend gelbem Grund wird vor ihnen gewarnt: „Vorsicht! Allergiegefahr durch Eichenprozessionsspinner.“ Solche Schilder stehen am Radweg Zubringer Nord und an der B 207 zwischen Elmenhorst und Schwarzenbek.

Raupen und Nester sollen nicht berührt werden. Denn die Tiere bilden im dritten Larvenstadium Ende Mai/Anfang Juni die typischen, toxischen Brennhaare aus, die bei Kontakt mit Haut oder Schleimhäuten beim Menschen diverse Krankheitsbilder auslösen können, darunter die Raupendermatitis – eine allergische Reaktion der Haut auf das in den Brennhaaren der Raupe enthaltene Nesselgift Thaumetopoein. Werden die Haare eingeatmet, können Asthmaanfälle die Folge sein.

Aktuell eine Hochzeit der Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner, aus dessen Raupe ein asch- bis braungrauer Falter mit einer Spannweite von bis zu 3,6 Zentimeter entsteht, kommt ursprünglich aus Süd- und Mitteleuropa. Erste Nachweise in Deutschland stammen aber bereits aus dem Jahr 1826. Massenvermehrungen wurden in den 1980er-Jahren in Südwestdeutschland registriert. Seit den extremen Sommern der Jahre 2003 und 2006 hat sich die Raupe weiter ausgebreitet. Am häufigsten betroffen sind Bereiche wie Kindergärten, Schulen oder Parks. Neben den klimatischen Bedingungen könnte dafür auch fehlende Fressfeinde die Ursache sein: Während viele Vogelarten und auch Fledermäuse die ausgewachsenen Falter verzehren, werden die Raupen nur vom seltenen Wiedehopf oder Kuckuck gefressen.

Weil sie zumeist in Gruppe von 20 bis 30 Tieren im „Gänsemarsch“ auf Nahrungssuche gehen, erhielten sie den Namen „Prozessionsspinner“. Mithilfe eines speziellen Spritzverfahrens können die Larven bereits vor Ausbildung der flugfähigen Gifthaare schonend unschädlich gemacht werden. Die vorbeugende Bekämpfung mittels Häutungshemmern und Produkten, die zu einem Fraßstopp führen, setzt vor dem dritten Häutungsstadium der Raupen an, also Ende April bis Mitte Mai.

Keine neuen Nester an den Kreisstraßen bekannt

Die vorbeugende Bekämpfung verhindert nicht nur die Gefährdung durch die Brennhaare, sondern sorgt zudem für einen deutlichen Populationsrückgang in den Folgejahren. Akute Gefahr herrscht insbesondere von Ende Mai bis September. Doch Vorsicht ist das gesamte Jahr über geboten. Denn die Brennhaare reichern sich nicht nur in der Umgebung ehemals befallener Eichen an. Alte Gespinstnester können auch noch nach Jahren ihre schädliche Wirkung entfalten und sich über Luftverwehungen verbreiten. Waldbesitzer fürchten die Raupe, weil sie sich von den Blättern der Eichen ernährt. Maßnahmen aus forstwirtschaftlichen Gründen sind jedoch nur in Ausnahmefällen erlaubt. In der Nähe von Siedlungen und Erholungseinrichtungen werden die Raupen aus gesundheitlich-hygienischen Gründen bekämpft, ansonsten warnen an betroffenen Fahrrad- und Fußwegen Schilder die Passanten. Laut Kreissprecher Tobias Frohnert gibt es bisher keine Rückmeldungen, dass an Kreisstraßen oder Kreisforsten neue Nester entstanden sind.

„An den Kreisstraßen wird in jedem Fall immer ein Schild aufgestellt sofern ein Nest bekannt wird. Ist dieses nicht auf freier Strecke, sondern etwa in unmittelbarer Ortsnähe oder verläuft ein Radweg entlang der Straße, wird zusätzlich abgesaugt“, so Frohnert. Aber auch nach dem Absaugen wird dennoch ein Warnschild aufgestellt: „Das liegt daran, dass die Spinner gelegentlich wiederkommen und auch nach dem Absaugen Härchen am Baum und auf dem Boden zurückbleiben können.“