Schwarzenbek

Der Streit unter Nachbarn nimmt wegen Corona zu

In den meisten Fällen für die Schiedsleute geht es um Banalitäten. Oft streiten sich Nachbarn über Hecken (Symbolfoto).

In den meisten Fällen für die Schiedsleute geht es um Banalitäten. Oft streiten sich Nachbarn über Hecken (Symbolfoto).

Foto: dpa Picture-Alliance / / picture alliance / Bildagentur-o

Schiedsmänner in Schwarzenbek haben wegen des Kontaktverbots deutlich mehr Arbeit. Oft geht es um Banalitäten, wie zu viel Lärm.

Schwarzenbek.  Das Kontaktverbot wegen der Corona-Krise stellt auch die beiden Schwarzenbeker Schiedsleute Jürgen Ambrosius und Thomas Lonsert auf eine harte Probe. „Wir bieten zurzeit keine Sprechstunden an, beraten nur telefonisch. Trotzdem hat das Aufkommen von Anfragen um rund 40 Prozent zugenommen. Allein in diesem Monat habe ich sieben Fälle gehabt. Sechs ließen sich so klären, in einem Fall kommt es zu einer Verhandlung. Der Termin ist am 2. Juni“, sagt Schiedsmann Jürgen Ambrosius.

Hinsichtlich der Fälle sind Ambrosius und Lonsert an das Verschwiegenheitsgebot gebunden. Allerdings versuchen sie, Verhandlungen, die mit einem bindenden Schiedsspruch enden, gerade in Corona-Zeiten möglichst zu vermeiden. Bei der Sache am 2. Juni – worum es geht, darf Ambrosius nicht sagen – war das nicht möglich. Normalerweise treffen sich die beiden mit den Kontrahenten im Rathaus. Diesmal wird im Amtsgericht im großen Saal verhandelt. „Dort ist man besser auf die Einhaltung der Hygieneregeln eingestellt, weil es trotz Corona-Krise in dringenden Fällen immer noch Prozesse mit mehreren Teilnehmern gibt. Im Rathaus werden nur einzelne Besucher nach Terminabsprache empfangen. Die Abstandsregelungen sind in unserem Raum dort auch schwer einzuhalten“, erläutert Ambrosius.

In den meisten Fällen geht es um Banalitäten

Meist geht es bei den Fällen, die er und sein Stellvertreter Lonsert meist zusammen bearbeiten um Banalitäten. Mal hängt ein Ast über die Grundstücksgrenze oder es wird zu oft auf einem Balkon gegrillt oder es gibt störenden Lärm oder herüberwehenden Zigarettenrauch.

„Jetzt kommt hinzu, dass die Menschen wegen Kurzarbeit, Homeoffice oder geschlossenen Kitas öfter zu Hause sind und mangels möglicher Freizeitaktivitäten dort auch mehr machen. Da stört es dann schon mal einen Grundeigentümer, wenn seine Nachbarn bis spät nachts ein Lagerfeuer in der Feuerstelle brennen lassen, der Qualm herüber weht und sich die Nachbarn vielleicht auch noch laut unterhalten“, sagt Ambrosius.

Angesichts des bevorstehenden Himmelfahrtstags, für den auch sommerliches Wetter mit Temperaturen um 22 Grad in Schwarzenbek vorhergesagt ist, dürfte es angesichts des weiter bestehenden Kontaktverbots wieder Anlass für einigen Nachbarschaftsstreit geben. Denn Treffen von Familien mit Personen aus einem anderen Haushalt sind möglich. Das könnte angesichts der Wiedersehensfreude zu lauten Gesprächen und qualmenden Grills führen.

Ein Rechtsanwalt darf noch nicht eingeschaltet sein

„Das oberste Gebot ist nicht nur an Himmelfahrt Rücksichtnahme. Das reicht meist aus, um einen Streit zu vermeiden. Wer Nachbarn Bescheid sagt, dass es lauter werden könnte, wird auch selten Probleme bekommen“, so Ambrosius.

Die Schiedsleute kommen allerdings nur zum Zug, wenn es sich bei der Auseinandersetzung nicht um eine strafrechtliche relevante Angelegenheit, wie beispielsweise eine Körperverletzung handelt. In so einem Fall ist das Sache der Polizei und des örtlichen Amtsgerichts. Auch darf nicht bereits ein Rechtsanwalt in den Streit eingeschaltet sein.

Um sich fit für den Job zu machen, hat Ambrosius in den vergangenen vier Jahren bereits acht Schulungen im Bereich Streitschlichtung absolviert.

Unter „normalen“ Umständen bieten die Schiedsleute Sprechzeiten an jedem ersten Dienstag im Monat im Rathaus an. Diese Termine im Sitzungsraum 415/416 können wegen der Schließung des Rathauses nicht stattfinden. Deshalb können Ratsuchende telefonisch Kontakt zu Jürgen Ambrosius unter der Nummer 0175/5678241 aufnehmen. In Ausnahmefällen sind persönliche Kontakte möglich.

Was machen Schiedsleute?

Schiedsleute sollen nachbarschaftlichen Streit außergerichtlich klären. Das geschieht durch Vermittlung zwischen den streitenden Parteien und bei einem Verfahren durch einen Schiedsspruch. Es geht nicht um eine rechtliche Klärung, sondern darum, ein Einvernehmen zwischen den Streitenden herzustellen. Der Schiedsmann und sein Stellvertreter werden für fünf Jahre gewählt, das Mindestalter beträgt 30 Jahre, weil Lebenserfahrung erforderlich ist.