Lösch-Oldtimer

Gülzows Feuerwehr-„Oma“ ist reif für den Ruhestand

Wehrführer Andreas Diersen mit dem LF 8: Als nagelneues Feuerwehrfahrzeug war der Mercedes im Jahr 1966 nach Gülzow gekommen und ist bis heute im Einsatz. 

Wehrführer Andreas Diersen mit dem LF 8: Als nagelneues Feuerwehrfahrzeug war der Mercedes im Jahr 1966 nach Gülzow gekommen und ist bis heute im Einsatz. 

Foto: Marcus Jürgensen

Das Löschfahrzeug ist seit 1966 in Gülzow im Einsatz. Zu einer Verschrottung soll es nicht kommen: Oldie-Fans gesucht.

Gülzow.  Seit dem Jahr 1966 verrichtet das Löschgruppenfahrzeug (LF 8 TS) seinen Dienst in der Gemeinde Gülzow. Der Feuerwehroldtimer wird von den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr liebevoll gepflegt. Im Jahr 2008, ein Jahr nachdem die Feuerwehr ihr neues Gerätehaus in der ehemaligen Scheune an der Hauptstraße 21 bezogen hatte, wurde die „Oma“ von versierten Aktiven zerlegt und umfassend renoviert.

Doch das mittlerweile 54 Jahre alte Fahrzeug, das noch ohne Kopfstützen, Servolenkung oder gar Airbags daherkommt, ist ein Oldtimer. „Weil wir um die finanzielle Lage der Gemeinde wissen, haben wir uns bei den Wünschen nach einem neuen Fahrzeug immer zurückgehalten“, sagt Wehrführer Andreas Diersen. Mit der Schließung der Grund- und Hauptschule vor zehn Jahren und dem nicht richtig ins Laufen gekommenen Einkaufsmarkt im Markttreff war der Haushalt des Dorfes ins Minus gerutscht.

Chance auf ein neues Fahrzeug vom Land

Jetzt sahen Diersen und seine 57 aktiven Kameraden jedoch die Chance, ein neues Löschfahrzeug zu erhalten, ohne den Etat der Gemeinde belasten zu müssen: Das Land gibt im Rahmen des Katastrophenschutzes Löschfahrzeuge kostenfrei an Wehren ab, die sich verpflichten müssen, im Einsatzfall auch außerhalb der eigenen Gemeinde mit Fahrzeug und Mannschaft zu helfen.

„Wir waren mit den Kameraden im vergangenen Jahr beim Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsgelände bei Lübtheen im Einsatz, und die Erfahrungen, die wir dort gemacht haben, haben uns bestärkt, uns um so ein Fahrzeug zu bewerben“, so Diersen.

Die „Oma“ ist nicht der einzige Feuerwehr-Oldie

Sechs Fahrzeuge, eines ist bereits in der Feuerwehrzentrale in Elmenhorst stationiert, können im Kreisgebiet vergeben werden. Für eine erfolgreiche Bewerbung ist jedoch ein Feuerwehrbedarfsplan die Bedingung: Anhand von Gemeindegröße, vorhandenen Gebäuden und Gewerbebetrieben sowie dem Ausrüstungsstand der Feuerwehr wird ein Punktekatalog erstellt.

„Die gute Nachricht ist: Bei uns steht die Ampel überall auf ,Grün’, nur nicht beim Alter der Fahrzeuge“, so Bürgermeister Wolfgang Schmahl (SPD). Neben der „Oma“ gehören noch ein 2007 gebraucht gekauftes Tanklöschfahrzeug (TLF) mit Baujahr 1989 und ein Löschgruppenfahrzeug (LF) aus dem Jahr 1992 zum Bestand.

Bedarfsplan wurde einstimmig beschlossen

Einstimmig beschlossen die Gemeindevertreter den Bedarfsplan, ohne den es auch bei anderen Neuanschaffungen für die Feuerwehr keine Landeszuschüsse geben würde, sowie die Bewerbung um das Katastrophenschutzfahrzeug. Sollte die Bewerbung scheitern, will sich die Gemeinde an einem Pilotprojekt des Landes Schleswig-Holstein beteiligen. In einer Art Sammelbestellung sollen einheitliche Fahrzeuge für die Wehren im Land günstiger bestellt werden.

Die „Oma“ soll es im Ruhestand jedoch nicht schlecht haben: Eine Verschrottung wird es nicht geben. Diersen hofft auf Oldtimer-Fans, die den Mercedes-Lkw übernehmen, pflegen und möglicherweise zu besonderen Festen wieder damit ins Dorf kommen.

Löschfahrzeug war sogar schon in Österreich

„Da hängen ganz viele Erinnerungen dran“, erinnert der Wehrführer unter anderem an das Jahr 1969, als sich Gülzower Feuerwehrleute für die Internationalen Feuerwehrwettkämpfe im österreichischen Krems qualifiziert hatten und mit ihrem fast nagelneuen LF 8 anreisten. Betreut wurden die Wettkämpfer dort von Feuerwehrleuten aus dem Ort Spitz, zu dem sich eine bis heute andauernde Kameradschaft entwickelt hat.

Der Mercedes-Benz L 710 ist ein zweiachsiger Kurzhauber-Lastkraftwagen, der ab 1961 in Mannheim gebaut wurde. Von 1961 bis 1963 hieß das Fahrzeug L 323, danach L 710. Es hat einen Leiterrahmen und zwei Starachsen. Die Vorderachse in einfach bereift, die Hinterachse hat eine Zwillingsbereifung. Der Sechszylinder-Dieselmotor hat 73,6 kW (100 PS), damit schafft der Lkw eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 90 Stundenkilometer.