Denkmal in Schwarzenbek

Ein Garten wie zu Zeiten des alten Richters

Das Amtsrichterhaus steht unter Denkmalschutz, sein Garten auch: Jetzt gibt es ein Konzept, den Park neu zu gestalten.

Das Amtsrichterhaus steht unter Denkmalschutz, sein Garten auch: Jetzt gibt es ein Konzept, den Park neu zu gestalten.

Foto: Marcus Jürgensen

Der Justizgarten in Schwarzenbek soll seinen alten Zustand wieder erhalten. Dazu werden alte Wege neu angelegt und Bäume gefällt.

Schwarzenbek. Noch liegt das Amtsrichterhaus still hinter Hecken und Bäumen – und das nicht nur, weil die Kultureinrichtung aufgrund der Einschränkungen durch das Coronavirus geschlossen ist. Doch in ein paar Jahren, so der Plan von Landschaftsarchitektin Gudrun Lang, könnte der das historische Gebäude umschließende sogenannte Justizgarten ganz anders aussehen: In ihrem Pflege- und Entwicklungsplan hat sich die Architektin an den historischen Vorgaben aus dem 18. Jahrhundert orientiert.

Die Überplanung des denkmalgeschützten Gartens (auch das Amtsrichterhaus steht unter Denkmalschutz) war eine Forderung des Landesamtes für Denkmalpflege, um dort einen „Park der Erinnerung“ zu errichten (wir berichteten). Mahnmale für Zwangsarbeiter und Vertriebene sollten den Schefestein ergänzen: Die Grabplatte des von den Nazis 1944 im KZ Neuengamme ermordeten Sozialdemokraten Ernst Schefe steht seit dem Jahr 2000 auf dem Areal, gleich neben dem Weg zum Eingang des Amtsrichterhauses. Doch das Gutachten der Landschaftsarchitektin schließt die Nutzung in der bisher geplanten Form aus: Der Schefestein weise weder Bezüge zur Örtlichkeit auf noch sei er gestalterisch integriert: „Eine Nutzung am falschen Ort“, so Langs Fazit. Allenfalls könne ein „Pfad der Erinnerung“ parallel zum Feldsteinwall, der den Garten zum Körnerplatz abschließt, angelegt werden – jedoch noch nur mit drei beschrifteten Bodenplatten.

Im Rathaus wird an einem Nachtragshaushalt gearbeitet

Damit war die ursprüngliche Idee des Erinnerungsparks mit Mahnmalen nicht mehr möglich: Der Sozial- und Kulturausschuss hatte in einer turbulenten Sitzung im Februar entschieden, dass das Mahnmal für die Zwangsarbeiter stattdessen auf der Grünfläche an der Ecke Compestraße/Jungfernstieg und der Feldstein, mit dem die Vertriebenen an Flucht und Vertreibung erinnern wollen, auf der Freifläche neben dem Fußgängertunnel errichtet werden soll. Noch unklar ist der neue Standort für den Schefestein, der im neuen „alten“ Gartendenkmal keinen Platz mehr hat.

Auch wenn die Bauausschussmitglieder vor sieben Monaten noch nichts von der Corona-Pandemie ahnten, passt ihr Zeithorizont eher zu den künftigen finanziellen Möglichkeiten der Stadt: Sie waren bei ihrem einstimmigen Beschluss im vergangenen November von einen Zeitraum von zehn Jahren ausgegangen. Aktuell wird im Rathaus am Nachtragshaushalt gearbeitet, der von massiven Einnahmeverlusten durch die Corona-Krise ausgeht. Für die Umgestaltung – eine geplante Begehung zur Kostenermittlung wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt – dürfte für viele Jahre kein Geld mehr da sein. Die Landschaftsarchitektin war in ihrem Entwurf noch von mehreren Maßnahmen ausgegangen, die schnell innerhalb der nächsten ein bis drei Jahre realisiert werden sollten, sowie weiteren Aktivitäten, die binnen fünf Jahren zu erledigen sind.

Neue Wege und mehr Platz für alte Baumriesen

Die Maßnahmen an sich werden aber im Rathaus als durchaus sinnvoll angesehen. Als erstes empfiehlt die Architektin, die Wege rund um das Amtsrichterhaus anzugehen: Viele der wassergebundenen Wege sind „ausgelatscht“, haben Lunken in denen sich bei Regen das Wasser sammelt. Sie sollen neu und in einheitlicher Breite angelegt werden – mit einem bogenförmigen Profil, damit das Wasser ablaufen kann. Wegfallen sollen die Wege im ehemaligen Obstgarten, der mit alten Obstsorten neu aufgeforstet werden soll. Zudem soll der Zugang von der Möllner Straße, der im vergangenen Jahr bereits freigeschnitten wurde, aufgewertet werden.

Die Gartenarchitektin will auch zahlreiche Bäume roden lassen, die in Konkurrenz zu „raumprägenden Baumsolitären“ stehen. Prägend für den Garten sind unter anderem die Hängebuche hinter dem Haus sowie eine mehr als 100 Jahre alte Eiche rechts davon. Um sie besser zur Geltung zu bringen, ihnen aber auch Platz für ihr weiteres Wachstum zu bieten, werden größere Bäume im Umfeld gefällt. Zusätzlich werden auch Sämlinge (kleinere Bäume) entfernt und die Rhododendren zurückgeschnitten. Geschlossen werden die Zugänge in Park von den Nachbargrundstücken. Bürger, deren Grundstücke an das Areal angrenzen, hatten zum Teil Pforten in ihre Zäune eingesetzt, um den Park betreten, aber auch den Fußweg in die Innenstadt abkürzen zu können.

Größte Baumaßnahme ist jedoch die Anlage eines Redders: Darunter versteht man eine durch Hecken oder Knicks begrenzten Weg. Einen solchen Weg, der zur mittlerweile abgerissenen Scheune des Hofareals führte, hat es früher schon gegeben. Er soll als Sandweg zwischen Obstgarten und Hängeweide entstehen, weitere Knickhecken sind als Sicht- und Lärmschutz entlang der Bundesstraße geplant. Die Wiese mit der Sonnenuhr soll zum Wildblumengarten umgestaltet werden. Zudem sind neue Bänke, Leuchten, Mülleimer sowie ein Wegeleitsystem geplant.

Selbstversorgung war für die Amtmänner selbstverständlich

1765 war das Haus als Wohnung für den neuen Amtsschreiber der Kurfürstlich-Hannoverschen Verwaltung erbaut worden. Zum Gehöft gehörten auch 60 Morgen (15 Hektar oder 150.000 Quadratmeter) sogenanntes Dienstland, von denen sich der Beamte selber versorgen oder es verpachten konnte sowie Scheune, Wagenremise und ein Pferdestall mit Kammer für den Knecht. 1870 musste der Amtsschreiber ausziehen und der Amtsrichter zog ein: Bis 1968 diente das Haus fortan den Amtsrichtern als Domizil. Aus dem Dienstland wurde ein parkähnlicher Garten mit einer Fläche von nur noch eineinhalb Morgen (3750 Quadratmeter).

Seit 1982 steht das Areal unter Denkmalschutz. 1984 hatte die Stadt nach langen Diskussionen das Haus am Körnerplatz 10 vom Land erworben und für 1,1 Millionen D-Mark (entspricht im Wert heute etwa 900.000 Euro) zur Kultureinrichtung umbauen lassen. Rund die Hälfte der Kosten trug die Stadt selbst, der Rest kam als Zuschuss von Kreis, dem Hamburg-Randfonds (Vorläufer der Metropolregion) sowie dem Zonenrand-Kulturfonds. Seit 2014 ist die Louisenhof gGmbH Betreiber der Kultureinrichtung und des Cafés.