Messe-Absage

Weinfest und Messe in Schwarzenbek abgesagt

Eine Kamera für das Abwasserrohr: Tim Winkelmann von der Kanalreinigungsfirma Meyer bei der letzten WVS-Messe im Jahr 2018 mit einer "Kummert Profi4 HD"-Schiebekamera, die über LTE-Verbindung und GPS ihren Standort mitteilt und hochauflösende Fotos aus der Kanalisation senden kann.

Eine Kamera für das Abwasserrohr: Tim Winkelmann von der Kanalreinigungsfirma Meyer bei der letzten WVS-Messe im Jahr 2018 mit einer "Kummert Profi4 HD"-Schiebekamera, die über LTE-Verbindung und GPS ihren Standort mitteilt und hochauflösende Fotos aus der Kanalisation senden kann.

Foto: Marcus Jürgensen

Die Wirtschaftliche Vereinigung Schwarzenbek sagt wegen der Corona-Krise die Gewerbeschau und das Weinfest für 2020 ab.

Schwarzenbek.  Das gesellschaftliche Leben in der Europastadt steht wegen der Corona-Krise still. Jetzt setzt die Wirtschaftliche Vereinigung Schwarzenbek (WVS) noch zwei schlechte Nachrichten drauf: Sowohl das für Juni geplante Weinfest auf dem alten Markt als auch die erst für Oktober vorgesehene Verbrauchermesse unter dem Motto „Smart, digital, nachhaltig“ an der Buschkoppel sind abgesagt. Das hat die WVS-Vorsitzende Doris Lehmann jetzt mitgeteilt.

Hohe Kosten für die Aussteller

„Wir haben uns mit der Entscheidung sehr schwer getan, ganz besonders im Zusammenhang mit der Gewerbeschau. Aber wir hätten als WVS jetzt große Investitionen in die Messe tätigen müssen, die unseren Etat sehr belastet hätten, sagt die WVS-Vorsitzende. Auch die Aussteller hätten jetzt für ihre Stände und die Ausstattung bis zu 5000 Euro ausgeben müssen. „Das Geld wäre bei einer späteren Absage verloren gewesen. Deshalb war jetzt der letzte Punkt, um die Reißleine zu ziehen“

„Wir haben alle keine Glaskugel und können nur hoffen, dass der wirtschaftliche Stillstand aus den letzten Wochen dieses Jahr nicht noch einmal notwendig wird“, sagt WVS-Vorsitzende. „Laufen lassen, gucken, was passiert und kurz vor der Messe erst absagen“, sei daher keine Option gewesen.

Traditionsveranstaltungen müssen ausfallen

Beides – Messe und Weinfest – sind Traditionsveranstaltungen, die aus dem Terminkalender der Stadt kaum wegzudenken sind. 1979 fand die Messe der WVS zum ersten Mal statt, danach (fast) regelmäßig alle zwei Jahre. Dieses Jahr wäre es die 21. Messe gewesen. Das Weinfest auf dem alten Markt wäre im Juni sogar bereits in die 30. Auflage gegangen. Ein After-Work-Opening am Donnerstagabend ist ein sehr erfolgreiches Novum, das die ehemalige WVS-Beisitzerin Maren Brinkmeier 2018 eingeführt hatte. Auf dieses Event müssen die Schwarzenbeker diesen Sommer definitiv verzichten und sich bis zum Juni 2021 gedulden.

Die Vorbereitungen für des Weinfest liefen bereits auf Hochtouren. Auch für die Gewerbeschau in den Sporthallen Buschkoppel I und II, dem Foyer und der Aula des Gymnasiums und auf dem umliegenden Freigelände hatten die Planungen bereits im Februar begonnen. Rund 150 Betriebe, Selbstständige und Vereine auf 45.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre Angebote präsentieren. 90 verbindliche Anmeldungen lagen bis jetzt bereits vor, für die restlichen Stände gab es Anfragen und Reservierungen. „Die Ausstellungsfläche wäre definitiv voll geworden. Wir haben uns am Montag zur Absage entschieden und sofort alle Aussteller informiert“, so Doris Lehmann.

Gewerbeschau erstmals mit einem Motto

Erstmals war für dieses Jahr ein Motto vorgesehen, das die Messe ganz in den Fokus der Digitalisieren gerückt hätte – ein Thema, das aktueller nicht sein könnte. Telefon- und Videokonferenzen bestimmen den Alltag der Menschen in der Corona-Krise. „In Planung waren bereits eine ganz Reihe an tollen Erweiterungen und Neuheiten. Aber die Sicherheit der Menschen – egal, ob Besucher oder Aussteller – geht immer vor. Und Abstandsregeln sind auf so einer großen Veranstaltung mit über 10.000 Besuchern an einem Wochenende einfach nicht einzuhalten“, so Lehmann.

Azubi-Messe für Gymnasiumund Gemeinschaftsschule

Die Pläne für die Leistungsschau, die auch nicht mehr Messe sondern Gewerbeschau heißen sollte, waren groß. Auf der Messe sollte es neben den aktuellen Angeboten der Aussteller auch eine Job-Börse unter dem Motto „Azubi-Guide“ geben. Mit diesem Format hat die WVS bereits bei ersten Testläufen gute Erfahrungen gemacht. Unabhängig von der Gewerbeschau soll dieses Konzept dauerhaft fortgesetzt werden. „Wir hatten erstmals vor einigen Monaten ein Speeddating mit der Gemeinschaftsschule, bei dem Schüler und Betriebe ins Gespräch kamen. Das wollen wir ausbauen und auch auf das Gymnasium ausweiten. Künftig soll es einmal im Jahr eine Azubi-Messe für beide Schulen geben“, so Doris Lehmann.

Denn viele örtliche Firmen suchen Auszubildende und Personal, vielen Schülern fehlen Ideen, wo sie sich bewerben können. Außerdem geplant ist eine Stellenbörse mit Jobangeboten und Ausbildungsplätzen von Mitgliedsfirmen. Dafür wollte die WVS auch auf der Messe werben und den Firmen ein Forum für die Nachwuchswerbung bieten.

Wie es jetzt mit der Gewerbeschau in naher Zukunft weitergehen könnte, ist offen. Der nächste offizielle Termin ist erst wieder im Oktober 2022. „Eine Verlegung der ausgefallenen Gewerbeschau auf das Jahr 2021 ist keine Option. Im kommenden Jahr gibt es mehrere Verbrauchermessen in der Region. Da ergibt es keinen Sinn, auch noch die WVS-Messe auszurichten. Wir haben zwei Ideen für alternative Veranstaltungen in diesem Herbst, die keine Messe wären und bei denen wir die Abstandsregelungen einhalten können. Aber das sind nur erste – wenn auch vielversprechende – Überlegungen und es wäre zu früh, darüber öffentlich zu reden“, macht die WVS-Vorsitzende es spannend.

Verkaufsoffene Sonntage bleiben eine Option

Spannend bleibt aber auch die Frage, ob es in diesem Jahr noch verkaufsoffene Sonntage in Schwarzenbek geben wird. „Diese Option halten wir uns offen. Der Vorlauf für solche Veranstaltungen liegt bei zwei Wochen, wenn wir Gas geben. Das ließe sich auch kurzfristig realisieren, wenn es die Corona-Lage zulässt“, so Doris Lehmann.