Coronakrise

Reisewillige müssen jetzt einen langen Atem haben

Reisebüro Neumann setzt in Corona-Zeiten auf Familienbetrieb und Kurzarbeit.

Reisebüro Neumann setzt in Corona-Zeiten auf Familienbetrieb und Kurzarbeit.

Foto: BGZ

Corona ist ein Stresstest für Reiseveranstalter, Reisebüros und Kunden. Es ist unklar, wann und ob Reisen angetreten werden können.

Schwarzenbek.  Erst kam die Pleite von Reiseveranstalter Thomas Cook, jetzt ist das Coronavirus Thema: Die Reisebranche liegt am Boden, die Kunden bangen um ihr Geld und die dringend benötigte Erholung. „Wir haben zahlreiche Kunden, die im Mai nach Spanien oder in andere Destinationen mit Sonnengarantie verreisen wollen. Wir raten zur Geduld, bis das Auswärtige Amt am 20. April entschieden hat, wie es mit Auslandsreisen weitergeht“, sagt Rudolf Neumann, Inhaber des gleichnamigen Reisebüros an der Lauenburger Straße in Schwarzenbek.

Reisebüros raten vor Stornierungen ab

„Wir raten Kunden angesichts der aktuellen Situation davon ab, eine Reise zu stornieren. Das kostet hohe Gebühren. Wenn dann im Nachhinein ein Veranstalter die Reise absagt und die Stornogebühren bereits abgebucht sind, dürfte das ein längerer Rechtsstreit werden“, ergänzt Anja Jost, Inhaberin des TUI-Reisecenters an der Seestern-Pauly-Straße.

Auf Geld können Kunden derzeit nicht hoffen. „Nur ganz wenige Anbieter – vor allem im Kreuzfahrtbereich – erstatten die Reisekosten“, so Neumann. „Es gibt praktisch nur die Möglichkeit einer Umbuchung. Bei Kreuzfahrten geht das teilweise bis 2022, bei Pauschalreisen bis 2021.“, so Anja Jost. „Wir haben schon einige Reisen, die jetzt hätten angetreten werden sollen, auf den Oktober umgebucht. Bis dahin müsste eigentlich wieder alles laufen“, so Rudolf Neumann.

Krise wird sich das ganze Jahr auswirken

In diesem Punkt ist sich Anja Jost nicht so sicher. „Die Krise wird uns das ganze Jahr beschäftigten. Sommerurlaub dürfte nur innerhalb Deutschlands und den unmittelbar angrenzenden Ländern möglich sein. Wann weitere Reisen wieder möglich sind, steht in den Sternen“, sagt sie.

Das sehen offenbar auch die Kunden so. Anfragen nach Reisen in den Sommerferien gibt es in beiden Reisebüros praktisch kaum. Aber auch Kunden, die eine Reise umgebucht haben, müssen bangen. Denn die Branche steckt nicht nur wegen Corona in einer schweren Krise. Auch die Pleite des Anbieters Thomas Cook wirkt nach. „Viele Kunden haben durch die Pleite viel Geld verloren. Wir haben einen Kunden, der eine Kreuzfahrt nach Mauritius für 6000 Euro gebucht hatte und nur 800 Euro als Entschädigung bekam. Das Vertrauen ist erschüttert. Die Kunden sind sehr zurückhaltend geworden“, sagt Rudolf Neumann.

Es drohen weitere Pleiten in der Branche

Allerdings gibt es auch in Zukunft eine Menge an Unwägbarkeiten. Denn es ist keineswegs sicher, dass alle Reiseveranstalter die Krise wirtschaftlich überleben. Deshalb warnt auch die Verbraucherzentrale vor den Risiken von Gutscheinen und Umbuchungen, die relativ schnell nicht mehr das Papier wert sein könnten, aus denen sie gedruckt sind. Einigermaßen sicher dürften Kunden des Branchenriesen TUI sein. Das Unternehmen hat Reisen bis 30. April abgesagt und bietet für Reisen, die im Mai gebucht sind, kostenlose Umbuchungen an. Um das Unternehmen zu retten bürgt der Bund für Kredite in Höhe von 1,8 Milliarden Euro.

Auch bei den beiden Schwarzenbeker Reisebüros läuft der Betrieb auf Sparflamme. In beiden Unternehmen ist für die Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt.