Ein Herz für Betriebe vor Ort

Mit kreativen Ideen trotzen Unternehmen der Krise

Leere Plätze im Kinosaal: Frank Grimm hat sein Kino an der Hamburger Straße geschlossen.

Leere Plätze im Kinosaal: Frank Grimm hat sein Kino an der Hamburger Straße geschlossen.

Foto: Jan Schubert

Weil in Zeiten der Corona-Pandemie vor allem kleine Betriebe vor Ort Hilfe brauchen, haben HLMS und WFL eine Online-Plattform gestartet.

Schwarzenbek/Mölln.  Die drei Säle im Kino Grimm sind verweist – bis zum Ende der Coronakrise laufen dort keine Filme mehr. Für Kinoinhaber Frank Grimm brechen damit auch die Einnahmen weg. Jedoch nicht alle: Die Einnahmen durch die Werbefilme, die vor dem Hauptfilmen laufen, könnte es weiterhin geben, wenn die Schwarzenbeker mithelfen: Auf der Internetseite www.hilfdeinemkino.de kann man das Kino auf einer deutschlandweiten Landkarte auswählen und dann ein paar kurze Werbeclips online ansehen. „Für jeden gesehen Clip bekommen wird den gleichen Betrag, als würden Sie diese Clips auf unserer Leinwand sehen. Das wird auch sehr gut angenommen“, so Grimm. Auch Kinogutscheine würden derzeit per E-Mail

Unterstützung für die Betriebe vor Ort

Die Idee zur Aktion hatte Kinovermarkter Weischer aus Hamburg, der seit 60 Jahren sein Geld mit der Kinowerbung verdient. Mit der Aktion soll den Kinos vor Ort das Überleben erleichtert werden. In die gleiche Richtung zielt auch eine Aktion der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFL) und der Tourismusgesellschaft (HLMS) des Kreises, die unter dem Stichwort „Ein Herz für unsere Betriebe“ eine Online-Plattform für die Angebote regionaler Betriebe geschaffen haben (www.herzogtum-lauenburg.de/ein-herz-fuer-unsere-betriebe).

„Keiner will Innenstädte mit leeren Geschäften“

„Der Anstoß zu dieser Aktion kam von Carina Jahnke von der HLMS, da in dem touristischen Bereich die vordringlichsten Probleme auftreten. HLMS-Chef Günter Schmidt und ich haben dann schnell den Konsens gefunden, dass es doch sehr sinnvoll wäre, diese Aktion auch über den Tourismus hinaus zu öffnen für Einzelhandel, Dienstleistung und auch die kulturellen Angebote“, erklärt WFL-Geschäftsführer Ulf Hahn. „Keiner von uns will doch nach dem Ende der Pandemie durch Innenstädte mit leeren Geschäften laufen, weil der Einzelhandel die Krise nicht überlebt hat“, appelliert Schmidt an die Bürger im Lauenburgischen, in diesen Zeit lokal zu denken und einzukaufen.

Kreative Beispiele, wie Schuh- und Buchhändler, Blumenshops, Restaurants und Textilgeschäfte trotz Schließung weiter per Abholservice, Lieferung oder Gutscheinverkauf für ihre Kunden da sind, werden auf der gemeinsamen Internetseite aufgelistet. Dienstleiter und Gewerbetreibende mit weiteren kreativen Ideen – die Hygienestandards müssen eingehalten werden, es muss kontaktlos per Internet oder Telefon bestellt werden und darf keine Warteschlangen geben – können sich per E-Mail an

Keine Soforthilfen für kommunale Unternehmen

Unter dem Motto „Mölln hält zusammen“ hat Kurdirektor Jochen Buchholz im Internet (www.moelln-tourismus.de) ebenfalls Sonderaktionen der örtlichen Geschäfte aufgelistet. Dort und in Geesthacht gibt es auch einen „Stadtgutschein“, den Bürger erwerben und später in den teilnehmenden Geschäften einlösen können. Angesichts der Pandemie, so Buchholz, sei es auch für die Kurgesellschaft ungewiss, ob sie ihren Eigenanteil am Jahresetat erwirtschaften könne. Als kommunaler Eigenbetrieb kann sie allerdings keine staatlichen Soforthilfen beantragen. Ein mögliches Defizit müsste dann durch die Stadt ausgeglichen werden.

Auch HLMS und WFL können keine Soforthilfen beantragen, haben dies auch nicht vor: „Dank reduzierter Ausgaben ist unser Etat gesichert“, sagt Schmidt. Auch die WFL trägt sich seit 25 Jahren über ihre Grundstücksgeschäfte selbst: „Wir halten recht lange so durch und machen auch weiterhin Geschäfte“, so Hahn. Zudem steigt die WFL jetzt in Abstimmung mit der Investitionsbank Schleswig-Holstein in die Vermittlung von Zuschüssen für notleidende Betriebe ein.

Infos für Betriebe statt für Gäste

Vor allem für die touristischen Anbieter im Lauenburgischen sei die Lage extrem schwierig, so Schmidt: „Unsere Aufgabe als HLMS hat sich komplett gewandelt – statt Gäste über die Angebote im Herzogtum zu informieren, steht nun die Information der Betriebe über mögliche Hilfen im Vordergrund.“ Das läuft komplett online, denn sowohl die Mitarbeiter bei der HLMS als auch bei der WFL sind ins Homeoffice gewechselt. „Da ist viel Verständnis für die Maßnahmen, aber auch viel Angst und langsam entsteht auch Trotz und Kreativität“, so Schmidt nach den Gesprächen mit den Betroffenen.

Nach der Krise ist der Tagestourismus gefragt

Der Experte kann den Tourismusbetrieben im Kreis allerdings auch Hoffnung machen: „Der Tagestourismus wird nach der Krise, so die einhellige Prognose, als erstes wieder anspringen.“ Und da seien die Betriebe im Herzogtum gut aufgestellt. Habe man bisher im Kreisgebiet den Fokus auf die auslastungsschwächeren Monate außerhalb der Ferienzeiten gesetzt, müsse man jetzt den Fokus vielleicht sogar auf die Hauptsaison legen, so eine Überlegung der Touristiker: „Wir haben ja viele Angebote, müssen sie nicht neu erfinden“, so Schmidt.