Corona-Krise

In Schwarzenbek schließt die letzte Tafel der Region

Martin Lenz beim letzten Ausgabetermin der Schwarzenbeker Tafel 

Martin Lenz beim letzten Ausgabetermin der Schwarzenbeker Tafel 

Foto: Stefan Huhndorf

Es kommt kaum noch frische Ware nach, die ehrenamtlichen Helfer haben Angst vor einer Infektion oder müssen auf ihre Kinder aufpassen.

Schwarzenbek.  Frisches Gemüse, ein bisschen Joghurt und jede Menge Frischmilch sowie Schnittblumen. Am vergangenen Freitag haben Tafelchefin Claudia Wenck und ihr Stellvertreter Martin Lenz gemeinsam mit einem guten Dutzend ehrenamtlicher Helfer ein letztes Mal bis mindestens Anfang Mai die Lebensmittelausgabe am ehemaligen Güterbahnhof in Schwarzenbek geöffnet. „Jetzt ist „Schicht im Schacht“, wie Claudia Wenck wehmütig sagte.

Entscheidung ist Helfern schwer gefallen

„Die Entscheidung ist uns schwer gefallen. Aber wir bekommen kaum noch Lebensmittelspenden. Die Supermärkte sind leer gekauft. Selbst Produkte mit geringer Resthaltbarkeit gehen weg. Solche Artikel haben sonst wir bekommen“, erläutert die Tafelchefin. Außerdem sei die Infektionsgefahr für die 20 ehrenamtlichen Helfer einfach zu groß. Viele seien entweder wegen ihres Alters in der Risikogruppe, andere müssten zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu betreuen.

Die Schwarzenbeker waren die letzte Tafel in der Region, die noch ihre Ausgabe geöffnet hatte. In Lauenburg ist die Lebensmittelausgabe bereits vor einer Woche geschlossen worden. „Wir haben in der vergangenen Woche noch einige größere Lebensmittelspenden aus der Gastronomie bekommen, weil große Feiern kurzfristig abgesagt und Gaststätten geschlossen wurden. Damit ist nun auch Schluss“, sagte Martin Lenz, stellvertretender Leiter der Tafel.

Die Reste gehen an Obdachlosenhilfe

Am Freitag konnten die Kunden so viel wie möglich von den Resten mitnehmen. Was dann noch übrig blieb, ging an den Verein „Zwischenstopp Straße“ von der Brunstorferin Sylvia Senger. Ihre Initiative unterstützt Obdachlose in Hamburg und Umgebung mit Kleidung und Lebensmitteln.

Auch wenn die Ausgabe jetzt schließt, ist die Not nach wie vor groß. 50 bis 80 Menschen kommen jeweils zu den bislang drei Ausgabeterminen pro Woche. Vor allem die Zahl älterer Menschen wächst, die von Armut betroffen sind. Deshalb appelliert Claudia Wenck an die Schwarzenbeker, sowohl ältere Menschen als auch Bedürftige per Nachbarschaftshilfe zu unterstützen.

Tafel rät zur Nachbarschaftshilfe

„Wir haben zwar die Adressen von Bedürftigen, können diese aber aus Datenschutzgründen nicht weitergeben. Den Betroffenen wäre das auch nicht recht. Die Scham bei Menschen, denen es nicht so gut geht, ist groß“, weiß Claudia Wenck aus Erfahrung.

„Nachbarschaftshilfe ist jetzt besonders wichtig. Jeder der kann, sollte seinem Nachbarn Hilfe beispielsweise beim Einkaufen anbieten, soziale Kontakte aber so gering wie möglich halten“, sagte der DRK-Vorsitzende Mark Lehmann. Ein Flugblatt für Hilfsangebote, die in Schwarzenbek Patrick Göring initiiert hat, gibt es auf den Internetseiten der Stadt unter www. schwarzenbek,de oder der Wirtschaftlichen Vereinigung unter www.wvs-schwarzenbek.de. Hilfsangebote können aber auch vom DRK koordiniert werden im Internet unter anlaufstelle@ drk-betreuungsdienste.de.

Spenden für Zeit nach Corona benötigt

Um die rund 100 Bedürftigen in Schwarzenbek auch nach der Corona-Krise versorgen zu können, ist das DRK dringend auf Geld- und Lebensmittelspenden angewiesen. „Wir brauchen vor allem haltbare Lebensmittel wie Reis, Nudeln, Konserven aber auch Hygieneartikel und Toilettenpapier“, sagt Claudia Wenck. Größere Mengen an Lebensmitteln können durch die Ehrenamtler abgeholt werden. Kleinere Spenden können nach Rücksprache mit Claudia Wenck unter 01575/ 036 86 43 am Güterbahnhof 1 in Schwarzenbek abgegeben werden.

Wenck und ihre Helfer gehen davon aus, dass viele der jetzt gehamsterten Dosen oder Toilettenpapier aus Schwarzenbeker Haushalten nach der Krise als Spenden bei der Tafel landen werden. Denn sinnvoll seien derartige Hamsterkäufe nicht.