Abenteuer Afrika

Aussteiger finanzieren Schulküche und Imkerausbildung

Robert (M.) aus Ghana finanzierten die Filmemacher eine Ausbildung als Imker. In „Reiss Aus“ ist er als Trommler zu sehen. Jetzt gibt Robert sein Wissen über den Schutz der Bienen an Bauern weiter.

Robert (M.) aus Ghana finanzierten die Filmemacher eine Ausbildung als Imker. In „Reiss Aus“ ist er als Trommler zu sehen. Jetzt gibt Robert sein Wissen über den Schutz der Bienen an Bauern weiter.

Foto: Monika Retzlaff

Zwei Jahre waren Ulrich Stirnat und Lena Wendt in Westafrika unterwegs. Mit den Erlösen aus einem Filmprojekt finanzieren sie Hilfsaktionen.

Schwarzenbek.  „Wir möchten Afrika etwas zurückgeben und einen Kinofilm von unserer Reise machen“, hatte Lena Wendt versprochen, nachdem sie und der Schwarzenbeker Ullrich Stirnat im August 2016 von ihrer abenteuerlichen zweijährigen Reise durch 14 Länder Westafrikas zurückgekehrt waren. Damals ahnten sie nicht, dass viel mehr daraus werden würde – und dass ihre „Reise“ bis heute nicht zu
Ende ist.

46.000 Kilometer in zwei Jahren

46. 000 Kilometer hatten sie mit ihrem damals 15 Jahre alten Landrover zurückgelegt, nachdem sie Ende 2014 aufgebrochen waren. Nach der Rückkehr in die Heimat machte das Duo zusammen mit Freunden aus ihrem umfassenden Videotagebuch einen Kinofilm. Finanziert wurden sie von Unterstützern, die sie unter anderem durch eine Crowdfunding-Aktion gewannen.

Schnitt, Technik, Musik, Grafik, Farbkorrekturen, Tonmischung, Finanzierung, Werbung – alles erledigten Wendt und Stirnat in Eigenregie, ohne einen Cent Förderung. 50.000 Euro hat es gekostet, den Film, in die Kinos zu bringen. Hinzu kamen weitere Kosten für die Vorstellungstour in den Lichtspielhäusern, die Versandlogistik an die Kinos sowie Werbung, weil sie auch den Verleih selbst übernahmen.

„Reiss Aus“ war auf15 Filmfestivals vertreten

Mitte März 2019 war dann der Kinostart. Er sorgte auch im Schwarzenbeker Kino Grimm tagelang für ein volles Haus. Den Film „Reiss Aus. Zwei Menschen. Zwei Jahre. Ein Traum“ gibt es inzwischen auch auf DVD, Blu-ray und im Stream. Zusätzlich schrieb
Lena Wendt ein Buch über ihre persönlichen Reiseerlebnisse.

Der Kinostart war auch der Start einer neuen, langen Reise. „Seit Februar 2019 sind wir durch ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz gereist, um bei den Filmvorführungen mit den Gästen zu sprechen“, erzählt Lena Wendt. Erneut haben sie dabei 46.000 Kilometer zurückgelegt, in 170 Kinos den Film präsentiert, mit ungefähr 15.000 Menschen sehr persönliche Gespräche geführt – und sie wurden jeden Tag zum Übernachten oder zum Teetrinken eingeladen. „Was für ein Geschenk!“, resümieren die Weltenbummler.

Geld für Projekte in Afrika

Zudem war „Reiss Aus“ auf 15 Filmfestivals nominiert. Der Streifen hat den Publikumspreis der „Visuellen Frauenfilmtage“ in Oberhausen bekommen und in Ungarn den dritten Platz in der Kategorie Reisefilm belegt. Bei ihren Auftritten in den Kinosälen tauschten sie unter anderem Filmplakate gegen Spenden für Projekte in Afrika.

Fast 50.000 Euro sind dabei zusammengekommen. „Wir konnten eine Schulküche in Mauretanien bauen. Wir konnten 25 Jugendlichen ein Tourismus-Praktikum ermöglichen, wir haben ein Aufklärungsfahrzeug für Rüdiger Nehbergs Verein Target e. V. gekauft, der über die schlimmen Folgen der Genitalverstümmelung von Mädchen aufklärt, und wir konnten Robert aus Ghana zum Imker ausbilden lassen“, erzählt Lena Wendt.

Trommler wird zum Imker

Robert, der Trommler aus dem Film, gibt nun sein Wissen über Imkerei und den Schutz der Bienen an die Landwirte weiter. Außerdem konnte ein Surfclub an der Elfenbeinküste gegründet werden und die Tierschutzorganisation „Marocco Animal Aid“ ließ mit dem Geld aus der Aktion einen Zaun bauen, um Tiere geschützt im Gehege halten zu können.

„Das ist ein Erfolg, mit dem wir nie gerechnet hätten“, freut sich Lena Wendt. Die Pläne für weitere Abenteuer sind gemacht. Die beiden 35-Jährigen laden zu Mut-Workshops in Deutschland mit dem Titel „Reiss Aus – (er)lebe dich selbst“ ein. Natürlich geht es auch auf Reisen. Lena Wendt zog es inzwischen wieder nach Westafrika. Und Ullrich Stirnat baut sich einen Lkw aus, weil er in Frankreich als Surflehrer arbeiten will.