Prozessauftakt

Prozess gegen Serien-Brandstifter beginnt

Durch einen Großbrand wurde in Mühlenrade ein Bauernhof völlig zerstört. Mehrere Rinder starben in den Flammen.

Durch einen Großbrand wurde in Mühlenrade ein Bauernhof völlig zerstört. Mehrere Rinder starben in den Flammen.

Foto: Timo Jann

Am 13. Januar beginnt am Lübecker Landgericht der Prozess  gegen einen mutmaßlichen Brandstifter: 51-Jähriger soll elf Mal Feuer gelegt haben.

Möhnsen/Mühlenrade.  Auf frischer Tat hatten die Handschellen am 29. Juni geklickt: Damals soll ein 51 Jahre alter Feuerwehrmann in Kühsen in einer Scheune Feuer gelegt haben, wenig später wurde er festgenommen. Jetzt wird sich der Mann aus einem Dorf in der Nähe von Ratzeburg vor dem Landgericht Lübeck wegen jeweils mehrfacher versuchter und vollendeter schwerer Brandstiftung verantworten müssen. Das teilte die Staatsanwaltschaft Lübeck auf Anfrage mit.

Angeklagter bestreitet Taten

„Der Angeschuldigte bestreitet die Brandstiftungen“, erklärte Staatsanwältin Dr. Ulla Hingst. Allerdings hatten Polizisten den bereits unter Tatverdacht stehenden Mann beobachtet und ihn schließlich nach der Tat in Kühsen festgenommen. Das verheerendste Feuer in der Reihe der angeklagten Taten war ein Großbrand auf einem Bauernhof in Mühlenrade im Januar. „Er soll einen Stall in Brand gesetzt haben, der durch das Feuer vollständig vernichtet wurde. Das Feuer griff auf ein angrenzendes Wohngebäude über, das teilweise zerstört und unbewohnbar wurde. Dies soll der Angeschuldigte auch für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen haben“, erläutert die Staatsanwältin. Mehrere Kühe und Kälber starben in den Flammen, ein Großaufgebot der Feuerwehr war über Stunden im Einsatz und konnte zumindest Nachbargebäude vor dem Funkenflug schützen.

Im März war es in Möhnsen nur dem glücklichen Umstand eines anschlagenden Hundes zu verdanken, dass eine Brandstiftung in einem Wohn- und Wirtschaftsgebäude keine schlimmeren Folgen hatte. Anwohner schauten nach, nachdem der Hund gebellt hatte, und stellten mehrere Brandstellen in dem Gebäude fest. Die Feuerwehr war schnell zur Stelle und konnte die Flammen löschen.

Die Feuerwehrleute in der Region waren bereits seit Heiligabend 2018 mehrfach gefordert. Damals hatte es auf einem Pferdehof in Havekost einen Großbrand gegeben. Auch diese Brandstiftung wirft die Staatsanwaltschaft dem 51-Jährigen vor, ebenso wie Brände in Duvensee (November 2018), Nusse (Heiligabend 2018), Niendorf bei Berkenthin (Februar 2019), Klinkrade (März 2019), Berkenthin (April 2019), Koberg (April 2019) und Reinbek (Juni 2019). Meistens brannte es entlang einer 35 Kilometer langen Achse, wobei die Polizei dem 51-Jährigen im Rahmen ihrer Ermittlungen nicht alle in die Reihe passenden 20 Feuer zuordnen konnte.

Bestürzung bei der Feuerwehr

Im April 2019 hatte die Polizei wegen der auffälligen Häufung eine Ermittlungsgruppe gegründet. Doch erst am 29. Juni um 2.28 Uhr konnten sich die Fahnder den Tatverdächtigen schnappen. „Wir haben die Nachricht, dass der festgenommene mutmaßliche Brandstifter aus den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr stammen soll, mit Bestürzung zur Kenntnis genommen“, sagte Holger Bauer, der Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes in Kiel, damals. Die Taten würden nicht zu den Wertvorstellungen und den Aufgaben und Zielen der Feuerwehren passen. Der 51-Jährige ist Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr nahe Ratzeburg und früher auch im Kreis Stormarn in einer Feuerwehr aktiv gewesen. Angeblich rückte er nach einem internen Streit nicht mehr mit zu Einsätzen aus und beteiligte sich auch nicht mehr an Ausbildungen. Auffällig: Seitdem häuften sich die Brandstiftungen in der Region.

Prozessauftakt soll am Montag, 13. Januar, sein „und es sind bislang acht Hauptverhandlungstermine anberaumt“, so Ulla Hingst. Der seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft sitzende Mann macht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Auch wenn man immer wieder von zündelnden Feuerwehrleuten hört, ist das laut Untersuchungen die absolute Ausnahme. Die Quote von Brandstiftungen durch Feuerwehrleute gegenüber solchen, die nicht in der Feuerwehr aktiv sind, liege laut Holger Bauer vom Landesfeuerwehrverband bei 1:3000: „Unsere Feuerwehren mit ihren fast 50.000 Mitgliedern distanzieren sich von derartigem Fehlverhalten ihrer Kameraden aufs Schärfste.“

Der unter Verdacht stehende Mann wurde von der Wehrführung vom Dienst suspendiert. Weitere Maßnahmen werde die Feuerwehr nach Abschluss des Verfahrens entscheiden. „Auch Feuerwehren mit ihren Mitgliedern sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. Da ist nie völlig auszuschließen, dass es ,schwarze Schafe’ gibt“, so Bauer.