Ein Jahr nach Unfall

Unfallfahrer Philipp Lorenzen kämpft sich ins Leben zurück

Philipp Lorenzen (20) aus Schwarzenbek ist am 9. Januar 2019 schwer verunglückt. Jetzt kämpfte er sich ins Leben zurück. und ist wieder zu Hause bei seiner Mutter Angela.

Philipp Lorenzen (20) aus Schwarzenbek ist am 9. Januar 2019 schwer verunglückt. Jetzt kämpfte er sich ins Leben zurück. und ist wieder zu Hause bei seiner Mutter Angela.

Foto: Timo Jann

Am 9. Januar 2019 ist Philipp Lorenzen bei einem Unfall schwer verletzt worden. Ein Jahr später ist er wieder zu Hause und es geht ihm besser.

Schwarzenbek. Aus Stunden des Hoffens, Bangens und des Wartens wurden Tage, dann Wochen, dann Monate. Am 9. Januar 2019 war Philipp Lorenzen mit seinem Auto auf dem Zubringer Nord schwer verunglückt. Erst seit einem Monat ist der 20-Jährige wieder zu Hause bei Mutter Angela Lorenzen. „Jetzt wird einem erst so richtig bewusst, was passiert ist. Die ganze Zeit bisher hat man einfach nur funktioniert“, berichtet die 46-Jährige von den letzten Monaten, als das Leben von Philipp am seidenen Faden hing.

Unfall 900 Meter von Zuhause entfernt

Rückblick: Vor einem Jahr, am 9. Januar 2019, macht Philipp gegen 17 Uhr in seiner Werkstatt Feierabend, setzt sich in seinen Audi und macht sich auf den Weg nach Hause. Auf dem Zubringer Nord – er hatte nur noch 900 Meter bis nach Hause – verunglückt er aus ungeklärter Ursache. Sein Audi kommt nach rechts von der Straße ab, streift einen Baum, gerät ins Schleudern und prallt mit großer Wucht mit der Fahrerseite gegen einen weiteren Baum.

Im Gegenverkehr sieht Feuerwehrmann Sven Richter den Unfall und hält an. Er setzt einen Notruf ab und versucht Erste Hilfe zu leisten. Andere Autofahrer fahren einfach vorbei. Philipp ist im zerstörten Auto eingeklemmt. Feuerwehrleute benötigen fast eine Stunde, den Unfallfahrer aus dem Wrack zu befreien. Ein Notarztteam bringt ihn ins Unfallkrankenhaus Boberg.

13 Operation nach dem Crash

Bis heute musste Philipp 13 Operationen über sich ergehen lassen, eine weitere OP steht noch aus. „Es müssen Schrauben im Fuß entfernt werden und ein Bänderriss muss geflickt werden“, berichtet der 20-Jährige. Alles kein Vergleich zu den, was er nach dem Unfall überstehen musste. In der Klinik versetzten die Ärzte den jungen Mann einen Monat lang ins künstliche Koma. „Aufgewacht bin ich mit einem Albtraum“, erinnert sich Philipp.

„Er hat so gekämpft“, sagt seine Mutter, die fast täglich ins Krankenhaus fuhr. „Als er aufgewacht ist, konnte er zunächst nicht sprechen. Aber von einem Tag auf den anderen empfing er mich winkend und war voll da“, berichtet Angela Lorenzen von einem der glücklichsten Momente im Unfallkrankenhaus. „Die Ärzte wollten sich lange nicht festlegen, ob er den Unfall überlebt, und wenn, mit welchen Folgen“, sagt sie.

Eine schwierige Zeit für die Schwarzenbekerin. Doch Philipp beißt sich durch. Haut wird ihm transplantiert, um offene Wunden am Bein zu verschließen.

Rückschlag nach Behandlungserfolg

Im April dann plötzlich ein dramatischer Rückschlag. „Ich habe gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt“, erinnert sich Philipp an diesen Moment. Er bekommt auf dem Smartphone die Buchstaben aus Kurznachrichten von Freunden nicht mehr sortiert, seine Hand verfällt in Lähmungserscheinungen. Eine Computertomographie zeigt schnell, was los ist: Im Kopf hat sich Druck aufgebaut, weil Hirnwasser nicht mehr abfließt. Philipp wird erneut operiert. Der Schädel geöffnet, ein Schlauch verlegt. Auch diesmal geht alles gut. „Als die Schädelplatte wieder eingesetzt war, ging es richtig bergauf“, sagt der 20-Jährige.

„Die Mitarbeiter des Krankenhauses sind wie eine zweite Familie geworden. Wir haben sehr viel Zeit zusammen verbracht und sie haben auch immer erklärt, was los ist“, sagt Angela Lorenzen.

Ausbildung soll weitergehen

An die Akutversorgung in Boberg schließt sich direkt eine Rehamaßnahme für Philipp an. An seinem Geburtstag darf er die Klinik erstmals für einige Tage über ein langes Wochenende verlassen. Noch bis zum Sommer 2020 soll die Reha voraussichtlich fortgeführt werden. Philipp hofft, seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ab August noch einmal mit dem Start ins zweite Lehrjahr fortsetzen zu können. Der Chef und die Kollegen hatten ihn oft besucht, wie die Mutter auch in ein Tagebuch geschrieben. Notizen, die Philipp helfen, die lange Zeit im Krankenhaus zu verarbeiten.

Dazu gehörte für ihn auch ein Besuch in der Schwarzenbeker Feuerwache. „Ich hatte gehört, dass die Feuerwehrleute eine Weihnachtsfeier haben“, berichtet Philipp. Angela Lorenzen backt Torten, beide verzieren Bananen mit Schokoüberzug. Dann stehen sie plötzlich bei den Rettern auf dem Hof.

Gebackenes Dankeschön für die Retter

„Das war eine absolut gelungene Überraschung. Wir bekommen so gut wie nie mit, was aus den Menschen, die wir retten, wird“, erklärt Feuerwehrchef Thorsten Bettin. „So eine Geste ist eine super Motivation, weiterzumachen“, so Bettin. „Ich wollte mich für den Einsatz bedanken. Das war mir sehr wichtig. Auch im Krankenhaus habe ich das gemacht“, sagt Philipp.

Fahrsicherheitstraining geplant

Trotz des schweren Unfalls möchte er wieder ein Auto haben. Den alten Audi 80, mit dem er verunglückt war, hatte er einst vor der Verschrottung gerettet und eigenhändig aufgemöbelt. „Angst zu fahren habe ich nicht, aber Respekt“, schildert Philipp seine Emotionen. Er möchte ein Fahrsicherheitstraining beim ADAC absolvieren. Denn eines ist ihm bewusst: „Da waren ganz viele Schutzengel bei mir.“

„Ich feiere erst wieder Geburtstag, wenn es Philipp gut geht“, hatte Angela Lorenzen nach dem schweren Unfall gesagt. Jetzt kann sie wieder feiern – und danken. „All den Menschen, die für mich da waren und an Philipp geglaubt haben. Die Feuerwehrleute, die Ärzte und Schwestern, die Familie, Nachbarn und Freunde“, sagt Angela Lorenzen. „Ich habe immer daran geglaubt, dass alles wieder gut wird“, sagt Philipp. Ein Jahr nach dem Unfall ist der Glaube Wirklichkeit geworden.