Abwasserbehandlung

Technik aus Breitenfelde gegen Mikroplastik

Gefunden am Ufer der Warnow bei Rostock: Die winzigen Teilchen auf der Fingerkuppe sind keine Steinchen, sondern Mikroplastik-Teilchen.

Gefunden am Ufer der Warnow bei Rostock: Die winzigen Teilchen auf der Fingerkuppe sind keine Steinchen, sondern Mikroplastik-Teilchen.

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Firma aus Breitenfelde erhält Fördermittel des Bundes. Membranen sollen Mikroplastik aus dem Abwasser filtern.

Breitenfelde. Mikroplastik stellt zunehmend ein Problem für die Umwelt, die Meere und auch für den Menschen dar: Es steckt in Shampoo, Zahnpasta oder Peelings und gelangt so übers Abwasser in die Flüsse und Meere. Von dort kommt es über die Fische zurück in unsere Nahrungskette. Ein Unternehmen aus Breitenfelde will nun dafür sorgen, dass Abwasser aus Kläranlagen künftig frei von Mikroplastik ist. Der Bund fördert die Entwicklung dieser neuen Anlagentechnik mit 171.000 Euro.

Membranen filtern Mikroplastik heraus

Die Teilchen sind so klein, dass sie in den Kläranlagen meistens nicht richtig herausgefiltert werden können und im Abwasser verbleiben. Die TIA GmbH (Technologien zur Industrie-Abwasser-Behandlung) mit Sitz an der Bergkoppel 3 in Breitenfelde will nun eine neue Anlage zur Abwasserbehandlung entwickeln, mit der selbst die winzigsten Teilchen herausgefiltert werden können. „Zum Einsatz kommen dabei Membrane. Die bauen eine absolute Barriere auf und filtern so Mikroplastik, aber auch Bakterien und verschiedene andere Schadstoffe aus dem Wasser“, sagt Norbert Brackmann. Der Lauenburger CDU-Bundestagsabgeordnete kennt das Unternehmen seit 2011. Damals hatte er sich beim Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle für die Finanzierung eines Iran-Geschäfts eingesetzt, das unter den Sanktionen zu scheitern drohte.

Wirtschaftsförderung im besten Sinne

Die TIA GmbH konnte bereits 2019 eine Bundesförderung über 300.000 Euro aus dem Bundesforschungsministerium einwerben. Gefördert wurde die Entwicklung einer schwerkraftbetriebenen Anlage zur Abwasserbehandlung, mit der nicht nur die Effizienz erhöht wird, sondern erhebliche Energiekosten eingespart werden können. Statt energieaufwendig durch Pumpen, wird das Abwasser durch die Schwerkraft durch spezielle Membrane gedrückt. Für Brackmann sinnvoll angelegtes Geld: Zum einen werde ein Beitrag zum Umwelt- und Gesundheitsschutz geleistet, zum anderen würden Arbeitsplätze in der Region gesichert. „Das ist Wirtschaftsförderung im besten Sinne“, so der CDU-Politiker.

Mit dem neuen Förderzuschuss wird nicht nur die Entwicklung einer neuen Anlagentechnik gefördert, die Mikroplastik herausfiltern kann, sondern gleichzeitig auch der Bau eines Prototyps für eine industriell verwertbare Anlage. „Die TIA GmbH ist überaus erfolgreich, gerade weil sie immer weiter nach vorne geht, innovative Technik vorantreibt und nach neuen Geschäftsfeldern strebt“, lobt Brackmann das Breitenfelder Unternehmen.

Eine Erfolgsgeschichte vom Dorf

Die TIA GmbH wurde 1987 vom geschäftsführenden Gesellschafters Dr. Ing. Norbert Müller-Blanke gegründet. Die erste industrielle Kläranlage wurde noch im selben Jahr für die Phönix AG in Hamburg gebaut, 1997 folgte der Schritt ins Ausland: In Holland entstand eine Anlage für ein Recyclingunternehmen. 2003 übernahm die TIA zudem die Betriebsführung der kommunalen Kläranlage in Güster. Bislang größtes Projekt war Planung und Bau einer zentralen Abwasseranlage für sämtliche Industrieabwässer in Kuwait im Jahr 2010.