Zwischenstopp Straße

Große Hilfe für Hamburgs Obdachlose aus Brunstorf

Sylvia Senger (r.) hat die Obdachlosenhilfe „Zwischenstopp Straße“ gegründet. Claudia Schacht und Kai Olaf Schmidtsen aus den Reformhäusern in Schwarzenbek und Wentorf unterstützen das Projekt mit Lebensmittel- und Geldspenden. 

Sylvia Senger (r.) hat die Obdachlosenhilfe „Zwischenstopp Straße“ gegründet. Claudia Schacht und Kai Olaf Schmidtsen aus den Reformhäusern in Schwarzenbek und Wentorf unterstützen das Projekt mit Lebensmittel- und Geldspenden. 

Foto: Stefan Huhndorf

Sylvia Senger aus Brunstorf engagiert sich für Obdachlose. Sie gründete den Verein „Zwischenstopp Straße“, der ihnen Essen und Kleidung bringt.

Brunstorf.  Jens war fünf Jahre obdachlos und lebte in Hamburg vor Karstadt an der Mönckebergstraße. Immobilienkauffrau Sylvia Senger aus Brunstorf sah den Mittvierziger öfter, wenn sie noch spät abends nach einem langen Arbeitstag durch die Innenstadt ging. Sie gab ihm hin und wieder Geld, hatte ab und zu ein nettes Wort für ihn und machte sich bewusst, wie gut es ihr ging.

Beide lernten sich besser kennen, Senger gab ihm sogar ihre Handynummer. Dann wurde Jens schwer krank, bekam Wundfäule am Bein. „Er wusste nicht, an wen er sich wenden kann und rief mich an. Das Krankenhaus wollte ihn nicht behalten, die Krankenstube für Obdachlose hatte kein Bett frei“, erinnert sich die Brunstorferin an die Zeit vor sieben oder acht Jahren.

Kampf für Jens war der Ausgangspunkt

Jens bekam nach ihrer Intervention ein Zusatzbett in der Krankenstube und das war auch die Geburtsstunde der Obdachlosen-Initiative „Zwischenstopp Straße“, die Sylvia Senger daraufhin gründete. Der Verein hat heute 19 Mitglieder und über Hundert ehrenamtliche Helfer. Mit zwei Fahrzeugen – dem anthrazitfarbenen VW-Bus „Tobi“ und einem weißen VW Crafter – sind die Helfer jede Woche unterwegs, um Spenden zu sammeln und an Obdachlose in Hamburg zu verteilen.

Gut 500 Menschen, die in der Hansestadt „Platte machen“ betreut der Verein. „Die Dankbarkeit und das Lächeln der Obdachlosen ist eine große Motivation und unser schönster Lohn“, sagt Senger. Für die Obdachlosen gibt es Lebensmittel, Kleidung, Schlafsäcke und Hygieneartikel. Drogensüchtigen Frauen, die ihr Geld auf dem Straßenstrich verdienen, spendet der Verein auch Kondome als Schutz vor Krankheiten.

Bus mit Spenden kommt immer mittwochs

„Wir verteilen die Spenden und warme Mahlzeiten immer mittwochs. Los geht es nach Ladenschluss bei Saturn an der Mönckebergstraße“, so die Brunstorferin: „Momentan benutzen wir noch Einweggeschirr. Das würden wir aus Umweltgründen gerne umstellen, wir wissen aber noch nicht, wie wir Rückgabe und Abwasch organisieren sollen.“ Bis zu 150 Obdachlose kommen zu den Ausgabetagen unter das Vordach des Elektronikkaufhauses.

Der Verein hilft Obdachlosen auch bei Behördengängen und versucht, sie auf ein Leben in eigenen vier Wänden vorzubereiten. Bei Jens ist das gelungen. Er wohnt in einer Gemeinschaftsunterkunft und unterstützt „Zwischenstopp Straße“ als freiwilliger Helfer an den Ausgabetagen. „Das ist aber nicht für jeden die Lösung. Viele Obdachlose leben freiwillig auf der Straße und wollen lieber ein neues Zelt als eine Wohnung. Auch dabei helfen wir“, so Senger.

Verteilt wird bis zum frühen Morgen

An den Ausgabetagen sind sie und ihr Team bis in die frühen Morgenstunden unterwegs. Die meiste Zeit verbringen sie am „Drob Inn“ am Besenbinderhof. Die Kontakt- und Beratungsstelle der Jugendhilfe hat einen integrierten Konsumraum für die eigentliche illegalen Drogen. Wer dort landet, bewege sich laut Senger nur noch zwischen ZOB, Hauptbahnhof, Steindamm und dem „Drob Inn“: „Die Süchtigen leben meist auf der Straße und verdienen ihr Geld auf dem Strich. Saubere Kleidung und warme Worte helfen nicht, aber sie lindern die Not.“

Doch jetzt waren die Helfer selbst in Not. Plötzlich qualmte der VW Bus stark, als Sylvia Senger Ware vom Norma-Markt an der Mercatorstraße in Geesthacht abgeholt hatte. Sie schaffte es gerade noch zur Werkstatt. Diagnose: Wasserpumpe und Zahnriemen defekt. Die Reparatur kostete 1000 Euro. Unter dem Motto „Tobi ist krank“ sammelte Senger Spenden.

Reformhauschefs retten den Bus

Die Reformhausbetreiber Claudia Schacht (Wentorf) und Kai Olaf Schmidtsen (Schwarzenbek) fanden das Projekt gut. Sie sprangen ein und spendeten das Geld. Der Bus wurde rechtzeitig zu Weihnachten fertig, damit war auch das Grillfest für die Obdachlosen an Heiligabend bei Saturn gesichert.