Rehabilitation

Philipp Günther macht Rolli-Fahrer fit

Beim Rollstuhlbasketball stürzen die Spieler schon mal mit ihrem Gefährt. Anne Patzwald zeigt, wie sie dann wieder in ihren Rolli kommt.

Beim Rollstuhlbasketball stürzen die Spieler schon mal mit ihrem Gefährt. Anne Patzwald zeigt, wie sie dann wieder in ihren Rolli kommt.

Foto: Denise Ariaane Funke

Training für Menschen mit Behinderungen gibt es in großen Städten überall. Jetzt will Philipp Günther so ein Angebot in Schwarzenbek etablieren.

Schwarzenbek. Nicht nur die Paralympics zeigen: Menschen mit Handicap fügen sich nicht einfach ihrem Schicksal. Viele wollen trotz der körperlichen Einschränkung fit sein und sportliche Leistung erbringen. Behindertensport gehört daher in fast allen größeren Städten zum Angebot. Philipp Günther, Inhaber des in Schwarzenbek ansässigen PG-Training Sport- u. Gesundheitsstudios will Sport für Menschen mit Behinderung nun auch in Schwarzenbek besser etablieren.

„Die Hemmschwelle bei Menschen mit einem Handicap, Sport im Fitnessstudio zu machen, ist meist hoch. Hinzu kommt, dass viele Studios nicht barrierefrei sind“, sagt der 30-jährige Fitness- und Gesundheitstrainer.

Im Januar dieses Jahres hat er seinen Sitz an den Gewerbeweg 1 verlegt, um das Angebot zu vergrößern und barrierefrei zu machen. Auch wenn die Trainingsmöglichkeiten auf der 600 Quadratmeter großen Fläche vielseitig sind, fehlen die muskelbepackten „Pumper“ in seinem Studio.

Barrierefrei trainieren

Trainingsschwerpunkte sind Rehabilitation, Gesundheitstraining, Fitnesstraining, Herz-Kreislauf-Training, Fettverbrennung und Personaltraining. „Wir steigen dort ein, wo die Physiotherapie aufhört“, so Günther. Jetzt bekamen der Studiobetreiber und sein dreiköpfiges Team Besuch von zwei Spielern der BG Baskets Hamburg. Das ist die Rollstuhl Basketball Mannschaft des HSV, die in der 1. Bundesliga spielt.

Dass mit einem Rollstuhl viele Sportarten gemacht werden können, betonen Anne Patzwald (30) und Ali Ahmadi (43). Die 30-Jährige ist seit einem Unfall vor zehn Jahren querschnittgelähmt. Sie spielt nicht nur in der Bundesliga, sondern seit 2015 auch für die deutsche Nationalmannschaft Basketball. „Der Sport hat mir unheimlich gutgetan, er hat meinem Tag wieder Strukturen gegeben“, berichtet die Sportlerin.

Mit Rolli ins Nationalteam

Ali Ahmadi spielte sogar in der Nationalmannschaft von Italien und Spanien. Seit drei Jahren trainiert er das HSV Bundesliga-Team.

Die Frage, was es alles an Sportmöglichkeiten für Menschen im Rollstuhl gibt, beantwortet Anne Patzwald so: „Es ist leichter zu sagen, was nicht geht. Es gibt vom Tischtennis über Rugby bis hin zu einer ganzen Reihe an Leichtathletiksportarten so ziemlich alles.“ Anne Patzwald ist im Hauptberuf im Unfallkrankenhaus Boberg als Ergotherapeutin tätig. Dort hilft sie Rollstuhlpatienten, möglichst viel Selbstständigkeit wiederzuerlangen.

Eine Kostprobe dieser Möglichkeiten gibt Ali Ahmadi dann auch gleich: Mitsamt Rollstuhl macht er Klimmzüge. Anne Patzwald erläutert, dass ihr Rolli, wesentlich aufwendiger konstruiert ist als der, den sie im Alltag nutzt. So ist beispielsweise eine Stoßstange montiert.

Auch ein Sturz ist für einen gut trainierten Fahrer keine große Hürde. Mit der richtigen Technik ist der Rolli schnell wieder auf die Räder bugsiert. Und da ist er gleich wieder, der Beweis, wie sehr Sport Menschen mit Handicap dabei unterstützen kann, mit Hilfsmitteln wie beispielsweise dem Rollstuhl möglichst selbstständig zu sein.

Inwieweit und wie viel Sport ein Mensch mit Behinderungen machen kann, das kommt allerdings auch auf die Art der Beeinträchtigung an. So muss bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) streng darauf geachtet werden, dass nicht zu viel auf einmal gemacht wird, da sich das Krankheitsbild sonst verschlechtern kann. „Und natürlich kommt es auch darauf an, bis wohin eine Lähmung reicht“, sagt Philipp Günther. Infos: (0 41 51) 8 87 95 73.

Reha beim TSV

Möglichkeiten zur Rehabilitation gibt es aber auch beim TSV Schwarzenbek. Dort bietet die Versehrtensportgemeinschaft Menschen mit Behinderungen an drei Tagen in der Woche Übungsprogramm an: Gymnastik und Spiele in der Sporthalle, Wassergymnastik und Schwimmen im Bewegungsbad Mölln sowie Sport- und Spaß-Kegeln. Zudem gibt es zwei Herzsportgruppen in der Stadt.