Flüchtlingshilfe

Ehrenamt: „Unsere Arbeit hört ja nicht auf“

Froh über ein weiteres Jahr Förderung durch die „Aktion Mensch“: Flüchtlingshilfe-Koordinatorin Lisa Kalupar (l.) und DRK-Geschäftsführerin Anke Laumanns-Monreal.

Froh über ein weiteres Jahr Förderung durch die „Aktion Mensch“: Flüchtlingshilfe-Koordinatorin Lisa Kalupar (l.) und DRK-Geschäftsführerin Anke Laumanns-Monreal.

Foto: Marcus Jürgensen

Förderung für Ehrenamtskoordinatorin in der Flüchtlingshilfe um ein Jahr verlängert.

Schwarzenbek. Für ein Jahr geht ihre Arbeit weiter: Ehrenamtskoordinatorin Lisa Kalupar wird für ein weiteres Jahr Flüchtlinge und deren ehrenamtliche Helfer betreuen und beraten. Drei Jahre wurde ihre Stelle bei den DRK-Betreuungsdiensten von der „Aktion Mensch“ gefördert. Die Arbeit, während Kalupars Elternzeit wurde sie von Linda Kunde und Jessica Meier vertreten, war so erfolgreich, dass die Sozialorganisation, die sich über Lotterieeinnahmen finanziert, anregte, sich für eine Anschlussförderung zu bewerben – mit Erfolg.

„Unsere Arbeit hört ja nicht auf“, sagt Anke Laumanns-Monreal, Geschäftsführerin der DRK-Betreuungsdienste. Zwar sprechen mittlerweile die meisten Flüchtlinge Deutsch, doch für spezielle Probleme reichen ihre Sprachkenntnisse oft noch nicht aus. So konnte Kalupar eine Familie mit einem autistischen Kind auf der Suche nach der geeigneten Therapieform an eine Beratungsstelle in Reinbek vermitteln.

Emanzipation ist erst hier möglich

Doch auch die ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer brauchen manchmal Hilfe: Kalupar stellte für eine Betreuerin den Kontakt zur Fachstelle gegen Frauenhandel „Contra“ her, weil sie befürchtete, ein Mädchen könnte in die Prostitution abgleiten. Auch Partnerschaft und Emanzipation sind ein Thema. „Für viele geflüchtete Frauen gibt es erst hier überhaupt die Möglichkeit sich zu emanzipieren“, so Laumanns-Monreal. Das gilt jedoch nicht nur für Ehefrauen, sondern auch für die Töchter etwa beim Thema Zwangsheirat.

Ehemann hat Rolle als Beschützer

Doch nicht alles, was nach Zwang und Bevormundung aussieht, ist es auch. Laumanns-Monreal nennt das Beispiel eines Mannes, der seine Frau zum Zubereiten des Essens in die Küche der Gemeinschaftsunterkunft begleitete. Was wie Kontrolle aussieht, hat seinen Ursprung in der Kultur des Heimatlandes: „Mit der Eheschließung ist der Mann die Verpflichtung eingegangen, auf seine Frau aufzupassen und sie zu beschützen“, so Laumanns-Monreal.

Bis zum Ende der Förderungszeit im September 2020 will Kalupar einen Inklusions- und Willkommensleitfaden mit Themen und Ansprechpartnern entwickeln, der sowohl von Flüchtlingen als auch Helfern als Orientierung genutzt werden kann. Weiteres Ziel ist, zu den bisher etwa 20 ehrenamtlichen Helfern weitere hinzuzugewinnen. „Unter den Helfern sind immer mehr Menschen, die selbst einen Migrationshintergrund haben“, freut sich Lisa Kalupar. Waren Seminar und Workshops bisher vorwiegend für die einheimischen Helfer konzipiert, sollen nun diese Angebote stärker auf die Flüchtlinge selbst zugeschnitten werden. Geplante Themen: Umgang mit Schulden, Alltagsrassismus und Diskriminierung, Gesundheit und Familie.

Kreis steigt in Förderung ein

Weil auch das Land seine Förderung einstellen wollte, waren auch die übrigen acht Koordinationsstellen im Kreis von der Schließung bedroht (wir berichteten). Für sie gibt es nun eine Lösungsmöglichkeit: Bei Awo und Diakonie, die im Auftrag der Kreisverwaltung in Süd- und Nordkreis tätig sind, teilen sich Land und Kreis künftig die Kosten in Höhe von 63.000 Euro. Und auch die übrigen kommunalen Flüchtlingskoordinatoren können mit einer weiteren Förderung durch das Land rechnen – die endgültige Genehmigung in den jeweiligen Haushaltsberatungen vorausgesetzt.

Spender für Familienprojekt gesucht

Lisa Kalupar berät auch ganz gezielt Schwangere und Eltern mit Kleinkindern im Projekt „Eltern und Flucht“. Dabei geht es um Impfschutz ebenso wie die Anmeldung in Kita oder Krippe. „Menschen mit Migrationshintergrund kennen sich mit den deutschen Regelleistungen nicht aus“, sagt Kalupar, die selbst junge Mutter ist. Auch dieses vom Kreis im Rahmen der Frühen Hilfen mit 7000 Euro geförderte Projekt läuft zum Jahresende aus. Um es weiterzuführen, hoffen die Betreuungsdienste auf Spender oder Stiftungen.