Hevi’s Prozess

Prozess: Rätsel um den dunklen VW-Kombi

Gegen 22 Uhr zerstörte am 10. August 2018 eine Explosion den Imbiss Hevi's an der Hamburger Straße.

Gegen 22 Uhr zerstörte am 10. August 2018 eine Explosion den Imbiss Hevi's an der Hamburger Straße.

Foto: Timo Jann

Zeugen entlastet Wirt Orhan A. vom Vorwurf, den Imbiss an der Hamburger Straße angezündet zu haben, um die Versicherungssumme zu kassieren.

Lübeck.  Wer saß am Abend des 10. August 2018 im blauen VW-Kombi? Als Zeugen hatte die vierköpfige Familie B., die die Wohnung über dem „Hevi’s“-Imbiss bewohnte, ausgesagt, einen dunklen VW-Kombi vor der Explosion im Erdgeschoss gesehen zu haben. Familie A., die den Imbiss betrieb, habe einen solchen Kombi, der auch von Vater Orhan A. genutzt wurde. Allerdings hatten die Zeugen das Kennzeichen nicht abgelesen, konnten den Wagen deshalb nicht eindeutig zuordnen.

Grillanzünder lösten Explosion aus

Gegen 22 Uhr war es im Imbiss an der Hamburger Straße zu einer Explosion gekommen. Die Brandermittler der Kripo stellten später fest, dass in einem Lagerraum und der Küche Textilien ausgelegt und in Brand gesteckt worden waren. Als das Feuer die dort ebenfalls deponierten Flaschen mit Grillanzünderflüssigkeit erreichten, war es zu einer explosionsartigen Entzündung gekommen.

Zeuge entlastet Imbiss-Wirt

Wegen schwerer Brandstiftung und versuchten Betrugs wird seit August (wir berichteten) vor dem Lübecker Landgericht gegen Orhan A. und seinen Sohn Mehmet verhandelt. Der Verhandlung vorausgegangen war eine aufwendige Untersuchung, bei der die Polizei Videomaterial der vielen Schaulustigen des Brandes auswertete. Doch am gestrigen Verhandlungstag wendete sich das Blatt: Tischler André S. sagte aus, er habe den blauen VW-Kombi der Familie A. den ganzen Abend über mit seinem eigenen Auto zugeparkt. Dogus A., ältester Sohn von Orhan, hatte zeitweise im Imbiss mitgeholfen und so den Tischler kennengelernt, der dort häufiger Gast war. Nach Feierabend habe der im gerade erworbenen Haus von Dogus A. in Escheburg Laminat verlegt. Am 10. August, so der Tischler, sei er von etwa 17 bis 22 Uhr vor Ort gewesen, habe mit seinem Auto in der Einfahrt vor dem blauen Kombis gestanden.

Prozess geht im nächsten Jahr weiter

Für Anwalt Philipp Götze ist damit klar: „Der blaue Kombi stand in Escheburg und nirgendwo sonst.“ Folglich könne Orhan A. auch nicht mit dem Fahrzeug in Schwarzenbek gewesen sein. Zuvor hatte Richter Kai Schröder den Zeugen mit den Aussagen der Familie B. konfrontiert und auf die Folgen einer möglichen Falschaussage hingewiesen. Doch André S. blieb bei seiner Aussage. Der „Grundsatz eines fairen Verfahrens“, so Götze, gebiete es nun, noch einmal die Familie B. vorzuladen und sie mit der Aussage von S. zu konfrontieren.

Dies soll am 5. Dezember erfolgen, der Prozess dann im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Fallen gelassen hat die Staatsanwaltschaft zu großen Teilen den Vorwurf des Betrugs gegen Mehmet A. Der hatte zwei Monate vor der Explosion noch eine Versicherung für den von der Familie betriebenen Imbiss abgeschlossen – ohne der Inhaber zu sein. Das sei aber in der Gastronomie nicht unüblich, räumte Staatsanwältin Berkenbusch ein.