Regionalexpress

Handy-Hasser zieht in Schwarzenbek die Notbremse

Am Bahnhof in Schwarzenbek (s. Archivfoto) zog der Handy-Hasser die Notbremse und verschwand – jedoch nicht für lange.

Am Bahnhof in Schwarzenbek (s. Archivfoto) zog der Handy-Hasser die Notbremse und verschwand – jedoch nicht für lange.

Foto: Marcus Jürgensen

53-jähriger Sachse bedroht aus Angst vor Handy-Strahlung seine Mitreisenden und zieht im Zug die Notbremse.

Schwarzenbek. Aus Angst vor Handystrahlung ist ein Mann aus Sachsen rabiat gegen andere Bahnreisende vorgegangen – nun ermittelt die Bundespolizei wegen Beleidigung, Nötigung, Sachbeschädigung und anderen Straftaten. Wie ein Sprecher jetzt in Rostock bekannt gab, war der 53-Jährige, der aus der Region Leipzig stammt, bereits am vergangenen Sonnabend in mehreren Zügen zwischen Hamburg, Schwerin und Rostock aufgefallen.

Scheibe im Regionalexpress eingeschlagen

Angefangen hat es gegen 10:30 Uhr auf der Zugfahrt der Regionalbahn RE 4309 von Hamburg in Richtung Rostock. Hier beleidigte der zunächst unbekannte Mann eine Reisende. Zuvor hatte der Sachse die Geschädigte aufgefordert, ihr Handy wegzulegen. Da diese der Aufforderung nicht folgte, zerrte er ihr die Kopfhörer aus den Ohren und zerriss diese.

Nahe dem Bahnhof in Schwarzenbek betätigte er danach die Notbremse, nahm zudem einen Nothammer, um eine Waggonscheibe einzuschlagen. Die zersprang zwar, blieb aber im Rahmen. Eine Zugbegleiterin versuchte den Reisenden festzuhalten und ihn zu beruhigen. Dieser ging aber unbeirrt zur nächsten Zugtür, löste die Notverriegelung und verließ den Zug.

Frau wegen ihres Smartphones bedroht

Der RE 4309 konnte seine Fahrt erst mit 35 Minuten Verspätung fortsetzen, weil zuvor die blockierte Bremse wieder gelöst werden musste. Wo sich der 53-Jährige dann am Sonnabend in Schwarzenbek aufhielt, ist unbekannt. Sicher ist, dass er einen der nachfolgenden Züge genommen hat: Keine fünf Stunden später war es erneut eine Frau mit Smartphone, die im Regionalzug 4313 von Hamburg nach Rostock auf Höhe Hagenow Land von ihm bedrängt und bedroht wurde.

Der Sachse berichtete ihr von Verschwörungstheorien und wies sie zudem auf die Schädigung seiner Gesundheit durch Handystrahlung hin. Dann nahm er die Tasche der Frau, um sie woanders zu platzieren. Als er bemerkte, wie verängstigt die Frau war, wich er von ihr.

In Schwerin wurde der Mann durch Beamte der Bundespolizei am Bahnsteig in Empfang genommen und von der Weiterfahrt ausgeschlossen. Doch das hielt den 53-Jährigen nicht davon ab, sich in den IC nach Rostock zu setzen.

Handy aus fahrendem Zug geworfen

Hier sah er sich mit einem telefonierenden Mann konfrontiert: Statt ihm erneut einen Vortrag über Handystrahlung zu halten, entriss der Sachse dem Reisenden sein Smartphone, warf es aus dem Zugfenster und setzte sich danach wieder wortlos auf seinen Platz. In Rostock nahmen Bundespolizisten den 53-Jährigen in Empfang und leiteten ein weiteres Strafverfahren gegen ihn ein.

Als Grund für seine Taten gab er laut Polizei an, dass er Sorge vor Handystrahlung habe. Nun droht ihm eine Geldstrafe. Alkohol sei nicht im Spiel gewesen, sagte der Bundespolizeisprecher. Und die Betroffenen sollen auch nicht laut telefoniert haben.