KZ-Opfer

Zubringer Nord wird zu Ernst-Schefe-Allee

Der Zubringer Nord in Schwarzenbek soll künftig Scheefe-Allee heißen.

Der Zubringer Nord in Schwarzenbek soll künftig Scheefe-Allee heißen.

Foto: Stefan Huhndorf

Der ehemalige Schwarzenbeker Gemeindevertreter und SPD-Vorsitzende starb 1944 im KZ. Künftig soll eine Straße an ihn erinnern.

Schwarzenbek. Beim „Frühsport“, so die zynische Beschreibung der Nazis in der Sterbeurkunde, ist Ernst Schefe am 26. September 1944 im KZ Neuengamme gestorben. 75 Jahre später ehrt die Stadt Schwarzenbek den ehemaligen Gemeindevertreter und SPD-Vorsitzenden, benennt eine Straße nach ihm.

Zeichen gegen Populismus

„Wir wollen damit ein ganz deutliches Zeichen setzen, weil wir merken, dass so etwas in diesen Zeiten wichtig ist“, sagte SPD-Fraktionschef Maik Picker. Das Erstarken des Populismus in Deutschland und auf der ganzen Welt sowie der Angriff eines Rechtsextremisten auf die Synagoge in Halle, bei der am 9. Oktober zwei unbeteiligte Passanten vom Attentäter erschossen wurden, mahnen gegenzuhalten. Dem schloss sich die Mehrzahl der Stadtverordneten an: Mit 16 Ja-Stimmen , vier Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen votierte die Stadtverordnetenversammlung dafür, den Zubringer Nord in „Ernst-Schefe-Allee“ umzubenennen.

Problem für Navis?

Einzig Wolfgang Thiel von „Bürger für Bürger“ (BfB), die sich bei der Abstimmung enthielten, äußerte Bedenken: Bis diese Änderung in digitale Karten eingepflegt sei, gebe es Probleme mit Navigationssystemen. Zudem könne die umbenannte Trasse mit der Schefestraße (benannt nach dem Baumeister Heinrich Schefe) verwechselt werden. Eine Einwendung, der sich die Mehrzahl der Kommunalpolitiker nicht anschloss. Man habe, so Picker, den Zubringer ausgewählt, weil es an dieser Straße keine Anwohner gibt, deren Adresse sich ändern würde.

Den Zubringer Nord gibt es seit dem Jahr 1997: Er wurde als erster Teil der Ortsumgehung gebaut, um die Bismarckstraße zu entlasten. Über die schmale Anliegerstraße floss bis dahin der von der B 404 kommende Verkehr ins Stadtzentrum. Von Radekamp, der ehemaligen Einmündung der Bismarckstraße, bis zum Beginn der Kerntangente an der Europabrücke wird der „Zubringer“ nun in „Ernst-Schefe-Allee“ umbenannt.

Schefe prägte Schwarzenbeks SPD

Schefe wurde 1875 geboren, war bis zu seinem Tod die bestimmende Persönlichkeit der Sozialdemokraten in Schwarzenbek. Bereits als 18-Jähriger war Schefe der SPD beigetreten, war von 1910 bis 1922 Ortsvorsitzender, von 1915 bis 1933 Gemeindevertreter und 1919 bis 1933 auch Mitglied des Kreistags. Als nach der Kommunalwahl 1933 die NSDAP-Vertreter in Parteiuniform zur Sitzung kamen, deutschnationale DVNP-Mitglieder in Uniform des „Stahlhelm“ (Bund der Frontsoldaten) spottete Schefe, die Einladung habe nicht erkennen lassen, dass man kostümiert erscheinen solle.

Eine Äußerung, die die Nazis nicht vergaßen - zumal Schefe weiterhin die neuen Machthaber kritisierte. Im Jahr 1940 wurde er zu Gefängnis verurteilt. Er hatte Hitler als „Verbrecher“ und „Schuldigen am Krieg“ bezeichnet. und gesagt: „Die 99 Prozent, die Hitler gewählt haben, waren besoffen gewesen.“ Kurz nach dem Hitlerattentat (20. Juli 1944) wurde Schefe nach einer weiteren kritischen Äußerung im privaten Kreis erneut denunziert. Schefe wurde verhaftet und ins KZ Neuengamme gebracht. An ihn erinnert ein Gedenkstein im Park des Amtsrichterhauses.