Impfpflicht

Ärztin warnt: Masern können tödlich enden

Dr. Andrea Nigbur (li) liest den Impfausweis von Regina Maltzahn, der aus dem Jahr 1952 stammt und gibt der Schwarzenbekerin Empfehlungen.

Dr. Andrea Nigbur (li) liest den Impfausweis von Regina Maltzahn, der aus dem Jahr 1952 stammt und gibt der Schwarzenbekerin Empfehlungen.

Foto: Monika Retzlaff

Seit kurzem gilt die Impfpflicht gegen Masern für Kinder und Menschen, die mit Kitas zu tun haben. Grund: die Krankheit kann tödlich enden.

Schwarzenbek.  Aktueller hätte das Thema nicht sein können: „Impfen schützt Leben“. Denn vor einigen Tagen hat der Deutsche Bundestag die Impfpflicht gegen Masern beschlossen. Kinder und Personal in Kitas und Schulen müssen ab 2020 gegen Masern geimpft sein, sonst drohen der Ausschluss aus der Kita und Strafen. „Die Impfpflicht ist ein guter Schritt, um die Bevölkerung zu schützen“, sagte Dr. Andrea Nigbur, Ärztin im Fachdienst Eingliederungs- und Gesundheitshilfe des Kreises, in Schröders Hotel. Sie referierte auf Einladung des DHB Netzwerks Haushalt.

Masern kann jeder bekommen

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sie können Menschen jeden Alters treffen, betonte Nigbur. Die Krankheit verläuft oft schwer mit grippeähnlichen Symptomen, hohem Fieber und später kommt Ausschlag hinzu. Das Immunsystem ist geschwächt und daher kommt es nicht selten zu Komplikationen wie Lungenentzündung.

Besonders gefürchtet ist die Gehirnentzündung, die bei Masern auftreten und einen schweren Verlauf mit Spätfolgen wie Lähmungen hervorrufen kann. Sechs bis acht Jahre nach einer Masernerkrankung kann der Betroffene sogar SSPE bekommen, die subakute sklerosierende Panenzephalitis. Sie zerstört unaufhaltsam die Gehirnzellen und führt unweigerlich zum Tod.

Schutz der Säuglinge

„Durch den Impfschutz der Gemeinschaft sind auch diejenigen vor Ansteckung geschützt, die nicht geimpft werden können, zum Beispiel sehr junge Säuglinge oder sehr kranke Menschen“, sagte die Ärztin. Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger können sich anstecken und die Krankheitserreger verbreiten. Eine Ausbreitung von Masern kann verhindert werden, wenn 95 Prozent der Bevölkerung geschützt ist.

Zweite Impfung nicht vergessen

Wirksamen Schutz gibt es jedoch erst nach der zweiten Impfung, die als Dreifachimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln zeitgleich mit der Windpockenimpfung im Alter von 15 bis 23 Monaten gegeben wird. In Deutschland haben derzeit nur etwa 93 Prozent der Schulanfänger die zweite Masern-Schutzimpfung erhalten.

Im Baby- und Kleinkindalter seien die meisten Eltern mit den Schutzimpfungen auf dem Laufenden, sagte Dr. Andrea Nigbur. Häufig lässt das dann im Schulalter nach, und eventuelle Nachimpfungen und empfohlene Auffrischungen werden versäumt. So wird beispielsweise die Auffrischung der Impfung gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus im Alter von fünf bis sechs Jahren und die zweite im Alter von neun bis 16 Jahren empfohlen. Die Impfung gegen Tetanus und Diphtherie dann weiterhin alle zehn Jahre.

Impfkalender bringt Übersicht

Der Impfkalender der Ständigen Impfkommission „Stiko“ hilft, die Übersicht zu bekommen. Er kann auf www.impfen-info.de heruntergeladen werden.

Neben den seit Jahren geläufigen Impfungen gegen Rotaviren, Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hepatitis B, Pneumokokken, Meningokokken, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sowie der für ältere und kranken Menschen empfohlenen Impfung gegen Grippe, gibt es auch neue Möglichkeiten, sich zu schützen.

Empfohlen wird die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs und andere Tumore, die durch humane Papillomviren verursacht werden, für Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren. Auch gegen Gürtelrose, die entsteht, wenn im Körper schlummernde Windpocken-Viren aktiviert werden, kann man sich schützen. Nigbur: „30 von 100 Menschen erkranken im Laufe des Lebens an Gürtelrose, einem sehr schmerzhaften Ausschlag, der oft nach Abklingen der Bläschen jahrelang bleibt.“

Hausärzte beraten

Sie empfiehlt jedem, anhand des Impfausweises zu prüfen, ob ausreichend Schutz besteht. „Dabei helfen die Hausärzte, die auch Impfungen vornehmen können“, sagte Dr. Andrea Nigbur.

Zu der Veranstaltung des DHB Netzwerks Haushalt brachten die meisten Teilnehmer ihre Impfausweise gleich mit und nutzten die Gelegenheit, ihren Impfstatus von der Expertin überprüfen zu lassen. Nigburs Hinweis: Für alle Impfungen, die von der Ständigen Impfkommission empfohlen werden, übernehmen die Krankenkasse die Kosten.