Coworking-Space

Auf dem Land leben und arbeiten

Sie wollen Coworking in Schwarzenbek etablieren (v.l.): Ulf Hahn, Jule Lietzau, Jean-Pierrre Jacobi und Winfried Kober.

Sie wollen Coworking in Schwarzenbek etablieren (v.l.): Ulf Hahn, Jule Lietzau, Jean-Pierrre Jacobi und Winfried Kober.

Foto: Stefan Huhndorf

Schwarzenbek. Coworking-Spaces sind eine Möglichkeit, gemeinsam mit anderen am eigenen Wohnort zu arbeiten, statt weit pendeln zu müssen.

Schwarzenbek.  Bis zu 70 Prozent der Dorfbewohner pendeln wie beispielsweise aus Bliesdorf (650 Einwohner) im Norden des Kreises zur Arbeit nach Hamburg oder Lübeck. Ökologisch ist das schlecht – wenn die Pendler nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Aber auch der Zeitaufwand ist gewaltig und für Eltern macht das auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwierig.

Eine Lösung könnte das Projekt Coworking-Spaces bieten, wie es Studentin Jule Lietzau in Bliesdorf koordiniert hat. Dank einer Förderung des Kreises in Höhe von 20.000 Euro konnte auf eine Initiative von CDU und Grünen im Kreistag ein Pilotversuch mit Coworking-Spaces – untergebracht in einem speziell konstruierten Bürocontainer mit schnellem Internet – im Herzogtum Lauenburg gestartet werden.

Pilotversuch in Bliesdorf und Schwarzenbek

Der erste Standort war Bliesdorf, der zweite ist aktuell Schwarzenbek auf dem Hof hinter dem ehemaligen Ärztehaus an der Lauenburger Straße 18. Schwarzenbeks CDU-Vize Winfried Kober hat dort seine Firma ID Nord und bietet auch Maklertätigkeiten sowie Immobiliendienstleistungen. Somit passt der Coworking-Container auch perfekt in sein berufliches Portfolio.

„Die Erfahrungen in Bliesdorf waren sehr gut. Wir hatten 59 Buchungen von 19 Personen. Neun Berufstätige nutzten den Arbeitsplatz im Container mehrfach. Das ist für den Beginn ein gutes Ergebnis, das Format muss sich erst noch durchsetzen“, so die Bilanz von Jule Lietzau nach vier Wochen.

Projekt hat Anlaufschwierigkeiten

Zu diesem Ergebnis kommt auch Winfried Kober. „Der Anfang ist sperrig. Das Projekt wird noch nicht so angenommen, wie es soll. Dabei sind die Coworking-Spaces gerade für Menschen ideal, die sich frisch selbstständig gemacht haben. Sie müssen keine langfristigen Mietverträge eingehen.“

Auch Kommunen bieten mobile Büroräume eine große Chance. „So können kleine Firmen angesiedelt werden, ohne das neue Gewerbeflächen ausgewiesen werden müssen. Das bringt Gewerbesteuer und hält auch Kaufkraft im Ort. Immer mehr Arbeitgeber fördern es auch, wenn Beschäftigte zu Hause arbeiten“, so Ulf Hahn, Geschäftsführer der WFL Wirtschaftsförderungsgesellschaft Herzogtum Lauenburg. Die WFL begleitet das Projekt.

Heimarbeit ist nicht jedermanns Sache

Heimarbeit ist aber nicht jedermanns Sache, weiß Jule Lietzau. „Oft haben die Beschäftigten zu Haus nicht genug Ruhe, wenn dort Kinder herumtoben. Oder aber sie wollen nicht den ganzen Tag allein arbeiten. Die Coworking-Spaces schaffen die Atmosphäre von Büros, weil dort auch andere Menschen arbeiten und sparen zugleich weite Wege in die Metropole. Sie sind praktisch eine dritte Variante zwischen Heimarbeit und dem regulären Arbeitsplatz“, erläutert die Studentin.

„Coworking wird sich in der Region nie so durchsetzen, wie in Metropolen, wo das mobile Arbeiten für urbane Hipster voll im Trend liegt. Aber es kann ein sinnvolles zusätzliches Angebot sein, da immer mehr Menschen aufs Land ziehen. Coworking ist ein Baustein dazu, Wohnen und Arbeiten an einem Ort zusammenzuführen – so wie es vor Hundert Jahren im ländlichen Bereich üblich war“, so Hahn.

Container speziell für Coworking entwickelt

Die Container sind von der Firma von Jean-Pierre Jacobi gefertigt worden, der auch der Genossenschaft Coworkland angehört. „Zuerst haben wir Tiny Houses gebaut. Dann bekamen wir den Auftrag von der Heinrich-Böll-Stiftung, Container für Coworking-Spaces zu entwickeln.“

Interessierte können das Coworking im Container an der Hamburger Straße 18 noch bis zum 11. Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr ausprobieren. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Computer und Telefon müssen mitgebracht werden.