Kreishandwerkerschaft

Neue Handwerks-Chefin: „Verstaubt ist hier gar nichts“

Susanne Bendfeldt ist seit Jahresbeginn die neue Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft in Ratzeburg.

Susanne Bendfeldt ist seit Jahresbeginn die neue Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft in Ratzeburg.

Foto: Marcus Jürgensen

Ratzeburg. Susanne Bendfeldt ist als Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft seit Jahresbeginn Chefin in einer Männerdomäne.

Ratzeburg.  Sie ist die zweite Frau an der Spitze der Kreishandwerkerschaft: Susanne Bendfeldt, seit 2001 Mitarbeiterin in der Ratzeburger Geschäftsstelle der Interessenvertretung der Handwerksinnungen, hat Anfang des Jahres das Amt von ihrer langjährigen Vorgängerin Marion Fuchs übernommen. „Ich habe nur positive Resonanz erfahren“, zieht sie jetzt Bilanz.

Größte Herausforderung: Fachkräftemangel

Die Zusammenarbeit mit den Innungen und den Firmeninhabern gestalte sich sehr gut, so Bendfeldt: „Es sind offene Gespräche auf Augenhöhe.“ Für die Aufgabe brauche es „Leidenschaft für den Job – sonst wird das nichts: Mir macht es nach wie vor sehr viel Spaß“, so die Geschäftsführerin. Als größte Herausforderung sieht sie den Fachkräftemangel sowie mehr Betriebe für den Eintritt in die Innungen zu begeistern.

Innung als Serviceeinrichtung

Dem Vorurteil, Innungen seien altmodisch, tritt sie vehement entgegen: „Verstaubt ist hier gar nichts.“ Die Kreishandwerkerschaft berät ihre Mitglieder in allen Fällen des Tarif-, Bau-, Arbeits- oder Sozialrechts, stellt bei Arbeitsgerichtsprozessen auch einen Anwalt. Dazu kommen Weiterbildungsseminare, das Bereitstellen von Rahmenverträgen, Hilfe bei der Unternehmensnachfolge sowie ein Netzwerk mit Gleichgesinnten.

„Einige Informationen kann man sich zwar auch ganz alleine im Internet suchen, aber bei uns gibt es eine persönliche Beratung, die rechtsverbindlich ist“, so Bendfeldt. Jedes Mitglied zahlt einen Grundbetrag sowie eine Zusatzbeitrag der sich an der Lohnsumme der Beschäftigten orientiert.

Nur eine Frau an der Spitze

Dass von den elf Innungen allein die Friseure mit Dagmar Bares-Rausch aus Krummesse eine Frau an der Spitze haben, ist für Bendfeldt kein großes Problem: „Eine engagierte Frau als Inhaberin eines Innungsbetriebes kann es auch an die Spitze schaffen.“ Hinzu kommt: Bei Bau- und Baunebengewerbe sind Mädchen bei Gesellenprüfungen in der Unterzahl, schaffen aber oftmals die besten Leistungen.

Kinder fürs Handwerk begeistern

Bendfeldt gibt aber auch zu: „Viele Mädchen, die im Handwerk lernen, kommen häufig auch aus Handwerkerfamilien.“ Da müsse man etwas tun, ebenso bei generellen Werbung für das Handwerk: „Wir müssen die Kinder früher abholen, ihnen das Handwerk nahebringen – nicht erst in den Abschlussklassen, sondern am besten schon in der Kita.“Viele Schulen hätten mittlerweile in der beruflichen Bildung Kooperationen mit Firmen geschlossen, bisher aber nicht mit Innungen oder der Kreishandwerkerschaft. Das Interesse auf beiden Seiten sei sicherlich vorhanden, es wurden bisher nur keine Gespräche geführt, so Bendfeldt: „Wir werden jetzt das Gespräch suchen.“

Das ist die Kreishandwerkerschaft

Die Kreishandwerkerschaft ist die hauptamtliche Dachorganisation von elf durch die jeweiligen Obermeister ehrenamtlich geführten Innungen. Von den etwa 1700 Handwerksbetrieben im Kreisgebiet sind 430 in den Innungen organisiert. Die relativ niedrige Quote erklärt sich durch die vielen Solo-Selbstständigen im Handwerk, die keine Azubis ausbilden. Aus- und Weiterbildung sowie die Gesellenprüfung sind jedoch wichtige Aufgaben der Innungen und ihrer Geschäftsstelle.

Tag des Handwerks in Mölln

Am Sonnabend, 21. September, präsentieren sich Innungen und Innungsbetriebe von 10 bis 15 Uhr auf dem Platz an der Straße Bauhof am Rande der Möllner Innenstadt. „Jeder der Lust hat, kann frisieren, malen, eine Mauer hochziehen, drechseln oder einen Radwechsel machen“, wirbt Susanne Bendfeldt. Dazu gibt es Musik mit der Band „Sharks Moove“, Spaß mit Till Eulenspiegel und eine Frisier-Aktion mit den „Barber-Angels Brotherhood“: Bei der mit Lederjacke und Kutte an Rocker erinnernden Gruppe handelt es sich um einen Club von Friseuren, die in regelmäßigen Abständen Obdachlosen und anderen Bedürftigen in ganz Deutschland Haare und Bärte schneiden. In Mölln kann sich jeder von den „Angels“ frisieren lassen – gegen eine Spende für deren wohltätige Arbeit.