Kapazitätsbegrenzung

Bei 127 Erstklässlern ist nächstes Jahr Schluss

Schulrätin Katrin Thomas (2. v. r.) beschränkt die Kapazität der Grundschule Nordost für ein Jahr auf 127 neue Erstklässler. Das Schreiben überreicht sie Schulverbandsvorsteherin Ute Borchers-Seelig. 

Schulrätin Katrin Thomas (2. v. r.) beschränkt die Kapazität der Grundschule Nordost für ein Jahr auf 127 neue Erstklässler. Das Schreiben überreicht sie Schulverbandsvorsteherin Ute Borchers-Seelig. 

Foto: Stefan Huhndorf

Schwarzenbek. Die Raumnot wird immer dramatischer. Deshalb zieht Schulrätin Katrin Thomas die Notbremse und begrenzt Aufnahmekapazität in Nordost.

Schwarzenbek. Der eigene Erfolg wird zur nicht mehr zu stemmenden Belastung für die Grundschule Schwarzenbek Nordost. 157 Kinder in sieben Klassen wurden in diesem Sommer eingeschult, im Einzugsgebiet leben deutlich weniger – und verlassen haben die Schule nur vier Klassen.

Nur 127 Erstklässler in Nordost

Im kommenden Jahr würden die Probleme ähnlich sein. Deshalb hat Schulrätin Katrin Thomas jetzt auf Antrag der Schulverbandsversammlung die Aufnahmekapazität für ein Jahr auf 127 Erstklässler beschränkt. Der Schulverband unter Leitung von Schwarzenbeks Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig hatte sich eine zweijährige „Atempause“ gewünscht, um die drängenden Raumprobleme zu lösen. So weit wollte die Schulrätin aber nicht gehen.

„Wir haben verlässliche Daten durch die Schulentwicklungsplanung. Sollten die Probleme nicht gelöst werden, kann die Festlegung der Aufnahmekapazität verlängert werden“, sagte sie. „Ich finde das gut. Nächstes Jahr wird es noch einmal eng“, sagte Liane Maier, Schulleiterin in Nordost, „wir nehmen dann sechs Klassen auf, aber nur vier verlassen uns. Da müssen wir eine Lösung finden. Danach werden wir sechs Abgangsklassen haben. Dann entschärft sich die Lage.“

Differenzierung und Inklusion kosten Platz

Das Problem besteht nicht nur in den steigenden Schülerzahlen. Durch Differenzierung im Unterricht und die Inklusion von Schülern mit Behinderungen steigt auch der Raumbedarf pro Klasse.

Das Hamburger Architektenbüro Trapez soll dabei helfen, ein Gesamtkonzept für die Schullandschaft in Schwarzenbek zu entwickeln. Die Planer um den Architekten Dirk Landwehr haben große Erfahrung darin, bestehende Schulen zu erweitern. Sie haben in der Region das Schulzentrum Glinde als Referenzprojekt umgesetzt.

Auch wenn der politische Wille da ist, wie die Beratungen in Schulverband und Sozialausschuss der Stadt gezeigt haben, wird dies ein langwieriger Prozess, der einige Jahre dauern kann. Die Zeit drängt jedoch, weil auch in der Grundschule an der Breslauer Straße die Räume knapp
werden – obwohl die „Ab­stimmung der Füße“ gemäß des Einzugsgebiets eindeutig in Richtung Nordost geht. Denn im Sommer wurden lediglich 60 Kinder in der Grundschule Breslauer Straße eingeschult, das Einzugsgebiet ist deutlich größer. Bei Eltern gilt die Grundschule Nordost als moderner.

Vorbehalte gegen Grundschule Breslauer Straße

„Es gibt unbegründete Vorbehalte seitens einiger Eltern. Daran müssen wir arbeiten“, so die kommissarische Schulleiterin Bettina Kossek. Sie lädt alle Eltern zum Tag der offenen Tür am 27. September ein. Die Schule öffnet von
14.30 bis 17.30 Uhr.

Obwohl seit 2007 in Schleswig-Holstein die freie Schulwahl gilt, stehe der Festlegung der Aufnahmekapazität rechtlich nichts entgegen, sagte Katrin Thomas. „Die freie Schulwahl ist ein hohes Gut. Aber es muss im Sinne des Steuerzahlers auch darauf geachtet werden, dass vorhandene Räume genutzt werden“, betonte sie mit Blick Anmeldezahlen an der Grundschule Breslauer Straße. Deshalb werden im kommenden Jahr erst einmal die 127 Kinder aus dem Einzugsgebiet Nordost versorgt. Schicken die Eltern einige dieser Kinder an andere Schulen, werden die freien Plätze verlost oder nach einem Kriterienkatalog vergeben.